Drei Windräder (blau eingezeichnet) sollen in den Buchwald. Grafik: kra

"Bin überwältigt von der Resonanz"

Enormes Interesse am Erdweger Bürgerwindpark

Erdweg - Das Interesse am ersten Bürgerwindpark im Landkreis ist gewaltig: 180 Gäste ließen sich im Kleinberghofer Bürgerhaus über die Chancen und Risiken der geplanten Windkraftanlagen im Buchwald informieren. Es ging um viel Wind - und eine ordentliche Rendite.

Mit so viel Interesse hatten die Veranstalter nicht gerechnet. „Ich bin überwältigt von der Resonanz“, gab Jürgen Böckler, einer der Sprecher der frisch gegründeten Bürgerwindenergie Erdweg GmbH & Co KG, am Ende des Abends zu Protokoll.

Vor allem eines war bemerkenswert: Alle Fragen waren ausschließlich sachlich-fachlicher Natur. Windkraft-Kritiker hatten offensichtlich nicht den Weg ins Kleinberghofer Bürgerhaus gefunden. Böckler hatte zu Beginn der Veranstaltung die Vorgeschichte des geplanten Windparks im Buchwald zwischen Welshofen, Sulzemoos und Wiedenzhausen rekapituliert. Nach dem Hin und Her beim Teilflächennutzungsplan der Dachauer Windkraft-Allianz entschieden sich die angehenden Windkraft-Unternehmer, generell einen Abstand von 900 Meter zu Wohnbebauungen einzuhalten. Nur zum Gehöft Bogenried werde die Distanz unterschritten. Dann holten sich Böckler und seine Kollegen den mittelfränkischen Windkraftunternehmer Erich Wust ins Boot.

Nach dem Beschluss des Gemeinderats vom 16. Oktober 2012, drei Anlagen in dem Waldstück zu genehmigen, ging es richtig los: Zwischen Anfang Februar und Mitte Juni wurden Windmessungen an den Standorten durchgeführt, zudem zwei Gutachten vom TÜV Süd und dem Velburger Messungsspezialisten Guttenberger eingeholt. Außerdem habe man sich mit dem Freistaat als Eigentümer des Waldstücks auf eine „vernünftige“ Pachtgebühr geeinigt, so Wust. Im August entschied sich die damalige Arbeitsgemeinschaft, den Park mit drei Nordex-Windrädern des Typs N 117 auszustatten. Der Strom muss laut EON ins Umspannwerk nach Höfa geführt werden; soweit möglich wollen die Erdweger dafür öffentlichen Grund nutzen. Im September fand eine Vorbesprechung mit dem Landratsamt statt. In den nächsten Tagen sollen die Antragsunterlagen offiziell eingereicht werden.

Wust stellte die Details des Vorhabens vor. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 14,5 Millionen Euro. 70 Prozent werden vornehmlich über lokale Banken finanziert. 30 Prozent haben demnach die Teilhaber der Bürger-Kommandit-Gesellschaft aufzubringen, immerhin rund 4,35 Millionen Euro. Bis Ende Februar soll die Zeichnungsfrist für die Erdweger laufen, Beteiligungen sind ab 5000 Euro möglich. Bei Wusts bisherigen Windparks lag die durchschnittliche Beteiligungshöhe bei 38 000 Euro. Sollten die Erdweger nicht die gesamte Summe aufbringen, können sich Bewohner aus dem Dachauer-Land bis Ende März um die restlichen Anteile bewerben.

Die Firma soll laut Wust eine Kapitalrendite von 5,0 bis 5,5 Prozent über zwei Jahrzehnte erwirtschaften. „Wenn jemand 10 000 Euro investiert, erhält er im Verlaufe der 20 Jahre 22 000 Euro an Ausschüttung zurück“, rechnete der gelernte Steuerberater vor, der seit drei Dekaden für den Bauernverband tätig ist. Die Ausschüttungen begännen mit vier Prozent in den ersten Jahren und steigerten sich auf 20 Prozent im letzten Jahr.

Der Sitz der Betreibergesellschaft ist in Erdweg. Wust sagte der Kommune 150 000 Euro Gewerbesteuereinnahmen in den nächsten zwei Jahrzehnten voraus. Allerdings betonte er auch klipp und klar: „Das ist eine risikobehaftete Geldanlage und kein Sparbuch.“ Es gebe keine Garantien für die prognostizierte Windernte, Anlagen könnten ausfallen, ein besonderes Problem seien die sich ständig ändernden gesetzlichen Bedingungen.

Dennoch plädierte Wust für das Projekt. Schattenwurf und Schallimmissionen lägen im „grünen Bereich“, auch vom Naturschutz erwartet der Wind-Unternehmer keine Probleme. Allerdings laufen die Untersuchungen dazu noch.

Einer der zehn GmbH-Gesellschafter ist Anton Kreitmair, der frische gebackene CSU-Landtagsabgeordnete und oberbayerische Bauernverbandspräsident: „Es wäre schön, wenn wir als erste Bürger-Windkraftanlage in der Region in Betrieb gehen könnten“, sagte er unserer Zeitung. Kreitmair zeigte sich fest entschlossen: „Wir werden das Projekt unabhängig vom Teilflächennutzungsplan der Landkreis-Kommunen durchziehen.“

Zur ausbleibenden Kritik am geplanten Windpark meinte Kreitmair: „Das Windrad in Dachau war der Durchbruch.“ Alle vorher geäußerten Befürchtungen hätten sich in Schall und Rauch aufgelöst.

Böckler berichtete von einigen Altomünsterern, die ihn im Laufe des Abends angesprochen und gebeten hätten: „Vergesst uns nicht.“ Das Erdweger Publikum lachte. Eine weitere Informationsveranstaltung ist für den Januar geplant.

Die Nabenhöhe der Räder beträgt 141 Meter, die Rotorblattlänge 58,5 Meter. Die Netto-Ertragsprognose liegt bei 17,14 Millionen Kilowattstunden. (kra)

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