Dr. Roderich Zauscher

Bund Naturschutz will notfalls klagen

Dachau - Der Bau einer Nord-Ost-Umfahrung von Dachau wird immer wahrscheinlicher. Umso entschiedener will der Bund Naturschutz das Straßenbauprojekt stoppen. Notfalls mit einer Klage.

Kaum ein Thema wird im Landkreis Dachau derzeit so heftig und kontrovers diskutiert wie der mögliche Bau einer Nord-Ost-Umfahrung für die Stadt Dachau. Jetzt hat die Regierung von Oberbayern für einen Teil des Projekts - die Ostumfahrung - das Planfeststellungsverfahren eingeleitet (wir berichteten). Dr. Roderich Zauscher, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, kündigt unmissverständlich an: „Der Bund Naturschutz wird das Projekt mit allen zur Verfügung stehenden politischen und juristischen Mitteln bekämpfen!“

Zauscher schreibt in einer Presseerklärung, dass die Regierung von Oberbayern das Planfeststellungsverfahren „wohl auf Betreiben von Dachauer und Landkreis-Politikern“ eingeleitet habe. Die Trasse der Ortsumgehung verläuft östlich des Gewerbegebiets Schwarzer Graben in Dachau-Ost. So würde eine Realisierung des Projekts „die letzten Reste des Dachauer Mooses zerstören und damit auch die Naherholungsmöglichkeiten unzähliger Bürger unseres Ballungsraumes“, so Zauscher. Die Bewahrung von Freiräumen und Naherholungsmöglichkeiten gehörten jedoch zu „den menschlichen Grundbedürfnissen“, gerade in Ballungsräumen. Zauscher wörtlich: „Das Straßenbauprojekt ist somit nicht nur mit großer Naturzerstörung verbunden, sondern auch menschenverachtend.“ Zudem verweist der BN-Kreisvorsitzende auf das landkreisweite Bürgerforum „Zwischen Dorf und Metropole“. In diesem öffentlichen Beteiligungsprojekt haben Bürger formuliuert, in welcher Weise der Landkreis Dachau sich entwickeln solle. Den Ergebnissen von „Zwischen Dorf und Metropole“ stehe die Umgehung „diametral entgegen“, meint Zauscher.

Verkehrspolitisch würde dieses Projekt zwar eine Verkehrsentlastung von Hebertshausen bringen, räumt Zauscher ein, die Entlastung von Dachau wäre allerdings mit drei Prozent nur marginal, und Ampermoching wäre massiv stärker belastet. „Diese Prognose stammt vom Verkehrsexperten Professor Kurzack, die dieser im Auftrag des staatlichen Straßenbauamts erstellt hat. Zu Karlsfeld hatte Kurzack keine Aussage gemacht - wohl um zu verschleiern, dass Karlsfeld bei Verwirklichung des Projekts mit einer massiven Steigerung des Durchgangsverkehrs rechnen müsste.“

Tatsächlich formiert sich in Karlsfeld der Widerstand gegen die Umgehungspläne. Zuletzt hatte auch der Karlsfelder CSU-Ortsvorsitzende Bernhard Gaigl klargemacht, dass er und die Karlsfelder CSU die Umfahrung kategorsich abgelehnten - anders als die Parteifreunde zum Beispiel in Dachau.

Roderich Zauscher schreibt abschließend, dass die wahren Gründe für die Vorantreibung des Straßenbauprojekts andere seien: „Es geht in Wahrheit nicht um Verkehrsentlastung, sondern um die Erschließung neuer Gewerbegebiete auf Kosten von Natur und Mensch.“

Thomas Leichsenring

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