Wie im falschen Film

Dachau - Weil er seine Hunde dabei hatte, wurde ein Schongauer von zwei Polizisten vom Dachauer Volksfest verwiesen. Nun hat der Schongauer die beiden Beamten wegen Nötigung angezeigt.

Dieser Volksfestbesuch in Dachau liegt Dr. med. Dieter Weinfurtner schwer im Magen. Das liegt nicht so sehr (oder gerade?) an dem halben Hendl, das der Allgemeinmediziner aus Schongau im Biergartenbereich des großen Festzeltes verspeisen wollte – und nicht durfte. Denn Dr. Weinfurtner und seine Begleiterin hatten Hunde dabei – unter anderem einen Dobermann – und mussten das Volksfestgelände schließlich unfreiwillig verlassen.

Fest steht, dass dabei die Situation eskalierte. Wer daran Schuld trägt, darüber laufen im Gedächtnis der Beteiligten aber gänzlich verschiedene Bilder ab. Das Bild, das der Gast aus Schongau vor dem inneren Auge sieht, hat jedenfalls dazu geführt, dass er gegen zwei Dachauer Polizeibeamte Dienstaufsichtsbeschwerden und Anzeigen wegen Nötigung gestellt hat.

Es regnet in Strömen am Nachmittag des Donnerstag, 13. August, als Dr. Weinfurtner mit einer Bekannten aus Bremen an einem Tisch unter einem Sonnenschirm Platz nimmt und sich ein halbes Hendl und eine Maß Bier bringen lässt. Als wenig später jemand vom Sicherheitsdienst auftaucht, um die Besucher darauf hinzuweisen, dass Hunde nicht erlaubt seien, ist es mit der Ruhe vorbei.

„Ich habe ihm gesagt, dass er mich in Ruhe lassen solle, da ich nach dem Verzehr von einem Bier und einem halben Hähnchen ohnehin nach Hause gehen würde“, erinnert sich Dr. Weinfurtner.

Ist der Besucher vom Auftritt des Security-Mannes schon wenig angetan („Typ Kurzhaarschnitt, schwarze Uniform, Bierbauch, Springerstiefel und Schweißgeruch“), bringen ihn zwei Polizeibeamte erst so richtig in Rage, die wenig später auf den Plan treten: „Als ich sie fragte, ob sie nichts Besseres zu tun hätten als Volksfestbesucher beim Essen zu stören (...), wurde ich von dem Beamten am Ellenbogen aus der Bierbank gezogen.“

Dann seien ihm Handschellen angedroht worden. Er solle sich umdrehen, an die Wand stellen und die Beine für eine Leibesvisitation spreizen. Unstreitig ist, dass die beiden Besucher schließlich ein Hausverbot fürs Volksfest erhielten.

Das Geschehen zuvor haben der Polizist und seine Kollegin aber anders in Erinnerung. Zwar kann sich PI-Chef Thomas Rauscher wegen des schwebenden Verfahrens – die Beschwerde geht ans Polizeipräsidium in Ingolstadt – nicht zu dem Fall äußern. Doch nach Bekanntwerden des Zwischenfalls wenige Tage später befragt, hatte ein PI-Sprecher einen gänzlich anderen Sachverhalt geschildert. Da wurde der Schongauer als renitenter, sachlichen Argumenten völlig unzugänglicher Typ beschrieben, dem man kaum Herr habe werden können.

Nun wird das Ganze also amtlich. Das gilt im Übrigen auch für den Hinweis von Dr. Weinfurtner, dass „die Dachauer Landpolizei, nachdem sie die erste Wachmannschaft des KZ Dachau gestellt hatte, gut daran täte, in ihrer Arbeit besonders sensibel vorzugehen“. Er jedenfalls werde „dafür kämpfen, dass durch die Dachauer Landpolizei nicht wieder Gesetzlosigkeit, Willkür und Menschenverachtung in die Stadt gebracht werden“. (tor)

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