Stellten das Projekt vor: Wolfgang Moll, Günter Heinritz und Tobias Schneider (v.l.). foto: hab

Eine Radfahrt für die Versöhnung

Dachau - 30 Dachauer Radsportler der Soli werden sich am 2. Juni mit französischen Radfahrern zu einer besonderen Tour aufmachen: Sie radeln nach Oradour in Frankreich - für die Versöhnung und gegen das Vergessen.

Es ist ein beispielloses Projekt in der Versöhnungspolitik der Stadt Dachau, das „Radsportversöhnungsprojekt“, wie Kulturamtsleiter Tobias Schneider die Radfahrt nach Oradour bezeichnet. Die Stadt Dachau und die Gemeinde Oradour-sur-Glane veranstalten gemeinsam eine Freundschafts- und Versöhnungsradfahrt, die vom 2. bis 8. Juni von der KZ-Gedenkstätte über Straßburg nach Oradour führen wird. Anlass ist der 70. Jahrestag des SS-Massakers von Oradour (Kasten). 30 Radsportler der Soli starten mit französischen Radfahrern und legen in sieben Tagen 1300 Kilometer zurück. In einem Pressegespräch erklärten Schneider, Zeitgeschichtsreferent Günter Heinritz und Wolfgang Moll, Vorsitzender des Radsportvereins Soli, wie es dazu kam.

Seit sechs Jahren nähern sich die Stadt Dachau und die Gemeinde Oradour-sur-Glane freundschaftlich an. Nach ersten Kontakten 2008 folgten in kleinen Schritten gegenseitige Besuche, deutsch-französische Fußballspiele - und jetzt ein weiterer bürgerschaftlicher Kontakt. „Ich finde es erfreulich, dass die Beziehungen einen neuen Impuls bekommen“, so Heinritz.

Die Idee zu der „Versöhnungsradfahrt“ entstand im vergangenen Sommer - passenderweise beim Bergkriterium, dem Radrennen in der Altstadt, berichtet Moll. Eine Delegation aus Oradour war zu Gast. In diesen Tagen kam bei der Soli der Gedanke auf, als Zeichen der Versöhnung eine Fahrt von Dachau nach Oradour zu unternehmen. Es ist ein Projekt „voller Symbolik“, so Moll: Dachau, der Ort, der mit dem ersten Konzentrationslager für politische Gefangene den Anfang des Terrors symbolisiert. Oradour, wo die Nazis auf grausamste Weise nahezu ein ganzes Dorf auslöschten „und der Gipfel der Grausamkeit, mit der das Naziregime zu Werke gegangen ist, verdeutlicht wird“. Das SS-Massaker in Oradour ist in Frankreich zum Inbegriff der Nazi-Gräuel geworden.

OB Peter Bürgel habe die Idee unterstützt. „Ohne sein Anschieben wären wir nicht so weit“, sagt Moll. Im Januar trafen sich die Organisatoren in Frankreich. „Wir waren überrascht, mit welcher Akribie das Projekt schon vorbereitet war - sogar mit detaillierter Streckenplanung“, berichtet Moll. Kein Wunder: Immerhin kümmert sich auf französischer Seite sogar ein Teil des Organisationsteams der Tour de France um die „Versöhnungsradfahrt“.

40 Radfahrer, rund 30 Dachauer sowie Freunde aus Oradour, starten am Montag, 2. Juni, um 9 Uhr an der KZ-Gedenkstätte. In sieben Etappen geht es über Straßburg, wo sich weitere französische Radsportler der Fahrt anschließen, Cheveremont, Saint Aubin, Issy L’Eveque und Boussac nach Oradour, 200 Kilometer nordöstlich von Bordeaux gelegen. Auf französischen Straßen muss die Gruppe von einem Motorradtross begleitet werden. Zwei Fernsehsender möchten die Fahrt begleiten. Am 10. Juni nehmen die Sportler sowie eine Delegation mit dem neuen OB Florian Hartmann an der Gedenkfeier teil.

Die Gesamtkosten für diese Versöhnungsradfahrt liegen Moll und Schneider zufolge bei rund 60 bis 70 000 Euro. Die Stadt unterstützt das Projekt, indem sie Übernachtungs- und Frühstückskosten übernimmt. Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten beteiligt sich, es gibt Unterstützung von Wirtschaftsunternehmen. „Es ist eine einzigartige Sache, die uns das wert ist“, so der Soli-Vorsitzende Moll.

Bei den Radsportlern stößt das Projekt auf große Begeisterung - und auf Interesse für die Zeitgeschichte. Moll: „Viele haben sich schon mit Büchern eingedeckt.“

Das Massaker von Oradour:

Am 10. Juni 1944 ermordete die Waffen-SS beim Massaker von Oradour fast alle Bewohner des Dorfs Oradour-sur-Glane. 642 Menschen wurden getötet, es gab nur sechs Überlebende. Unter den Toten befanden sich 207 Kinder und 254 Frauen. Die Ruinen sind als Mahn- und Gedenkstätte erhalten, der Ort selber wurde in unmittelbarer Nähe wieder aufgebaut.

Nikola Obermeier

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