Eröffnung der neuen S2

Neue S2: Großer Bahnhof für den Sonderzug

Dachau/Altomünster - „S2 Altomünster - einsteigen bitte“. Gestern war es soweit: Nach über sieben Monaten Bauzeit wurde die elektrifizierte Bahnlinie in Betrieb genommen. Bei einer Sonderfahrt für Ehrengäste kam es dann auch gleich zu einem kleinen Zwischenfall.

„Es ist ein kleiner Schritt für die Deutsche Bahn und ein riesiger Sprung für die anliegenden Gemeinden.“ Mit diesem abgewandelten Neil Armstrong-Zitat brachte Altomünsters Bürgermeister Anton Kerle die Freude über die elektrifizierte Bahnlinie zwischen Dachau und Altomünster auf den Punkt. Wobei der Schritt für die Deutsche Bahn nicht wirklich klein war. Nach siebeneinhalb Monaten Bauphase wurde die Strecke gestern offiziell in Betrieb genommen. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Terminverschiebungen und nicht vorhersehbaren Verzögerungen. Doch gestern war es dann endlich soweit. Bereits ab den frühen Morgenstunden glitt die neue S2 durch das Hinterland. Bei einer Sonderfahrt der S-Bahn, die mittags in Dachau startete und nach Altomünster fuhr unter anderem der Bayerische Verkehrsminister Joachim Herrmann, der Dachauer Landrat Stefan Löwl und Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für den Freistaat Bayern, mit.

Die Knabenkapelle Dachau blies kräftig in ihre Instrumente, während sich der Dachauer Bahnhof immer mehr füllte. So viele Ehrengäste fuhren mit dem Sonderzug, dass sie dicht gedrängt, in den Waggons stehen musste. Für kurzes Gelächter sorgte dann die Durchsage zwischen den Bahnhöfen Bachern und Schwabhausen: „Wegen einer Signalstörung verzögert sich die Durchfahrt um einen Moment.“ In der Tat konnte der Sonderzug an den ersten Bahnhöfen erst etwas verspätet losfahren, weil sich immer wieder Personen im Türbereich aufhielten, und die Türen deshalb nicht schließen konnten. Diese Verspätungen hatten zu Folge, dass die Schranke in Schwabhausen nicht richtig schloss. Und zu zwei weiteren Zwischenfällen ist es auf der Fahrt gekommen, wie Minister Hermann bei der anschließender Feier am Bahnhof Altomünster erzählte. Da er während der Fahrt ganz vorne im Triebwagen saß, konnte er beobachten, wie zunächst ein Fahrradfahrer über einen Bahnübergang mit geschlossen Schranken fuhr, wenig später gar ein Auto das rote Warnlicht ignorierte und die geschlossene Halbschranke umfuhr. Scheinbar müssen sich die Dachauer nach fast acht Monaten erst wieder daran gewöhnen, dass die Schienen wieder befahren werden. Jeder der Bahnhöfe zwischen Dachau und Altomünster war gesäumt mit Menschen und Blaskapellen. Als einen „großen Erfolg für alle wertete Dachaus OB Florian Hartmann, die Elektrifizierung. Für die Bundestagsabgeordnete, die ebenfalls in der S-Bahn saß, einfach „ein wunderschönes Erlebnis“. Dachaus Altlandrat Hansjörg Christmann, der am Endbahnhof in Altomünster eine S-Bahn auf den Namen „Markt Altomünster“ taufte, sprach von einem „historischen Tag für den Landkreis und ihn selbst“. dass er als Taufpate eines Zuges ausgewählt wurde, freut ihn besonders. „Ich habe in meinem leben noch keine Flugzeug oder Schiff getauft, aber heute eine S-Bahn.“ Am Bahnhof in Altomünster versammelten sich um die 1000 Menschen, die zu den Feierlichkeiten um die neue S-Bahnstrecke gekommen waren. „das ist jetzt schon toll, dass wir in einer Stunde ohne umzusteigen mitten in München sind, sagte eine Besucherin begeistert.

Für die Deutsche Bahn sagte der bayerische Konzernbevollmächtigte Klaus-Dieter Josel: Mein Dank gilt den Fahrgästen und Anwohnern, die sich in der Bauphase mit Schienenersatzverkehr, zeitweilig gesperrten Straßen und den Unannehmlichkeiten des Baubetriebs arrangieren mussten.“ Seit Ende April 2014 wurden fast 600 Oberleitungsmasten für 30 Kilometer Fahrdraht aufgestellt, neun Bahnhöfe umgebaut und davon die Bahnhöfe Erdweg und Schwabhausen als neue zweigleisige Kreuzungsbahnhöfe ausgebaut. Die Anpassung von 31 Bahnüber-gängen ist Voraussetzung dafür, dass die Züge auf der kurvenreichen Strecke größtenteils 80 Kilometer pro Stunde fahren können.

Bilder: Die erste Fahrt der neuen S2

Die Elektrifizierung und Modernisierung der ehemaligen Linie A hat rund 68 Millionen Euro gekostet. „Knapp 50 Millionen davon hat der Staat übernommen“, wie Minister Herrmann in Altomünster sagte. Landrat Löwl erinnerte sich an seine bis gestern letzte Fahrt auf der Strecke vor gut einem Jahr mit einem historischen Dampfzug zum 100-jährigen Bestehen der Bahnlinie. „Damals hat man die Kraft der Dampflok gespürt, heute das Leisesein einer S-Bahn.“ Nachdem Pfarrer Winfried Stahl und Pater Michael De Koninck die S-Bahn ökumenischen segneten, zogen die vielen Besucher unter Blasmusikklängen lautstark zum Altomünsterer Christkindlmarkt, während sich die S-Bahn leise und fast schon unauffällig wieder Richtung Dachau aus dem Staub machte.

(cc)

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