Ein Mann mit Weitblick: Georg Seufert wurde 1885 geboren.

Erster berufsmäßiger Bürgermeister Dachaus ein Mann mit Weitblick

Dachau - Am 21. April 1885 wurde Georg Seufert geboren, der erste berufsmäßige Bürgermeister Dachaus.

Die Dachauer wählten den Juristen aus Lindenberg im Allgäu am 10. Januar 1925 zu ihrem ersten rechtskundigen und berufsmäßigen Bürgermeister. Sein Vorgänger Franz Xaver Böck sen. (SPD) wurde zweiter Bürgermeister.

Bedingt durch die Schließung der Pulverfabrik nach dem Ersten Weltkrieg fand Seufert in Dachau schlimme Verhältnisse vor. In zwei Denkschriften überschrieben mit „Die Dachauer Not“ wies er die Staatsregierung auf die katastrophale Lage des Marktes hin, wie hohe Arbeitslosigkeit, Verarmung der Bevölkerung, schlimme Zustände in den Schulbaracken, „verludertes“ E-Werk, Wohnungsnot, verkommenes Straßenwesen und vieles anderes mehr. Seufert musste Dachau zur Notgemeinde erklären lassen. Die Kassen waren leer. Er musste den Staat um Hilfe bitten.

Dennoch konnte Seufert in seiner fast zehnjährigen Amtszeit einige wichtige Vorhaben verwirklichen wie den Bau der Ludwig-Thoma-Schule, der Gewerbeschule, der Ludwig-Thoma-Straße, des Familienbades und eines Radweges Richtung München. In weiser Voraussicht erwarb er Gründe für den Waldfriedhof und ließ erste Anpflanzungen anlegen.

Nach der Machtergreifung Hitlers hissten Dachauer Nazis im März 1933 die Hakenkreuzfahne auf dem Rathaus. Seufert und Böck protestierten gegen diese „Parteifahne“. Böck wurde daraufhin von den Braunen zum Rücktritt gezwungen, Seufert, Mitglied der Bayerischen Volkspartei, wechselte die Fronten und trat zur NSDAP über.

Mit dem inzwischen „gleichgeschalteten“ Stadtrat konnte er zwar noch die Stadterhebung Dachaus erreichen, doch 1934 resignierte Seufert und trat aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Er glaubte wohl auch, durch die Mitarbeit in der neuen Machtgruppe das Schlimmste von Dachau abwenden und das Beste für die Dachauer Bürger erreichen zu können. Die NSDAP brachte bekanntlich kein Ende der „Dachauer Not“.

Georg Seufert starb am 23. Mai 1957 in einem Bamberger Krankenhaus an einem Herzinfarkt. Eine Delegation aus Dachau mit Bürgermeister Hans Zauner fuhr zur Beerdigung nach Würzburg.

In einer Trauersitzung im Dachauer Rathaus erinnerte Hans Zauner im Beisein von vielen Dachauer Bürgern an die Verdienste von Georg Seufert, der auch ein äußerst gewissenhafter Beamter gewesen sei, an Ehrlichkeit und Sauberkeit unübertrefflich. „Dem Stadtrat bleibe es überlassen, diesen vortrefflichen Mann und Bürgermeister durch eine besondere Ehrung der Nachwelt unvergessen zu machen“, sagte Zauner.

pb

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