Mitten durchs Schutzgebiet: Die Hebertshauser Umfahrung würde direkt durch das Wasserschutzgebiet Dachaus führen – wenn die Auffahrt auf die Ostumfahrung an geplanter Stelle bleibt.

„An dieser Stelle geht es nicht“

Dachau - Die Ostumfahrung von Dachau befindet sich im Planfeststellungsverfahren. Das ist der Zeitpunkt, zu dem alle Einwände gegen die Straße vorgebracht werden. Wie, zum Beispiel, die der Stadt Dachau. Die gewaltig sind - weil Trinkwasser auf dem Spiel steht.

Derzeit wird erörtert, ob die Ostumfahrung von Dachau so, wie sie geplant ist, überhaupt entstehen kann. Oder darf. Wer also etwas gegen sie hat, bringt seine Beschwerde vor, ob Grundstückseigentümer, Naturschützer - oder die Verwaltung der Gemeinden, über deren Grund die Straße laufen wird. Und so hat sich auch die Stadt Dachau ganz genau überlegt, welche Hürden sie in den Plänen sieht.

All diese Hürden hat sie nun sehr detailliert dem Verkehrsausschuss der Stadt Dachau vorgelegt. In den Ausführungen ist teilweise von finanziellen Sorgen die Rede - zum Beispiel soll die Stadt Erschließungsstraßen für Höfe bauen. „Dazu ist die Stadt nicht bereit“, heißt es. Ebenso will die Stadt nicht für eine Wendemöglichkeit einer neuen Sackgasse aufkommen. Doch viel tiefgreifender sind die Einwände, die die Stadt in Sachen Naturschutz hat.

Denn der Bau der Ostumgehung wird laut Stadt dem Gedanken, ein ursprüngliches naturnahes Dachauer Moos zu schaffen, „nicht entsprechen“. Noch mehr: Es werden voraussichtlich ökologisch wertvolle bis sehr wertvolle Flächen „beeinträchtigt beziehungsweise zerstört“, eine hochwertige Ausgleichsfläche würde überbaut werden. Außerdem müsste ein Bannwald abgeholzt werden, der bisher als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. Umweltreferentin Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) betonte, dass gerade in diesem Bannwald „140-jährige Eichen stehen, vital und gesund“, diese seien „unersetzbar“. Geißler betonte dann, wie dankbar sie um die Stellungnahme der Stadt sei - sie zeige, dass „es nicht nur um ein FFH-Gebiet und die Helmazurjungfer gehe“, sondern auch darum, welche „zentralen Interessen mit der Trasse angegriffen werden“. Nämlich: die des Trinkwassers.

Denn so, wie die Trasse der Ostumfahrung derzeit geplant ist, würde die Südumfahrung von Hebertshausen genau durch ein Wasserschutzgebiet laufen - ein Gebiet, das die zukünftige Wasserversorgung der Stadt Dachau sicherstellen soll. „Die Trasse wird an dieser Stelle abgelehnt“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Bernhard Sturm (Bündnis für Dachau) bohrte also weiter: „Wäre dies also ein Killer-Kriterium?“ Und Gerald Nübel, Werkleiter der Stadtwerke Dachau, die für die Wasserversorgung zuständig sind, erwiderte kurzum: „Die Trasse quer durch das Gebiet wäre ein Killer.“

Die Südumfahrung ein Killer? Und das, wo doch bei den jüngsten Diskussionen im Stadtrat die Südumfahrung von Hebertshausen eines der Hauptargumente für die Ostumfahrung gewesen war - da die Nachbargemeinde schon seit langem auf solch eine Entlastung hofft. Bauamtsleiter Michael Simon versuchte zu beschwichtigen: „Dafür gibt es ja solch ein Verfahren“, erklärte er. „Genau für diese Punkte werden die Planer Alternativen suchen müssen.“ Und auch Andreas Meyer, Leiter der Abteilung Tiefbau, betonte: „Wir sagen, an dieser Stelle geht es nicht.“

Noch ein anderes Detail der Planung wurde Thema im Verkehrsausschuss: An der Anschlussstelle zur Südumfahrung Hebertshausen geht eine Straße zum MAN-Lager in Dachau-Ost ab, die ein ganzes Stück lang parallel zur Ostumfahrung verläuft. Eine Art „Schwanenhals“, wie August Haas (CSU) ihn bezeichnete - der Fragen nach dessen Sinn aufwarf. Simon erklärte, dass nicht „beliebig viele Anschlüsse“ an die Ostumfahrung möglich sind.

Schließlich wurden die Einwendungen der Stadt von den Mitgliedern abgesegnet (gegen zwei Stimmen der Grünen) - denn „im Sinne der Einwendungen kann man hier vorbehaltlos zustimmen“, erklärte Volker C. Koch (SPD) seine Einstellung. Und auch Haas betonte als Sprecher der CSU-Fraktion: „Die Einwendungen sind in Ordnung.“

Nina Praun

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