EU beschließt Verbot von Einweg-Plastik

EU beschließt Verbot von Einweg-Plastik

Das Erinnern immer wieder erneuern

Dachau - Am 63. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ist auch auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte in Dachau gestern wieder ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassenhass und Antisemitismus gesetzt worden.

In einem Gottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche, der live vom Bayerischen Rundfunk übertragen wurde, haben geistliche und weltliche Repräsentanten der rund sechs Millionen Opfer gedacht, die während des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern umgekommen sind.

Mitgestaltet wurde der Gottesdienst von Dr. Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes, der in einem Dialog mit Diakon und Mitglied im Kuratorium der Versöhnungskirche, Eberhard Schulz, betonte: "Wir Fußballer sind in der Regel zupackende Zeitgenossen. Wir nehmen das Lernen aus unserer Geschichte ernst und wollen das Gelernte umsetzen." Zwanziger ist überzeugt, dass die Fußball-Fans am "Erinnerungstag des deutschen Fußballs" viele intelligente Aktionen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in die Stadien bringen.

Bischof Prof. Dr. Wolfgang Huber, der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland mahnte dazu, die Erinnerung an das Schreckensregiment des Nationalsozialismus lebendig zu halten. "Wahrhaftigkeit in der Begegnung mit unserer Geschichte ist der einzige Weg in die Zukunft, um aus Erinnerung Orientierung werden zu lassen", betonte Huber. Dr. Johannes Friedrich, der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, gestand in seiner Predigt ein: "Unsere Landeskirche ist schuldig geworden, weil sie unzähligen Verfolgten, Unterdrückten und lebensgefährlich Bedrohten der damaligen Zeit keine helfene Hand gereicht hat." Und Pfarrer Dr. Björn Mensing von der Versöhnungskirche betete: "Herr, bewahre uns davor, dass wir aufs Neue aus Feigheit, bewusster Interessenlosigkeit oder aus geheucheltem Unwissen schuldig werden."

Die Holocaust-Überlebende Rachel Knobler las das bewegende und äußerst bedrückende Gedicht mit dem Titel "Wiegenlied" vor, das sie für ihre von den Nazis ermordete Schwester Mëira geschrieben hat. Außerdem wurde an das Leid des sozialdemokratischen Journalisten Friedrich Puchta, den jüdisch-deutschen Fußballer Julius Hirsch und die Leiterin eines evangelischen Mädcheninternats Elisabeth von Thadden erinnert.

Im Anschluss an den Gottesdienst fand eine Gedenkfeier am jüdischem Mahnmal statt. Nathan Kalmanowicz, Mitglied im Präsidium und Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland betonte, dass nicht sechs Millionen Menschen im Holocaust umgekommen seien, sondern sechs Millionen Mal ein Mensch. Dr. Josef Schuster, Präsident des Landesverbandes der Israelischen Kultusgemeinde in Bayern und Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland resümierte: "Es tut gut, selbstkritische Töne zu hören." Robby Rajber, Vorsitzender vom TSV Maccabi München, einem Verein, den jüdische Holocaust-Überlebende 1965 gegründet hatten, lobte die jugendlichen Sportler, die im evangelischen Gottesdienst bei "We shall overcome" so inbrünstig mitgesungen haben. Und weiter sagte er: "Ich bin froh, Hitler zu widersprechen. Er wollte Deutschland ,judenrein' haben, aber wir leben hier in München. Ich bin ein Münchner Kindl."

Gegenüber den Dachauer Nachrichten betonte Theo Zwanziger, dass auch Fußballer damals weggeschaut haben. "Das darf nicht mehr passieren", unterstrich der DFB-Präsident. Deshalb wolle er ein Zeichen setzen und die Menschen, die weitestgehend unpolitisch sind, an die Geschichte erinnern. (weg)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Rettet die Bienen!“
In Karlsfeld ist für den gesamten Landkreis Dachau ein überparteilicher Aktionskreis für das Volksbegehren „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die …
„Rettet die Bienen!“

Kommentare