Energiemanagement durch die Hintertür

Dachau - Ein Projekt der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) könnte dem Landkreis zu einem kostenfreien Energiekonzept verhelfen. Doch nicht jeder zieht mit.

Seit Jahren wird im Kreistag über ein landkreis-weites Energiekonzept diskutiert. Zu einem gemeinsamen Vorgehen konnten sich die Landkreis-Verantwortlichen nicht durchringen. Eines der Gegenargumente: die Kosten.

Doch nun tut sich eine neue Möglichkeit auf: Kürzlich trat die LMU an das Dachauer Landratsamt heran. Die Wissenschaftler des Geographischen Instituts wollen den Energiebedarf, das Energiemanagement und Einsparmöglichkeiten in der Region erforschen und suchen Partner vor Ort. Der Name ihres Projekts: INOLA. Die Abkürzung steht für „Innovationen für ein nachhaltiges Energie- und Landmanagement“. Ziel ist „die Ausarbeitung eines Entwicklungskonzepts, das den Ausbau erneuerbarer Energien systematisch mit einem nachhaltigen Land- und Flächenmanagement in der Region verknüpft“.

So schrieb Brigitte Detering, die Klimaschutzbeauftragte im Landratsamt, in einer Vorlage für die Rathauschefs, die sich mit dem Thema in ihrer Bürgermeisterdienstbesprechung Anfang August beschäftigten. Schnell war klar: Hier gibt es viele Anknüpfungspunkte. Zum einen würden die Daten für das Energiekonzept erhoben. Der Charme an der Sache: Das Ganze kostet nichts. Mehr noch: Außer dem Zahlenmaterial liefern die Wissenschaftler deren Auswertung mit sowie Hinweise für die Umsetzung.

Der Vierkirchner Bürgermeister Heinz Eichinger schreibt in einem Brief an seine Amtskollegen: „(Mit INOLA) könnten u.a. auch die vom Kreistag beschlossenen Klimaschutzziele erreicht, bzw. unterstützt werden. Mit dem Projekt wäre auch eine erste Umsetzungsphase eines Teilbereiches des Leitbildes von Dorf-Metropole darstellbar.“ Ansprechpartner im Landkreis könnte der Regionalentwicklungsverein Dachau Agil sein. Dort würde über die Projektlaufzeit eine Vollzeitstelle errichtet, die vom Bundesministerium für Forschung und Bildung finanziert wird.

Und zwar zu 100 Prozent, wie LMU-Projektleiterin Dr. Anne von Streit erklärt. Mehr noch, die Wissenschaftlerin spricht von drei bis weiteren Stellen, für die der Bund Geld zu geben bereit wäre. Wo diese dann geschaffen würden - ob bei einem lokalen Energieversorgungsunternehmen oder in einer Verwaltung - sei offen.

Ganz ohne Arbeit geht es aber nicht: Die Kommunalverwaltungen müssten die Daten ihres Energieversorgers an Dachau Agil weiterleiten. Zudem müsse ein Vertreter der Kommune an ein bis zwei Workshops pro Jahr teilnehmen. Zum Ablauf: Bis Herbst 2014 läuft eine sogenannte einjährige Definitionsphase. Danach soll die fünfjährige Hauptphase starten. „Das dauert uns eigentlich zu lange“, moniert Eichinger. Anne von Streit zeigt Verständnis und erklärt: „Es ist auch in unserem Interesse, schon nach einem Jahr die ersten praktischen Projekte zu implementieren.“ Eichingers vorläufiges Fazit: „Eine kostengünstigere Alternative für ein nachhaltiges Land- und Energiemanagement gibt es nicht.“

Diese Einschätzung teilen nicht alle: Skepsis herrscht in Pfaffenhofen. In der ersten Sitzung nach der Sommerpause beschäftigte sich die Ortsvertretung der kleinsten Landkreis-Gemeinde mit dem Energieprojekt. Der zweite Bürgermeister Albert Pitzl (AWG) machte aus seiner Skepsis keinen Hehl: „Da wird wie beim Dorf-und-Metropole-Projekt viel Zeit investiert, heraus kommt eine Menge Papier, passieren tut nichts.“ Pitzl meinte: „Das Ganze kostet uns zwar nichts, aber wir halten die Verwaltung von der Arbeit ab, denn die muss den Uni-Leuten die ganzen Informationen zur Verfügung stellen.“ Der Pfaffenhofener Gemeinderat lehnte vorerst eine Mitarbeit an INOLA ab. Der Bürgerbeteiligungs-Apologet Heinz Eichinger gibt seinen Kollegen einen sehr pragmatischen Tipp: „Nachdem für die Kommunen keine Kosten entstehen, sind hierzu nach meiner Meinung keine Gemeinderatsbeschlüsse erforderlich.“

Horst Kramer

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