123 Menschen leben in den Baracken an der Kufsteiner Straße. Wo sie ab November leben sollen, ist unklar. hab

Denkbar schlechter Zeitpunkt

Dachau - 25 Jahre lang stand die Gemeinschaftsunterkunft der Regierung an der Kufsteiner Straße. Seit Jahren ist sie marode. Immer wieder hat die Stadt das bemängelt, zuletzt 2014. Stets ohne Erfolg. Doch genau jetzt hat der Freistaat den Pachtvertrag gekündigt. Wo die Bewohner hin sollen, ist völlig unklar.

Froh ist er schon. Dass das Ganze endlich ein Ende hat. Andererseits aber ist das zu diesem Zeitpunkt auch „eher schlecht“, sagt Oberbürgermeister Florian Hartmann zur Kündigung der Gemeinschaftsunterkunft an der Kufsteiner Straße, in der 123 Asylsuchende leben. Seit 25 Jahren steht sie dort. Einst wurde sie von der Stadt gebaut, vom Freistaat angemietet und befristet bis 1995. Dann aber wurde die Baugenehmigung immer wieder verlängert. Schließlich ist sie als Eigentum an den Freistaat übergegangen. Und wurde dann fröhlich immer weiter genutzt. Obwohl die Stadt seit 2008 immer wieder betonte, dass die Unterkunft zumindest saniert werden müsste - wenn nicht sogar abgerissen und neu gebaut. Bisher hatte die Regierung von Oberbayern die Stadt immer wieder vertröstet. Erst im Sommer 2014 ist die Stadt mit der langen Geschichte des Aufschiebens wieder an die Öffentlichkeit gegangen. Doch dann passierte wieder nichts.

Und dann? Wurden alle „von den Ereignissen überrollt“, sagt Hartmann. Und genau jetzt, da der Landkreis und die Kommunen verzweifelt versuchen, alle Asylbewerber, die ihnen zugeteilt werden, irgendwo unterzubringen, hat der Freistaat die Unterkunft gekündigt. „Der Pachtvertrag für das Grundstück der bestehenden Gemeinschaftsunterkunft wurde mit Wirkung zum 31. Oktober 2016 vom Freistaat Bayern gekündigt“, lautet die Stellungnahme der Pressesprecherin der Regierung. Und: „Die Regierung von Oberbayern befindet sich in der Abstimmung mit der Stadt und dem Landratsamt Dachau auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück oder Bestandsgebäude als Alternativstandort.“

Nur: Sehr intensiv kann die Abstimmung mit Stadt und Landkreis nicht sein, da beide auf Anfrage betonen, dass sie eigentlich nichts genaues wissen. Nur so viel: 123 Menschen wohnen derzeit in der Unterkunft. 13 sind sogenannte „Fehlbeleger“, also Flüchtlinge, deren Asylantrag anerkannt wurde und die damit keine Asylbewerber mehr sind - also sich selber eine Wohnung suchen müssen. Die, so vermutet der OB, wird die Stadt wohl in Obdachlosenunterkünften unterbringen müssen. Doch Wolfgang Reichelt, Sprecher des Landratsamts, beruhigt: Sollte das Landratsamt damit beauftragt werden, die Bewohner an der Kufsteiner Straße woanders unterzubringen, dann dürfen auch die Fehlbeleger mit, „wir werden sie nicht vor die Tür setzen“.

Doch ob das Landratsamt damit beauftragt wird, ist völlig unklar. „Wir haben noch keine offizielle Information“, erklärt Reichelt. Eigentlich ist diese Gemeinschaftsunterkunft Sache der Regierung, sie müsste also eine neue Herberge suchen. „Wenn die Regierung ein anderes Grundstück pachten kann, ist sie zuständig für die Umverlegung“, erklärt Reichelt. Doch: „Ansonsten gehe ich davon aus, dass sie uns zugewiesen werden.“

Das heißt dann also: nochmal einen Platz suchen, für 123 Menschen. Zusätzlich zu den Flüchtlingen, die dem Landratsamt sowieso jede Woche neu zugewiesen werden. „Das Problem ist ja dadurch nicht gelöst, sondern wird nur gravierender“, sagt der OB. Und fügt seufzend hinzu: „Ob eine Traglufthalle so viel besser ist als die Gemeinschaftsunterkunft, weiß ich auch nicht.“

Nina Praun

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