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Im Helios Amper-Klinikum Dachau sind aktuell vier von 32 Intensivbetten mit Covid-19-Erkrankten belegt.

Leitende Mitarbeiter des Helios Amper-Klinikums nehmen Stellung und treten Spekulationen entgegen

Dachauer Krankenhaus auf dem Weg zurück zur Normalität

  • Thomas Zimmerly
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912 gemeldete Coronafälle gibt es (Stand Dienstag) im Landkreis Dachau. An einigen Tagen sind zuletzt keine Neuinfizierten hinzu gekommen. 32 Intensivbetten hält das Dachauer Krankenhaus zur Verfügung. Vier davon sind aktuell mit Covid-19-Erkrankten belegt. Zeit zur schrittweisen Rückkehr zur Normalität. 

Dachau – Jeden Tag veröffentlicht das Landratsamt die neuesten Zahlen über die positiv getesteten Menschen im Landkreis Dachau. Die Zahl der Neuinfizierten ging zuletzt zurück. An mehreren Tagen gab keinen einzigen neuen Fall. Am Helios Amper-Klinikum Dachau kehren Ärzte und Pflegepersonal deshalb schrittweise wieder zurück in den Normalbetrieb. Doch was heißt das genau?

Leitende Angestellte des Krankenhauses nehmen dazu Stellung. Dabei geben sie auch Antworten auf unangenehme Fragen. Besser gesagt, Spekulationen. Sind wegen der Coronapandemie im Klinikum Dachau lebenswichtige Operationen oder Therapien verschoben worden? Musste trotz ausbleibender Covid-19-Patienten Personal frei gehalten werden, das auf anderen Station dringend benötigt worden wäre? Haben sich die Menschen aus Angst vor Ansteckung nicht mehr getraut, ins Krankenhaus zu gehen?

Fakt ist, dass im Zuge der Corona-Pandemie elektive, also verschiebbare Behandlungen wie etwa Nasenscheidewand-Operationen zurückgestellt werden mussten, um ausreichend Kapazitäten für Covid-19-Patienten vorzuhalten. „Wir setzen alles daran, um Patienten, deren Behandlungen wir wegen der Covid-19-Pandemie zurückgestellt haben, wieder aufnehmen zu können“, sagt Klinikgeschäftsführer Florian Aschbrenner. „Wir holen aktuell alle Eingriffe nach, die wir in den letzten Wochen und Monaten verschieben konnten“, ergänzt der Ärztliche Direktor Professor Dr. Hjalmar Hagedorn. Dabei handelt es sich um Fälle, bei denen keine akute Lebensgefahr durch die Verschiebung entstanden ist.

Alexander von Freyburg ist Pandemiebeauftragter Arzt und Leitender Oberarzt der Notaufnahme

„Dies tun wir aber nur unter der Voraussetzung, dass wir keine Ressourcen in Anspruch nehmen, die einem Covid-19-Patienten zustehen“, so Professor Hagedorn weiter. Heißt das nun, dass künftig beispielsweise aufwändige Krebstherapien hintanstehen müssen, wenn es wieder verstärkt zu Coronafällen kommt? „Lebensbedrohliche Tumor-Operationen sind nicht verschoben worden“, sagt Alexander von Freyburg, Pandemiebeauftragter Arzt und Leitender Oberarzt der Notaufnahme. Alle dringend notwendigen OPs habe man auch während der zurückliegenden Wochen durchgeführt. Chemotherapien werden, unabhängig von Corona, überwiegend ambulant in onkologischen Praxen durchgeführt.

32 Betten werden im intensivmedizinischen Zentrum vorgehalten. Vier davon sind sind momentan belegt, drei dieser Patienten werden beatmet. Acht weitere Covid-19-Erkrankte liegen auf der Normalstation. Wie wird in diesem Zusammenhang das Pflegepersonal eingesetzt? Bleiben Mitarbeiter vorsichtshalber auf der Intensivstation, obwohl sie auf anderen Stationen gebraucht würden?

Dem sei mitnichten so, sagt Pflegedirektorin Gesa Breckweg und erklärt das System, wie sie ihre rund 550 Bediensteten einsetzt.„Wir haben die Mitarbeiter aus der Pflege ihrer Expertise entsprechend in andere Bereiche eingearbeitet, wie zum Beispiel die Anästhesiepflege für die Intensivstation“, so Breckweg. „Diese gehen jetzt schrittweise wieder in ihre eigentlichen Bereiche zurück.“ Für den Fall, dass sie erneut im Intensivbereich benötigt würden, habe man Eskalationspläne zur Hand, um „ad hoc wieder hochfahren zu können“.

Schließlich „sind die Stationsleitungen im regen Austausch und treffen sich jeden Tag mit der Pflegedirektion, um auf aktuelle Situationen zeitnah reagieren zu können.“

Gesa Breckweg ist Pflegedirektorin am Amper-Klinikum und Chefin von 530 Pflegekräften.

Oft ist in diesen Zeiten zu hören, dass sich Patienten nicht mehr ins Krankenhaus begeben – aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Laut von Freyburg gebe es durchaus Patienten, die sich nicht trauen würden, in die Klinik zu kommen oder den Rettungsdienst zu rufen. „Aber die Menschen brauchen keine Angst zu haben, wenn sie wegen eines akuten Notfalls zu uns kommen“, so der Leitende Oberarzt der Notaufnahme. Seinen Feststellungen zu Folge sei die Anzahl an stationären Aufnahmen aus der Nothilfe ins Klinikum nur leicht zurückgegangen. Die Zahl der Patienten, die kämen, um sich ambulant behandeln zu lassen oder sich eine zweite Meinung einzuholen, sei allerdings deutlich weniger geworden.

Es gebe wohl so manchen Patienten in dieser Zeit, „der sich sagt: Diese Sache muss ich doch nicht im Krankenhaus machen lassen“.

Schutz- und Sicherheitssystem

Im Zuge der Wiederaufnahme der elektiven, also verschiebbaren Behandlungen (siehe großer Bericht) wurden die Amper-Kliniken Dachau und Indersdorf mit einem neuen Farbcode-System ausgestattet. Mithilfe dieses Ampel-Systems – in Rot, Gelb und Grün – werden die unterschiedlichen Bereiche einfach und gut verständlich gekennzeichnet. In den grünen Bereichen werden alle risikolosen Patienten behandelt. Das sind Patienten, die mit einem negativen Covid-19-Test und ohne Symptome in die Klinik kommen. Um sicherzustellen, dass diese Patienten nicht infiziert sind, füllen Klinikmitarbeiter vor jeder Patientenaufnahme telefonisch mit dem Patienten einen Bogen zur Krankheits-Vorgeschichte aus. In der grünen Zone können sich die Patienten frei bewegen. Patienten, die ein erhöhtes Risiko für eine, auch unerkannte Covid-Infektion haben, werden im gelben Bereich versorgt. Hier befinden sich unter anderem Patienten, deren Abstrichergebnis noch aussteht, wie zum Beispiel Notfallpatienten. Hier liegen die Patienten in Einzelzimmern und werden so lange isoliert, bis ein negatives Testergebnis vorliegt. Rote Zonen sind ausschließlich für die Behandlung von Covid-19 Patienten vorgesehen. Hier dürfen sich Patienten nur bei medizinischer Notwendigkeit außerhalb des Zimmers aufhalten.

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