Den Briefwechsel zwischen den Brüdern Jakob und Peter Hacks setzten Wolfgang Möckl (l.) und René Rastelli in Szene. sch

Erinnerung an Peter Hacks im Erzähl-Café: Kurzzeitig ein Dachauer

Dachau - Die Erinnerungen seiner Nichte Ameli Ring haben einen sehr persönlichen Blick auf das Leben und Werk des Schriftstellers Peter Hacks ermöglicht, der sogar kurzzeitig in Dachau wohnte.

Der deutsche Dramatiker, Essayist und Lyriker (1921-2003) war 1955 aus Verehrung für Bert Brecht in die DDR ausgewandert und hatte der Bundesrepublik bis zu seinem Tod den Rücken zugekehrt. Zeitlebens hat Peter Hacks den Sozialismus idealisiert, obwohl der Staat, für den er eingetreten ist, nie auf seiner Seite stand. Er verehrte Walter Ulbricht als großen Staatsmann. Der Fall der Mauer, deren Bau er einst unterstützt hatte, habe ihn den Boden unter den Füßen weggezogen, sagte Ameli Ring. Dennoch lebte er, der für den "Imperialist" das schlimmste Schimpfwort war, inmitten teurer Antiquitäten und sprach vom "Gesinde".

Von 1947 bis 1955 lebte Peter Hacks in der Gothestraße in Dachau, im Umfeld seiner aus Breslau stammenden Familie, er studierte in München und promovierte im Fach Theaterwissenschaften. Peter Stadler, Vorsitzender des Museumsvereins und Lehrer am Josef-Effner-Gymnasium, ist mit Ameli und deren Schwester Claudia in derselben Straße groß geworden. Er las ein lustiges Gedicht vor, das ihm Peter Hacks zum zweiten Geburtstag gewidmet hatte.

Ameli Ring erinnerte sich beim Erzähl-Café in der Caritas-Begegnungsstätte Dachau an die vielen lustigen Ideen des Onkels, deretwegen sie ihn auch so mochte. Sie las Kindergeschichten von Henriette und Onkel Titus vor, deren Handlung sie sich gemeinsam mit dem Onkel ausgedacht hatte - keine lieblichen Geschichten, aber witzig und zum Nachdenken provozierend.

Wolfgang Möckl und René Rastelli von der Ludwig-Thoma-Gemeinde setzten den in den 80er Jahren regen Briefwechsel der Brüder Jakob und Peter Hacks in Szene, der die Person des Schriftstellers etwas entzauberte und dessen blinde Idealisierung der DDR verbohrt aussehen ließ. (sch)

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