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Der Podiumsdiskussion im Landtag (im Bild von links BFV-Konfliktmanager Ali Yalpi, Gastgeber Simone Tolle, Politikwissenschaftler Stefan Metzger, BLSVVizepräsident Otto Marchner) folgte eine lebhafte Diskussion mit den eingeladenen Vereinen.

AEG Dachau: "Zuschauer zeigen Hitlergruß"

Rassismus-Vorwurf: Vereine aus Dachau wehren sich

Dachau - Die Aussagen eines griechischen Fußball-Funktionärs aus Dachau bei einer Podiumsdiskussion im bayerischen Landtag hat 13 Vereine aus dem Landkreis Dachau auf den Plan gerufen.

von Rolf Gercke

In einem Offenen Brief weisen die im Punktspielbetrieb des BFV aktiven Klubs die von Georgios Andreadis, dem technischen Leiter des A-Klassisten AEG Dachau, geäußerten Vorwürfe entschieden zurück.

Die Vereinsvorsitzenden bzw. Abteilungsleiter aus Erdweg, Arnbach, Sulzemoos, Niederroth, Röhrmoos, Jetzendorf, Bergkirchen, Petershausen, Schwabhausen, Haimhausen, Ampermoching, Weichs und Hilgertshausen aus gehen sogar noch weiter, sie halten die Anschuldigungen des AEG-Funktionärs für „äußerst schamlos“, sie erwarten eine öffentliche Entschuldigung von Georgios Andreadis.

Zur Vorgeschichte:

Vereinsvertreter aus ganz Bayern waren in den Landtag gekommen, um auf Einladung der sportpolitischen Sprecherin Simone Tolle über die Probleme und Potenziale migrantisch geprägter Sportvereine zu diskutieren. Wie Ali Yalpi, Konfliktmanager beim Bayerischen Fußball-Verband, kritisierte auch der Politikwissenschaftler Stefan Metzger die unzureichenden Unterstützungsangebote der Verbände. Wichtig sei es insbesondere, die Vernetzung der Vereine zu ermöglichen und Qualifizierungsprogramme aufzulegen.
Schließlich hätten migrantisch geprägte Vereine oft mit enormen Problemen zu kämpfen. Wie diese aussehen, zeigten die vielen Wortmeldungen aus dem Publikum. Die Vereinsvertreter beklagten vor allem die Benachteiligung bei der Vergabe von Trainingsplätzen, die vielen bürokratischen Hürden, rassistische Äußerungen von Gegenspielern und Zuschauern sowie die Tatsache, dass sie mit diesem Problemen zu oft allein gelassen werden.

So weit so gut, doch richtig spannend wurde es erst, als Georgios Andreadis von der AEG Dachau das Wort ergriff. „Die Zuschauer haben uns einmal bei einem Auswärtsspiel vor einer Ecke den Hitlergruß gezeigt. Und als ich mich beim Schiedsrichter beschwerte, sagte der, er könne da nichts machen“, so der AEG-Funktionär.Der Vorwurf der Dachauer Vereine , er habe behauptet, man sei bei einem D-Juniorenspiel in Niederroth mit Kastanien beworfen worden, stimme so nicht, so Andreadis: „Das war ganz anders. Da haben vereinzelte Zuschauer gerufen, ihr Griechen habt eh keine Kohle, fresst Kastanien.“

Dachauer Vereine entsetzt über Aussagen des Herrn Andreadis

Andreadis hat nach den Vorfällen in diesem Juniorenspiel den BFV um Hilfe angerufen, er bat um ein gemeinsames Gespräch mit dem Schlichter Ali Yalpi, das aber nicht zustande gekommen sei: „Der SV Niederroth hatte kein Interesse am dem Gespräch. Ich bin überzeugt, da hätten wir in einer halben Stunde alle Unklarheiten beseitigen können.“

Die Dachauer Landkreisvereine haben mit einer in dieser Form noch nie gezeigten Solidarität auf die Aussagen von Andreadis reagiert. In dem Offenen Brief, der jetzt u.a. an den Bayerischen Landessportverband, die Fraktionen des bayerischen Landtags und an die Polit-Prominenz aus der Stadt Dachau und dem Landkreis Dachau verschickt wurde, zeigt man sich „entsetzt über den in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung formulierten Aussagen des Herrn Andreadis.“

„Instrumentalisierung von Kindern für politische Zwecke“

Man verwehre sich entschieden dagegen, in die rechte Ecke gestellt zu werden oder nicht genügend zur Integration von Sportkameraden mit Migrationshintergrund zu tun. Die Unterzeichneten betonen: „Im Jugend- und Erwachsenenbereich unserer Vereine sind Menschen mit Migrationshintergrund täglich ganz normal in den Sportbetrieb aufgenommen. Wir haben Fußballtrainer von verschiedensten Nationalitäten, Vereinswirte, die griechischen, italienischen oder deutschen Hintergrund haben. Dies ist für uns Normalität.“ Besonders geärgert haben sich die Vereinsbosse über die mit den Äußerungen Andreadis’ verbundene „Instrumentalisierung von Kindern für politische Zwecke.“

Eine solche bestreitet der griechische Funktionär aufs Entschiedenste: „Klar ist, Provokation ist immer ein Mittel von einzelnen Personen. Es gibt viele Vereine, mit denen wir von der AEG überhaupt keine Probleme haben. Im Gegensatz zu den Offene-Brief-Schreibern habe ich allerdings keine Lobby, ich kann nur berichten, was wir schon erlebt haben.“

Die Erklärung der Dachauer Landkreisvereine, man sei gerne bereit, sich in die Diskussion einzubringen, sieht Andreadis mit Skepsis: „Durch die Einschaltung des Konfliktmanagers des BFV wollte ich diese Diskussion in Gang bringen. Ich habe Ali Yalpa kontaktiert, aber das Gespräch ist nie zustande gekommen.“

Unterschreiben könne er aber den letzten Satz des Offenen Briefes: „Wir möchten der schönsten Nebensache der Welt in Ruhe nachgehen – und das ist der Fußball.“

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