Erwin Jung. Foto: privat

Ein echtes Schlitzohr mit Sinn fürs Gesellige

Dachau - Er war einer der beiden Gründer der „Lustigen Ostler": Erwin Jung. Nun ist der Vater zweier erwachsener Töchter nach längerer schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben.

Erwin Jung wurde im ehemaligen Jugoslawien geboren, kam als Kind mit seiner Großmutter und seiner Schwester nach Dachau. Hier ging er zur Schule, machte eine Ausbildung zum Spengler und besuchte in München die Meisterschule. Nachdem Erwin Jung aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Spengler arbeiten konnte, kaufte er eine Kneipe. In der Siebenbürgen-/Ecke Pollnstraße machte er im Februar 1987 ein Bierstüberl auf. Er führte es bis vergangenes Frühjahr, dann musste er es krankheitsbedingt schließen. „Das Bierstüberl hat ihm Spaß gemacht. Und er war in der Beziehung auch ein bisschen vorbelastet: Sein Vater, der im Jugoslawienkrieg fiel, war Gastwirt und Metzger gewesen“, erinnert sich seine Frau Emilie. Und was ebenfalls passte: „Mein Mann war immer ein sehr geselliger Mensch, er war gerne unter Leuten.“

Deswegen gründete er im Herbst 1979 zusammen mit Peter Handtke die „Lustigen Ostler“. „Hier rührt sich nichts, da muss man was machen“, soll Erwin Jung damals zu Peter Handtke in dessen Blumenladen in der Fünfkirchener Straße gesagt haben. Also organisierten die beiden ein Herbstfest - mit vollem Erfolg. Doch vor allem die Faschingstreiben und Sommerfeste waren es, die in den folgenden Jahren tausende Menschen auf den Ernst-Reuter-Platz lockten.

25 Jahre lang gehörte der Faschingsdienstag den Lustigen Ostlern und ihren Gästen. Die vielen hundert Gäste konnten sich stets gut unterhalten und umsorgt fühlen - auch bei widriger Witterung, wenn etwa der Bierschaum an Ort und Stelle einfror. Der Erlös wurde nicht gehortet, sondern an Organisationen gespendet, die sich um Menschen in Not kümmern. 2012 erhielten sie dafür den Kron-Maus-Preis der ÜB Dachau. Seit 2006 sitzt den Lustigen Ostlern Reinhard Haagen vor. „Es war irgendwann einfach zu viel Arbeit“, erinnert sich Mitstreiterin Inge Handtke.

Besondere Freude bereitete Erwin Jung in den letzten Jahren seine Enkelin. Maja kam nach dem Kindergarten oft mit der Oma in der Kneipe vorbei und ließ sich von ihrem Opa Geschichten erzählen. „Mein Mann war ein Schlitzohr. Manchmal wusste man nicht, stimmt das jetzt, was er erzählt, oder nicht?“, sagt seine Frau. Sie will den „Imbiss Jung“ vielleicht wieder aufmachen - auch in Gedenken an ihren Mann.

(sue)

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