Anton Hörmann informierte über das Milchboard. Foto: ost

Effektives Milchboard braucht 80 Prozent

Dachau/Hohenzell - Um die Misere der Milchbauern zu beenden, gehört eine große Portion Solidarität. Das erklärte Anton Hörmann, Milchbauer und Beiratsvorsitzender der MEG Milchboard, in Hohenzell.

Die Hauptursache sieht Hörmann in den ungleichen Strukturen der einzelnen Marktstufen. Während es deutschlandweit etwa hundert Molkereien und fünf Lebensmitteleinzelhandelsketten gibt, welche Verarbeitung und Vertrieb erledigen, sind die Milcherzeuger mit 90 000 Betrieben strukturell wesentlich schlechter aufgestellt. Das habe zur Folge, dass die Bauern nicht auf Augenhöhe verhandeln können.

Dieses Ungleichgewicht lasse sich aber mit dem Milchboard lösen. Im Milchboard vertretene Milcherzeuger solidarisieren sich, um mit einer Stimme mit den Verarbeitern verhandeln zu können. Jeder Milchbauer könne dem Milchboard beitreten, ungeachtet, welcher Genossenschaft oder Liefergemeinschaft er angehört. Der große Unterschied zu den bestehendes MEGs bestehe in der Ausnahme vom Verbot der Kartellbildung aufgrund des Marktstrukturengesetzes (Gesetz zur Anpassung der landwirtschaftlichen Erzeugung an die Erfordernisse des Marktes) und in der Aufstellung von Verkaufsregeln, die einen, von unabhängiger Stelle errechneten Mindestpreis, den so genannten Basispreis, beinhalten.

Hörmann appellierte an die Bauern, den Schritt zum Milchboard hin zu tun. Die rechtliche Möglichkeit der Kartellbildung sollte auf jeden Fall genutzt werden.

Seit der Gründung des Milchboards vor eineinhalb Jahren sind hier rund ein Drittel der deutschen Milchmenge organisiert. Zur Umsetzung der Verkaufsregeln seien aber etwa 80 Prozent erforderlich.

In der Diskussion war die große Frage, wie das Milchboard praktisch vorgeht, um den Basispreis gegen die bestehende Preisfindung durchzusetzen. Die Basis für die Umsetzung ist die rechtliche Plattform „Milchboard“, welche Verkaufsregeln deutschlandweit „für alle gleich“ aufstellt.

Reinhard Pröll, Milchbauer aus Irchenbrunn, bedankte sich von Seiten der Zuhörer beim Referenten und empfahl den Milchbauern den Beitritt zum Milchboard, der mit zehn Euro je 100 000 Kilo Jahresmenge Milch in jedem Fall erschwinglich sei. „Eine Änderung der jetzigen Situation von 26 Cent pro Kilo und weiterhin sinkender Tendenz ist in jedem Fall notwendig“, betonte Pröll. (ost)

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