Nicht in allen Fragen einer Meinung, aber doch überzeugt waren die Grünen mit Achim Liebl (l.) von Martin Güll. kra

"Endlich einer mit politischem Sachverstand"

Dachau - Dass Rot und Grün sich verbünden, ist nichts besonderes. Im Landkreis Dachau schon. Insofern waren beide Seiten gespannt, ob es zwischen dem Landratskandidaten der SPD, Martin Güll, und den Grünen funkt.

Die Mehrzahl der grünen Landkreis-Politiker kannte Martin Güll nicht persönlich. Deswegen fiel die Begrüßung verhalten aus, als der 60-Jährige am Mittwoch Abend die Ratsstube des Zieglerbräu betrat, um sich der grünen Politprominenz vorzustellen. Und auch der Landtagsabgeordnete räumte ein: „Ich hatte im Landkreis eigentlich noch nie mit den Grünen zu tun.“ Im Maximilianeum freilich sei das anders, setzte Güll hinzu: „Dort läuft die Zusammenarbeit mit Margarete Bause und der Grünen-Fraktion hervorragend.“ Aus einem einfachen Grund: „Wir ticken ganz ähnlich“, meinte der ehemalige Indersdorfer Schulrektor.

Güll bekannte sich zwar klar zu seiner Arbeit im Landtag, doch im Verlaufe des Abends wurde klar, dass ihn die Perspektive mächtig reizt, als Landrat etwas bewegen zu können. Zum Beispiel in Sachen MVV. „Dann werde ich beim neuen SPD-OB Dieter Reiter (sofern der SPD-Kandidat gewählt wird - Anm. d. Red.) anrufen, das geht ganz einfach“, versprach der Landtagsabgeordnete. Güll äußerte erneut Zweifel an der Realisierbarkeit der zweiten Stammstrecke („Ich sehe nicht, woher die Mittel dafür kommen sollen“) und sprach sich für die Stadt-Umland-Verbindungen aus.

Überhaupt betonte er die Notwendigkeit überregionaler Kooperation: „Wir können die Probleme, die sich durch das Wachstum der Region ergeben, nicht alleine lösen.“ Speziell im Landkreistag will er aktiv werden.

Als ihn die Kreistagsfraktionsvorsitzende der Grünen Marese Hoffmann fragte, ob er die Interessen des Landkreises auch gegen die Staatsregierung aktiv verteidigen wolle, meinte Güll mit einem verschmitzten Lächeln: „Mit dem größtem Vergnügen!“ In der Ablehnung der dritten Startbahn war man sich einig; Güll wies stolz daraufhin, dass die Kreis-SPD unter seiner Führung endlich zu einer schlüssigen Haltung gefunden habe.

Beim Thema „Grünzug zwischen Dachau und Karlsfeld“ reagierte Güll allerdings ausweichend: Dazu müsse er erst den Rat von Experten einholen. Doch möglicherweise wollte der SPD-Kreischef seine Karlsfelder Genossen nicht düpieren, die vor einiger Zeit für ein Gewerbeareal im Norden ihrer Kommune plädiert hatten.

Der Grünen-Kreisrat Dr. Roderich Zauscher votierte für einen generellen Wachstumsstopp. Güll hält das für unrealistisch: „Sie können Siemens oder BMW nicht davon abhalten, hier Arbeitsplätze zu schaffen.“

Auch in Sachen Windkraft lagen Rot und Grün nicht auf einer Linie. Der SPD-Kandidat lobte den Teilflächennutzungsplan von 14 Landkreis-Kommunen. Der Dachauer Stadtrat Thomas Kreß wertet das Vorhaben hingegen als „Verhinderungsplanung“. Er schätzt, dass „20 bis 25 Windräder“ nötig wären, um die Große Kreisstadt ausreichend mit Strom zu versorgen. Güll wollte sich auf diese Zahlen nicht einlassen: „Wir müssen den Energiebedarf des gesamten Landkreises genau untersuchen und dann beraten, wie wir ihn decken können.“ Eine Produktion darüber hinaus hält er für unnötig. Der SPD-Landratskandidat setzte hinzu: „Strom für die ,Gespickten‘ in Grünwald wird es mit mir nicht geben!“

Die Bildungsideen des ehemaligen Indersdorfer Rektors hörten sich die Grünen aufmerksam an. Zum Beispiel dessen Pläne, eine weiterführende Schule in einer der S-Bahn-Gemeinden oder im westlichen Landkreis zu etablieren. „Gegen ein viertes Gymnasium in Karlsfeld habe ich gar nichts“, erklärte der Bildungsexperte weiter, allerdings sehe er dessen Realisierung noch nicht. „Das wird nur von der Unionsseite gerne so dargestellt.“

Im Kreistag sieht sich Güll vornehmlich als Moderator und Ideengeber. „Ich hoffe dabei auf Ihre Unterstützung“, warb er um die Grünen. Deren Reaktion war durchgängig positiv. „Endlich einer mit politischem Sachverstand und einem Programm“, meinte die Haimhauserin Armgard Körner anerkennend. Die Kreis-Grünen treffen sich am kommenden Mittwoch, um über eine Wahlempfehlung zu beraten.

Horst Kramer

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