Dachauer Künstler aufs Wasser fixiert

Dachau - Der Faszination des Wassers geht die KVD im gesamten Ausstellungsjahr nach. Das setzt sich bei der aktuellen großen Schlossausstellung fort: Vorherrschendes Thema ist das kühle Nass.

520 m NN“ lautet der Titel der Kunstschau, womit die Höhe des Dachauer Schlosses über dem Meeresspiegel gemeint ist. Der Standort der Ausstellung oder seine Höhenlage war jedoch für die Künstler kein Thema. Begrüßt wird der Besucher von der alles mit sich reißenden Wucht des Wassers. Günter Urban, sonst als Grafiker tätig, hat während des dreiwöchigen Kunst- und Kulturaustausches Artecon IV einen Film über die Monday Wasserfälle gedreht.

Oben im Vestibül steht man vor Christa Spencers abstrakten schwarzweißen Malereien, die die still-berstende Kraft des Wassers zeigen und Regenrinnsale darstellen, die in Felsritzen eindringen.

Klaus Herbrich visualisiert die politische Dimension des Lebenselixiers in der ästhetisch und inhaltlich überzeugenden Installation „Wasseraufbereitung“. Mit einer Anordnung zweifarbiger Steine zwischen hohen Wänden weist der Bildhauer auf ein globales Problem hin: Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser und der Rest verbraucht mehr Wasser als nachfließt.

Im Schlosssaal steht der Betrachter Klaus Eberleins skurrilen Wasserbewohnern aus Terrakotta gegenüber. Amperfische und anderes Getier strecken ihre Mäuler aus der Wand wie Putten ihre Beine aus barockem Kirchenplafond. Die dreiteilige Arbeit von Elfriede Hofmann mit dem Titel „Es fließt“. soll die Lebendigkeit des Wassers suggerieren, sie erinnern in ihrer statischen Formgebundenheit an ein Mosaik für Kunst am Bau.

John Dorer hat Collagen mit bunten Hydranten „VIP-Lounge“ übertitelt. Der Künstler fotografiert seit mehr als 20 Jahren die Löschwasser-Zapfstellen, die für Schutz und Rettung stehen. Er setzt die in ihrer Grundform identischen Hydranten mit den Mächtigen dieser Welt gleich, die, anstatt die Erde zu schützen, nur tatenlos zusehen.

Wunderbare, großformatige, informelle Malerei zeigt Eduard „Ardos“ Fischer mit vier Meeres- und Brandungsbildern. Sie sind ein Spiegel der Farben, der Formen und des Lichts und bilden den atmosphärischen Höhepunkt der Ausstellung. Weniger lasierend und durchlichtet, dafür kraftvoll und substanzhaltig sind Mette Therbilds Abstraktionen. Ihre Themen reichen vom embryonalen Fruchtwasser über den sich wild gebärdenden Gebirgsbach bis zum stimmungsvollen Sonnenuntergang am dänischen Fjord.

Die Bildhauerin Monika Siebmanns zeigt unter dem Titel "Acqua alta" Stelen in klaren Formen aus Ton und Eisen, in denen schlanke Figuren zwischen wellenförmigen Gittern gefangen sind. Paul Havermann setzt seine strengen Streifenbilder mit dem verlorenen Horizont gleich. Petra Scherzers Arbeit ist hingegen leicht und erzählend und eine der interessantesten in der Ausstellung. Seit längerem zeichnet und malt sie zum menschlichen Gedächtnis. (sch)

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