Ein sehr persönliches Geschenk: Wolfgang Reichelt (Landratsamt), Landrat Stefan Löwl, Kollege Zbigniew Starzec und Vizelandrätin Marianne Klaffki mit dem Gemälde von Max Mannheimer. foto: kn

Eine Liebeserklärung

Dachau - „You are wonderful.“ Mit diesen drei Worten drückte Oswiecims Landrat Zbigniew Starzec seine Zuneigung für seinen Dachauer Amtskollegen aus. Daraus könnte eine Landkreis-Partnerschaft werden.

Es war fast eine Liebeserklärung. Jedenfalls hört Stefan Löwl solche Sätze, die aus der Eric-Clapton-Ballade „Wonderful tonight“ stammen könnten, sonst nur von seiner Frau. Am Mittwochabend in einem traditionsreichen Restaurant irgendwo in Krakau kam es anders: Oswiecims Landrat Zbigniew Starzec legte seine Hand auf Löwls Schulter, die Rührung übermannte ihn: „You are wonderful.“

Vorangegangen war die Übergabe eines beeindruckenden Geschenks, folgen wird eine offizielle Partnerschaft der beiden Landkreise Dachau und Oswiecim - wenn die Kreisräte zustimmen.

Der Grundstein zu dieser Partnerschaft wurde einen Tag nach dem 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz gelegt. Eine Delegation von Dachauer Kreispolitikern und Vertretern des Landratsamtes hatten auf Einladung von Oswiecims Landrat an der Feier teilgenommen, OB Florian Hartmann reiste getrennt von der Landkreis-Gruppe.

Zweimal kamen die beiden Landräte mit ihren Delegationen aus Politik und Verwaltung abends zum Essen zusammen, einmal in Oswiecim, einmal in Krakau, wo die Dachauer Besucher untergebracht waren. Dolmetscher brauchten weder Landräte noch Kreisräte: Sie verständigten sich auf Englisch, notfalls mit Händen und Füßen, und unterhielten sich bestens.

Zwischen Stefan Löwl und Zbigniew Starzec stimmt die Chemie, sie nennen sich „Stefan“ und „Zbigniew“. „Wir haben uns schon im vergangenen Mai in Dachau gut verstanden“, sagt Löwl.

Die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Städte liegt ihm am Herzen, darum machte er seinem polnischen Kollegen auch ein besonderes Geschenk: ein Werk von Max Mannheimer, ehemaliger Auschwitz- und Dachau-Häftling, der in Auschwitz sechs der nächsten Angehörigen verloren hat.

Marianne Klaffki, stellvertretende Landrätin, hatte es ausgesucht. „Das Bild war eigentlich nicht verkäuflich, aber als Herr Mannheimer erfahren hat, wofür wir es möchten, gab er es gerne mit - als persönliches Zeichen“, so Klaffki. Max Mannheimer gab auch ein Grußwort zur Bildübergabe mit nach Polen, in dem er darauf hinwies, wie wichtig „die Freundschaft zwischen Völkern und Religionen“ sei.

Eine Freundschaft mit dem Landkreis Oswiecim hätte Stefan Löwl vermutlich auch gereicht. Er versuchte nach der Bildübergabe, einer solchen Freundschaft einen offiziellen Touch zu verleihen: mit der „Deklaration Dachau-Oswiecim 2015“, eingelegt in schweren schwarzen Ledermappen, die Ecken eingebunden mit gestreiften Samtschleifen, eine Ausfertigung für Dachau, eine für Oswiecim.

„Wir, die Vertreter des Landkreises Dachau, die an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz teilgenommen haben, sind uns der Verantwortung bewusst, die uns der Appell der Überlebenden auferlegt und entschlossen, dieser generations- und länderübergreifend in unserem persönlichen Leben und öffentlichen Wirken nach Kräften gerecht zu werden“, heißt es darin.

„Thank you“, flüsterte Zbigniew Starzec, groß, hager, ehemaliger Leistungsschwimmer, mit rauer Stimme. Und eben besagtes „You are wonderful“. Dann tauschen die beiden übrigens auch noch ihre Krawatten.

Starzec will mehr als eine Freundschaft: einen Partner-Landkreis. Und Löwl verwehrt sich dem nicht. Im Gegenteil - er hatte schon eine Vision: Eine Dachauer Band soll beim Jugendfestival in Oswiecim auftreten. Die Landkreisverwaltung wird nun Eckpunkte für eine Partnerschaft ausarbeiten. Und dann werden die Kreisräte gefragt.

Vielleicht wird die Partnerschaft schon im Mai besiegelt: Dann kommt Zbigniew Starzec zum Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau. (no)

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