Dachau: Niederlage für Ex-Gedenkstättenleiterin

Dachau/München - Im Streit um angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten ist die frühere Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau vor Gericht gegen den Historiker Michael Wolffsohn gescheitert.

Mit einem Unterlassungsantrag hatte die Ex-Leiterin Barbara Distel verhindern wollen, dass Wolffsohn weiterhin den Vorwurf verbreitet, sie habe während ihrer Amtszeit Geld veruntreut. Mit der am Dienstag verkündeten Entscheidung beurteilte das Landgericht München I nicht, ob dieser Vorwurf zutrifft. Die Zivilkammer lehnte Distels Begehren ab, weil sich Wolffsohn nur in einem internen Kreis derart geäußert hatte.

In der Begründung der Gerichtsentscheidung heißt es, dass Äußerungen innerhalb besonders geschützter Sphären nicht rechtswidrig sind und keinen Unterlassungsansprüchen unterliegen. Wolffsohn hatte die Vorwürfe innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde in München (IKG) verbreitet. Eine entsprechende Mail soll unter anderem an Präsidentin Charlotte Knobloch gegangen sein.

Wie Wolffsohns Anwalt, Gero Himmelsbach, sagte, will sein Mandant im Dezember vergangenen Jahres den Hinweis auf Unregelmäßigkeiten in der Gedenkstätte Dachau bekommen haben. "Wolffsohn fühlt sich nicht bemüßigt, zu ermitteln, was an der Sache dran ist", sagte Himmelsbach. Wolffsohn, der selbst im Vorstand der IKG sitzt, habe sich aber verpflichtet gefühlt, seine Informationen an seine Kollegen in der IKG weiterzugeben. Nachdem der Fall bereits "versandet" gewesen sei, habe Distel von Wolffsohn eine Unterlassungserklärung verlangt.

Distels Anwalt Norbert Kückelmann sagte, Wolffsohns Vorwürfe seien unwahr. Es handele sich um Gerüchte. Auch die heutige Leiterin der Dachauer Gedenkstätte, Gabriele Hammermann, nahm Distel in Schutz. "Diese Form der Nachrede, ohne Beweise zu haben, hat mir nicht getaugt", sagte Hammermann. Eine Buchprüfung hätte eindeutig ergeben, dass die von Wolffsohn verbreiteten Vorwürfe nicht stimmen, wie Hammermann erläuterte. Eine solche Prüfung sei aber nicht erfolgt.

Distel hatte 33 Jahre lang die KZ-Gedenkstätte Dachau geleitet. Im Sommer 2008 ging sie 65-jährig in Ruhestand. Distel gilt als renommierte Publizistin. So gibt sie die "Dachauer Hefte" zur Geschichte von Konzentrationslagern heraus. Der Historiker Wolffsohn lehrt als Professor an der Münchner Bundeswehruniversität. Der 61-Jährige hatte vor vier Jahren Schlagzeilen gemacht, weil er SPD-Chef Franz Müntefering vorwarf, gegen Manager zu hetzen wie einst Nazis gegen Juden. Anlass war Münteferings Vergleich von Finanzinvestoren mit Heuschrecken.

dpa

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