Zwei auf einer Linie: Herbert Müller (rechts) mit Ansgar Wilk (links) in der Wirtshauskomödie „Mirandolina“. ink

Die bunten Vögel von Bergkirchen

Bergkirchen - Im Hoftheater Bergkirchen gibt es dieses Jahr etwas zu feiern: Es läuft die zehnte Spielzeit im zehnten Jahr am Standort auf dem Biobauernhof „Beim Müller“ in der Mühlstraße.

Im Jahr 2004 haben Herbert Müller und Ulrike Beckers von der Neuen Werkbühne München den Entschluss gefasst, sich mit einer festen Spielstätte in Bergkirchen niederzulassen, weil die Bedingungen stimmten. Los ging es mit den ersten Aufführungen im Herbst 2005. In den Hofbesitzern Christine und Holger Weller fanden die Theaterleute kunstinteressierte Vermieter, die nach wie vor keine Premiere verpassen und sich über die Erfolge mitfreuen. Die Palette reicht von Klassikern und Komödien bis hin zum kleinen Musiktheater.

Das eigentliche Geburtstagsfest des Hoftheaters findet erst im September statt. „Was wir in der nächsten Zukunft machen, also in der elften Spielzeit 2015/16, das planen wir jetzt im Frühjahr“, verrät Herbert Müller. Fest steht: „Unser Theater ist hier zu Hause - und wir auch.“

Die laufende zehnte Spielzeit 2014/15 wartet mit mehreren Premieren und Erfolgsstücken aus den Repertoires auf. Der bisher größte Erfolg ist das Musical „Edith Piaf - Süchtig nach Liebe“, das am 7. Dezember 2008 auf die Bühne kam und die Zuschauer nach wie vor zutiefst berührt. Die beiden Darsteller Janet Bens und Ansgar Wilk beleuchten zusammen mit dem Pianisten Max. I. Milian das ausschweifende Leben der weltberühmten französischen Chansonsängerin Edith Piaf. Die bisher meisten Zuschauerzahlen mit über 3000 Besuchern verzeichnete das Hoftheater beim Sommerspektakel 2014 auf der Rathauswiese mit der Aufführung der Operette „Im Weißen Rössl“ zur 1200-Jahr-Feier der Gemeinde.

Heuer findet vom 23. Juli bis 7. August die „Sommerkultur Bergkirchen“ ihre Fortsetzung, und zwar an einem ungewöhnlichen Spielort: auf dem historischen Reischl-Hof in Unterbachern mit „Lumpazivagabundus“ von Johann Nestroy, einer Posse mit Gesang.

Auf die Erfolgsgeschichte seines Theaters angesprochen, meint Herbert Müller: „Natürlich freuen wir uns sehr, wie gut unser Theater vom Publikum und der Presse angenommen und begleitet wird. Auch wenn - oder vielleicht auch gerade weil? - wir im Grunde die altehrwürdige Form des Stadttheaters auf unserer kleinen Bühne bewahren.“ Es sei ein ständiger Dialog, so Müller: „Wir Theaterleute stellen etwas vor, und das Publikum antwortet, einmal in gespannter Aufmerksamkeit, dann in heiterem Lachen. Diesen Dialog zwischen Bühne und Zuschauerstühlen lebendig zu erhalten, ist unser Ziel. Und wenn wir ehrlich sind, wir hätten nicht gewagt, uns vorzustellen, dass wir so schnell und so herzlich mit dem Theater auf dem Dorf vom Publikum aufgenommen werden.“

Zur Zusammensetzung des Ensembles erklärt Müller: „Das Grundkonzept unseres Theaters ist die Vielseitigkeit. Deshalb sind in unserem kleinen Ensemble so unterschiedliche Menschen anzutreffen, junge und ältere, Schauspieler, Sänger, eine bildende Künstlerin, Musiker aus unterschiedlichen Stilrichtungen, eine Tänzerin. Das geht natürlich nur mit Gästen, die auch an anderen Theatern, in anderen Ensembles und in der Filmbranche arbeiten - und im Hoftheater ihre künstlerische Vielfalt einbringen. Ich bin sehr froh über all diese ,bunten Vögel’ - ich bin ja auch einer“.

Welche Projekte sich Müller für die Zukunft vorstellen kann, erklärte er dann: „Mittel- und langfristig hätte ich den Traum, das Zusammenwirken mit professionellen Ensembles und Künstlern der Region in unterschiedlichsten Projekten erweitern zu können.“ Das bedeutet wohl, dass die Theaterfreunde aus der gesamten Region auf viele weitere Überraschungen gespannt sein dürfen.

Die Gemeinde Bergkirchen schätzt sich glücklich, dass das einzige professionelle Theater zwischen Augsburg und München hier seine Heimat gefunden hat.

(ink)

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