Ist Dachau dem Wachstum gewachsen?

Landkreis - Momentan hat der Kreis rund 147.400 Bürger - 2034 werden es in etwa 172.000 sein. Landrat Stefan Löwl erklärt, was das für die Bevölkerung bedeutet und wo besonders starker Zuzug zu erwarten ist.

Der Landkreis Dachau ist eine Wachstumsregion. Das geht aus den Zahlen hervor, die der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München veröffentlicht hat. Ende 2014 lebten fast 8600 mehr Menschen im Landkreis als noch Ende 2009. Die Entwicklung hält an.

-Herr Löwl, der Landkreis Dachau wächst rasant. Freut Sie das oder macht es Ihnen Sorgen?

Ich denke, es ist positiv und negativ. Es ist natürlich schwierig, mit so einem hohem Wachstum in kurzer Zeit umzugehen. Aber es ist immer noch besser, als wenn man einen Bevölkerungsschwund hätte, wie in anderen bayerischen Regionen.

-Was sind die Probleme an einem starken Wachstum?

Die größten Probleme sehe ich im Mangel an Fläche. Der Kampf darum wird schwieriger. Für die wenige, nicht vermehrbare Fläche, die wir haben, gibt es sehr unterschiedliche Nutzungsinteressen.

-Welche zum Beispiel?

Man braucht Flächen für Gewerbe und für die notwendige Infrastruktur, zum Beispiel für Verkehrswege, Schulen oder Kindertagesstätten. Das muss ja alles mitwachsen. Dazu kommen Flächen für die Landwirtschaft, Flächen, die der Naherholung dienen, oder Naturschutzflächen. Und wir haben deutlich zu wenig Wohnungen, da wird es eine Nachverdichtung geben.

-Was heißt das?

Wir müssen zwar unseren Charakter mit Einfamilien- oder Reihenhäusern bewahren. Trotzdem kann es in Gegenden mit guter MVV-Anbindung nicht mehr nur Reihenhaussiedlungen geben, wir brauchen auch Geschosswohnungsbau. Ich denke da nicht an Hochhäuser, sondern zum Beispiel an vier Stockwerke. Das ist aber auch immer vom Ort abhängig. In Karlsfeld sind die achtstöckigen Häuser aus meiner Sicht schon vertretbar, während ich mir das in Altomünster schwer vorstellen könnte.

-Im Hinterland ändert sich also nichts?

Das kann man so nicht sagen. Wenn man neue Gebiete, gerade in S-Bahn-Nähe, erschließt, ist es wichtig, dass man auch an kleinere Wohnformen für Ein- oder Drei-Personenhaushalte denkt. Auch im Hinterland muss man in den Geschosswohnungsbau einsteigen.

-Da wird nicht jeder begeistert sein.

Ja, wo mehr Menschen leben gibt es ja zum Beispiel auch mehr Autos und mehr Lärm. Wichtig ist, dass wir trotzdem unsere Eigenheiten behalten und dass alles sozialverträglich abläuft. Wir wollen nicht auf einmal ein großes Wachstum, sondern ein stetiges. Dann kann die Infrastruktur mitziehen, und die neuen Mitbürger können in das Dorf integriert werden.

-Laut den aktuellen Zahlen soll es im Landkreis Dachau bis zum Jahr 2034 ein Wachstum von 17,3 Prozent geben. Was sagen Sie dazu?

Bei dem Projekt zwischen Dorf und Metropole haben wir selbst von einem Wachstum von 0,5 bis 1 Prozent jährlich gesprochen. Das wäre die Grundlage eines maßvollen Wachstums, mit dem wir umgehen können. Die Prognose des Planungsverbandes liegt deutlich über einem halben Prozent - aber noch lange nicht über einem Prozent pro Jahr.

-Ist das realistisch?

Ob die Prognosen eingehalten werden, kann man vorher nicht sagen. Letztes Jahr waren die Prognosen für das Jahr 2033 noch 8000 Einwohner niedriger, ich bin gespannt, wie sie für 2035 ausfallen werden. Das Thema Migration und Flüchlinge ist zum Beispiel noch nicht in dem Ausmaß erfasst, da muss es noch Anpassungen geben. Ich gehe eher davon aus, dass die Prognosen nach oben gehen als nach unten.

-Wie kann sich der Landkreis vorbereiten?

Das wichtigste ist, dass wir uns Potenziale sichern. Wir müssen jetzt die aktuellen Herausforderungen wie bei den Schulen das vierte Landkreisgymnasium, die Realschule Odelzhausen oder die FOS in Indersdorf angehen. Auch beim Straßenbau, zum Beispiel bei den Umfahrungen in Dachau und Indersdorf, müssen wir ansetzen. Aber es ist auch wichtig zu überlegen, wie es in 20 Jahren aussieht. Flächen, die wir dann brauchen könnten, vielleicht für ein fünftes Gymnasium oder für eine Stadt-Umland-Bahn, müssen wir bei den jetzigen Planungen berücksichtigen, damit sie dann noch frei sind. Wir dürfen uns nicht gleich alle Ausbaupotenziale verbauen, sonst können wir später nichts mehr entwickeln.

-Wo wird das Wachstum besonders groß sein?

Ich denke, das ist vor allem eine Frage der verkehrlichen Erschließung. Die wichtigsten Faktoren werden wohl die S-Bahnverbindung, die Nähe zu München und zur Autobahn sein. Nach dem Ausbau der Linie A kann man das schon jetzt nachvollziehen. Gerade an den Orten, die jetzt eine S-Bahnverbindung haben, wird sich einiges abzeichnen.

Interview: Claudia Schuri

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