Wer ein solches Schreiben bekommen hat, sollte es im Altpapier entsorgen. Foto: cb

Dubiose GmbH zieht ihren Abzock-Abend in Dachauer Gaststätte durch

Dachau - Am Dienstag sollen in Dachau Senioren abgezockt werden. Eine dubiose Firma aus Österreich will ans Geld der Ahnungslosen.

Jetzt kommt Ewald Zechner aus der Nummer nicht mehr raus. Dabei hat es der Wirt der ASV-Gaststätte „Finale“ versucht, nachdem er von den „Dachauer Nachrichten“ im Zuge der Recherche kontaktiert worden war: „Ich wollte die Sache rückgängig machen, aber das ging nicht.“

Die „Sache“ ist: Zechner bekommt am Dienstag Besuch von Mitarbeitern der Apollo Vertriebs GmbH und damit von Menschen, die anderen rücksichtslos das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Landläufig spricht man von „Kaffeefahrten“. Im vorliegenden Fall werden die Ahnungslosen zwar nicht mit dem Bus zur ASV-Gaststätte gekarrt, abgezockt werden sollen sie trotzdem.

Als potenzielles Opfer war auch Walter Lenk auserkoren. Der 78-jährige Dachauer erhielt von der Apollo Vertriebs GmbH ein Schreiben, das ihn sofort stutzig machte. Denn diesem Schreiben zufolge sollte er auf einem Konto noch 209,10 Euro Guthaben haben. Wie seltsam, dachte sich Lenk, wo ich doch noch niemals von der Apollo Vertriebs GmbH gehört, geschweige denn einen Kontakt irgendeiner Art aufgenommen habe.

Die im österreichischen Bregenz gemeldete GmbH verspricht das Übliche: einen netten Abend bei kostenlosem Essen, Geschenke und obendrein die Möglichkeit, das Guthaben einzulösen. Natürlich sei alles - Zitat: „rechtlich bestens.“ Man solle doch gleich noch Freunde und Bekannte mitnehmen zur - nochmal Zitat: „Feier!“ Wenn Lenk nicht erscheine, sei das Guthaben leider weg.

Dass es sich um kein seriöses Angebot handelt, zeigt allein schon die Tatsache, dass dem Einladungsschreiben nicht zu entnehmen ist, was die Apollo Vertriebs GmbH eigentlich vertreibt: Kosmetik- und Wellnessprodukte. ASV-Wirt Zechner gegenüber verkauften die Abzocker aus Bregenz die geplante Veranstaltung wenigstens halbwegs korrekt als Präsentation ebensolcher Produkte. Kunden wie Walter Lenk teilt man das besser nicht mit.

Wer mal in Bregenz anruft, der kann Spaß haben. Die vorgebliche Unwissenheit der Damen, die dort ans Telefon gehen, ist höchst unterhaltsam. Eine dieser Damen heißt Nina Wilming. Nicht die geringste Ahnung habe sie, welcher Art denn der Veranstaltungsabend in Dachau sei, behauptete sie gegenüber unserer Zeitung. Eine vergessliche Dame, diese Nina Wilming. Denn sie war es, die mit Zechner Kontakt aufnahm und Details klärte.

Warum die vorgebliche Telefonistin die Verhandlung mit den Veranstaltungshäusern führt, wird rasch klar. Denn Mario Rissmann, der Geschäftsführer der Bregenzer Firma, hat einen zweifelhaften Ruf längst weg: Seit Jahren dreht er vorwiegend älteren Menschen auf vergleichbaren Veranstaltungen Bratpfannen, Naturhaardecken, Vitaminprodukte und sonstwas an. Alles im Internet dutzendfach nachzulesen

Gibt man indes den Firmennamen „Apollo Vertriebs GmbH“ in die Internetsuchmaschine Google ein, so schauen die Ergebnisse recht harmlos aus. Viele sind es ohnehin nicht. Das mag auch daran liegen, dass die Apollo-Leute keine eigene Internetseite haben. Die vermutlich überteuerten Produkte, die sie an Mann und Frau zu bringen gedenken, kann man sich also nicht mal online anschauen. Und das in Zeiten, da jeder Schlüsseldienst seine eigene Homepage hat.

Aussagekräftiger sind die Google-Ergebnisse für ein Unternehmen, das sich Sonja-Reisen nennt. Beim Blick auf den Bildschirm springen einem Schlagworte wie „Abzocker“, „Schwarze Liste“, „Kostenfalle“ und „Kaffeefahrt“ geradewegs entgegen. Sonja-Reisen hat der Apollo Vertriebs GmbH die Adresse von Walter Lenk überlassen. Auch mit Sonja-Reisen hatte Lenk niemals direkten Kontakt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Polizei zieht betrunkene Männer aus dem Verkehr
Eine Streife der Polizei Dachau hat am Montag in Ampermoching einen betrunkenen Autofahrer aus dem Verkehr gezogen.
Polizei zieht betrunkene Männer aus dem Verkehr

Kommentare