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Fassungslos: Erwin H. und Sandro G. auf ihrem leeren Parkplatz im Karlsfelder Sanddornweg.

Fette Beute im Sanddornweg

Diebe klauten einer Familie zwei Autos

Karlsfeld - Erwin H. (58) und Sandro G. sind noch immer fassungslos. Dreiste Diebe haben in einer Nacht ihre Autos gestohlen und sofort nach Osteuropa gebracht.

Im Karlsfelder Sanddornweg haben Diebe in der Nacht von 3. auf den 4. Oktober fette Beute gemacht: Binnen weniger Minuten klauten sie den BMW 318d von Erwin H. (58) und den nur wenige Meter entfernt parkenden BMW 120d von Sandro G. (23) , der mit Erwin H.’s Tochter zusammen ist und in dieser Nacht im H.’schen Anwesen nächtigte.

Beide Autos waren mit Wegfahrsperre ausgerüstet; Sandro G. hatte sich für seinen Flitzer sogar eine Alarmanlage und eine Ortungs-App gegönnt. Nichts davon sollte die Profis aufhalten, die noch in derselben Nacht mit ihren bayerischen Edel-Karossen das Weite in Richtung Osteuropa suchten.

Dies nämlich beweist die Post, die Sandro G. vor wenigen Tagen aus England ins Haus flatterte. Darin nämlich fordert der ungarische Staat ihn auf, wegen eines Tempoverstoßes 83,99 Euro zu bezahlen. Dem Brief beigelegt ist auch ein Foto seines BMW, wie der rund sieben Stunden nach dem Autoklau über eine ungarische Autobahn donnerte.

Dass die beiden Karlsfelder ihre Autos nie wiederbekommen werden, war ihnen jedoch schon in dem Moment klar, als sie am Morgen des 4. Oktober deren Verschwinden feststellten. „Das sind Profibanden, meist aus Rumänien. Die nehmen die Autos auseinander und verkaufen sie in Einzelteilen“, weiß Erwin H.

H. hatte an jenem Morgen eigentlich Semmeln holen wollen, als er seinen 3er-BMW nicht fand. „Ich bin dann erstmal ums Haus und hab an meinem Verstand gezweifelt“, erinnert er sich. Als er dann aber auch das Auto von Sandro G. nicht fand, „wurde mir die Sache klar“.

Laut der Dachauer Polizei sind Doppelschläge wie der im Sanddornweg nicht selten. „Die Diebe haben es nur auf hochwertige Fahrzeuge abgesehen, die sie sofort nach Osteuropa bringen“, so ein Polizeisprecher. Bei der Ergreifung der Täter sei der Faktor Zeit entscheidend: „Entweder man erwischt sie gleich oder gar nicht.“

Erwin H. und Sandro G. haben sich bereits neue Fahrzeuge gekauft, die Versicherung sei anstandslos für den entstandenen Schaden aufgekommen. Dass sein neuer BMW nicht mehr über die Ausstattung des alten verfügt, nimmt H. notgedrungen hin.

Viel mehr nervt ihn, dass der Diebstahl seines Autos nicht das erste kriminelle Erlebnis ist, das er im Sanddornweg hatte. Vor wenigen Jahren waren Einbrecher in sein Haus eingedrungen. „Das hat uns damals wirklich sehr belastet“, erzählt der Familienvater. Zwischenzeitlich haben er und seine Frau sogar überlegt wegzuziehen - in eine Wohngegend, die weniger attraktiv für Diebe ist: „Weiter weg von der Autobahn, und weiter weg vom Friedhof.“

Stefanie Zipfer

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