Dr. Dominik Härtl Dachaus Kulturreferent spricht über die Römerzeit.

"Die Römer haben liegend gegessen"

Erdweg - Kulturreferent Dr. Dominik Härtl wird zum Tag des offenen Denkmals im Huttermuseum in Erdweg über die Essgewohnheiten und Tischmanieren der alten Römer berichten - und seine Zuhörer auf eine kulinarische Zeitreise einladen.

-Herr Härtl, erwartet die Zuhörer bei Ihrem Vortrag am Sonntag eine kleine Zeitreise?

Klar, und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen kocht der Wirt aus einem Kochbuch mit Rezepten, die schon 2000 Jahre alt sind. Zum anderen soll mein Vortrag zeigen, was und wie die alten Römer früher gespeist haben.

-2000 Jahre? Das müssen ja ganz besondere Rezepte sein.

Das sind sie. Es handelt sich um die Rezeptsammlung von Marcus Gavius Apicius, einem Feinschmecker aus der römischen Antike. Der war damals sowas wie heute der Gourmet Johann Lafer. Das Buch von Apicus ist die Haupterkenntnisquelle darüber, was früher die oberen 10 000 so alles gegessen haben.

- Sind da irgendwelche besonderen Delikatessen oder Kuriositäten dabei?

Kuriositäten? (lacht) Nur. Apicius’ Lieblingsessen war zum Beispiel Flamingozunge. Aber auch Schweineeuter, Pfauenfleisch oder Haselmäuse galten als besondere Delikatesse.

-Also von wegen Italien als Land der Pizza und Pasta. Gab es die früher denn noch nicht?

Pasta kam erst viel später, aber andere Dinge, die wir aus Italien kennen, die gab’s schon immer. Oliven, gekochte Eier und Ziegenkäse zum Beispiel. Das haben auch die alten Römer schon gern gegessen.

-Das klingt ja nun doch eher gewöhnlich. Gab es sonst noch etwas Besonderes in der antiken Küche?

Ja, sie war geprägt von ganz extremen Gegensätzen. Fleisch wurde zum Beispiel oft mit einer ganz intensiven Fischsauce serviert. Oder Schwein zusammen mit Aprikosen. Als ganz besondere Kunst galt es, wenn man so viele verschiedenartige Zutaten und Gewürze verkocht hat, so dass nicht mal mehr ein großer Gourmet erkennen konnte, was er da aß.

-Woher wissen Sie eigentlich so gut darüber Bescheid, was die alten Römer auf ihrem Speiseplan hatten?

Ich hatte vor 13 Jahren auf dem Gymnasium Leistungskurs Latein. Damals habe ich meine Facharbeit zum Thema Essen und Trinken im Alten Rom geschrieben. Und seither hat mich das Thema immer ein bisschen begleitet.

- Bei Ihrem Vortrag am Sonntag geht es ja nicht nur darum, was die Römer früher gegessen haben. Ein großer Teil dreht sich um das Wie. Können Sie schon ein paar Besonderheiten verraten?

Das Ungewöhnlichste im Vergleich zu unserer Zeit ist wohl, dass die Menschen beim Essen gelegen sind. Und zwar nicht nur bei dem nach dem Essen üblichen Trinkgelage. Um einen Tisch standen U-förmig drei Liegen auf denen je drei Personen Platz fanden.

-Klingt gemütlich aber umständlich, oder täuscht dieser Eindruck?

Kommt drauf an. Für uns dürfte es schon umständlich sein, auf Messer und Gabel zu verzichten. In der Antike gab es nämlich nur einen Löffel zum Essen. Denn die reichen Römer hatten ja Sklaven, die ihnen das Essen schon vorgeschnitten haben. Aber dass man den Teller immer in der linken Hand halten musste, dürfte für die meisten Menschen heute sehr gewöhnungsbedürftig sein.

-Scheint so, als wäre Kleckern bei dieser Art zu Essen vorprogrammiert.

Um die Liegen nicht zu besudeln, legten die Römer große Servietten unter. Das hatte den Vorteil, dass sie übriggebliebene Speisen einfach in die Tücher wickeln konnten, um sie mit nach Hause zu nehmen. Das war sozusagen der Vorläufer der heutigen Frischhalteboxen.

-Gab es bei den Mählern ein festes Schema?

Damals gab es, meist drei Gänge. Oft wurden die Gelage mit Tänzern und Musik umrahmt. Und zum Unwillen der anderen Gäste hat der Gastgeber oft versucht, sich mit literarischen Ergüssen zu profilieren, die er selbst verfasst hat. Da half es oft nur noch, sich zu betrinken.

- Denken Sie das antike Essen kommt bei ihren Zuhörern gut an?

Das hoffe ich doch sehr. Aber ich denke. es ist für jeden etwas dabei. Das Aprikosen-Schwein hab ich selbst schon begeistert getestet. Und das Mulsum, eine Art Honigwein schmeckt sicher jedem - zumal es angeblich Garant für ein langes Leben ist. (cb)

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