Sie genießen das pulsierende Lebensgefühl in vollen Zügen: Anna Katharina Fleck, Tobias Zeitz, Sarah Kornfeld (von links) bei der Silvester-Show des Hoftheaters. foto: ink

Eine glänzende goldene 20er-Show

Bergkirchen - Die Silvester-Show steht - und damit geht die Jubiläumsspielzeit 2015/16 im Hoftheater Bergkirchen so glanzvoll weiter, wie sie begonnen hat.

Nach den großen Erfolgen mit der spritzigen Revue aus den 50er Jahren und dem Wiener Brettl rückt das Hoftheater Bergkirchen zum Jahresausklang in dem Stück „Tea for Two“ die Glitzer-und Glanzwelt der Goldenen 1920er Jahre ins Blickfeld. Die Darsteller spielen und singen hinreißend, und sie tanzen zu populären Klängen die neuen Modetänze.

In der „Bar zum Krokodil“ findet der „Tanz auf dem Vulkan“ statt - am Flügel sitzt der elegante, virtuose „Tingeltangel-Pianist“ Max I. Milian, der den Rhythmus vorgibt und als musikalischer Leiter zusammen mit Herbert Müller die prickelnde Revue zusammengestellt hat. Als verführerische, selbstbewusste Frau in dieser vom Umbruch bestimmten Zeit, „als die Welt schreit“, wie es bei Brecht heißt, tritt Christina Schäfer als „die Dame im Blau“ ins Rampenlicht. Zusammen mit Anna Katharina Fleck (Dame in Rot) und Sarah Kornfeld (Dame in Lila), den neuen Gesichtern beim Hoftheater, stürzt sie sich ins hemmungslose Vergnügen auf der Suche nach Liebe und Glück.

Die drei Schauspielerinnen sind eine Augenweide, wie sie dem neuen Rollenbild der Frau entsprechen, das geprägt ist von Selbstbestimmung und sexueller Freizügigkeit, ihre weiblichen Reize hervorheben, und wie Marlene Dietrich signalisieren: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt.“ Und sie bestechen durch ihre Bühnenpräsenz.

Sie verzaubern die nicht weniger charmanten Herren in Frack und Smoking. Das sind Ansgar Wilk und Tobias Zeitz, die das pulsierende Leben in vollen Zügen genießen und schwärmen von „Oh Donna Clara“. Das unbeschwerte Lebensgefühl hinterfragt Herbert Müller (Peter Panter) mit Zeitungsmeldungen und zynischen Gedichten und Texten von Kurt Tucholsky und Erich Kästner.

Die 20er Jahre gelten als Blütezeit deutscher Kunst, Kultur und Wissenschaft, bis der wirtschaftliche Aufschwung mit dem Börsenkrach ein jähes Ende findet, als Instabilität und der zunehmende Nationalsozialismus schlechte Zeiten verheißen.

Ehemalige Offiziere verdingen sich als Eintänzer: „Schöner Gigolo, armer Gigolo - Uniform passé, Liebchen sagt adieu“ heißt es in dem Schlager aus dem Jahre 1928 von Leonello Casucci, der den sozialen Wandel vor Augen führt, als „die schöne Welt in Fransen geht“. Die oft banalen Texte der flotten Schlager spiegeln die Berliner Szene in den Tanzpalästen und Kabaretts am besten wider. In der Literatur tritt die Kluft zwischen Arm und Reich krass hervor, vorgestellt in der Brecht-Ballade „Vom angenehmen Leben“ und in dem „Lied von der Unzulänglichkeit“ Bertold Brecht/Kurt Weill.

Die Besucher der ausverkauften Premiere hatten ihre daran Freude, wie das Ensemble sie mit Schwung und Witz in die vergnügungssüchtigen 20er Jahre versetzte. Die Stimmung unterstreicht Ulrike Becker durch die Kostüme, und das Bühnenbild, inspiriert von „einem der bedeutendsten und charakteristischen Künstler der Epoche“, von George Barbier. Gudrun Wilk verstärkt den Chorgesang, und Stefan Thomas zeichnet verantwortlich für die Bühnentechnik.

Karten sind wieder erhältlich für die Aufführungen am Samstag, 2. Januar, Mittwoch 6. Januar, und Sonntag, 31.Januar, um 17 Uhr.

(ink)

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