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Direkt vor seinem Haus ist die Nachbarin zusammengebrochen. Mario Reichlmeir holte sofort Hilfe.

Nach Hammer-Angriff: Frau (47) in Lebensgefahr

Ebersbach - Eine Familientragödie kurz vor dem Jahreswechsel: Im Landkreis Dachau schlug ein Mann mit dem Hammer auf seine Frau ein. Sie ringt mit dem Tod.

Vor drei Wochen war Stefan K. (Namen geändert) aus dem Doppelhaus seiner Familie in Ebersbach (Kreis Dachau) ausgezogen. Am Mittwoch um 4 Uhr kam er wieder. Mit einem Hammer hat er seine Ehefrau Cornelia halbtot geschlagen. Mit letzter Kraft rettete sich die 47-Jährige zu Nachbarn.

Neun Jahre bewohnte Familie K. die Doppelhaushälfte in dem Ortsteil der Gemeinde Weichs. Längere Zeit schon gab es Streit zwischen den Eheleuten, der auch vor den Augen der beiden Söhne Fabio (9) und Michael (8) ausgetragen wurde. Vor einem Jahr stürzte Cornelia K. nach einer Auseinandersetzung die Treppe hinunter und brach sich die Schulter. Ihren Beruf als Büroangestellte einer Dachauer Firma kann sie seither nicht mehr ausüben.

In diesem Haus ereigneten sich das Familiendrama.

Vor drei Wochen trennten sich die Eheleute. Stefan K. (44) räumte nahezu die gesamte Wohnung leer, zurück ließ er lediglich die Kinderzimmereinrichtung und die Küche. Der Feinmechaniker selbst zog ins nahe Markt Indersdorf. Um die Kinder entstand ein Sorgerechtsstreit. Einmal nahm der Vater einen Sohn gewaltsam mit zu sich. Die Mutter musste die Polizei verständigen. Zuletzt lebten Fabio und Michael abwechselnd bei Vater und Mutter. Am Mittwoch, mitten in der Nacht, klingelte Stefan K. bei seiner Frau. Als sie ihn einließ, schlug Stefan K. ohne Vorwarnung mit einem Hammer auf sie ein. Er zerrte sie in den Keller und schlug so lange weiter, bis die 47-Jährige das Bewusstsein verlor. Dann verließ er das Haus.

Stundenlang lag Cornelia K. hilflos am Boden. Erst gegen 7.15 Uhr wachte sie auf. Sie bekam wohl einen Adrenalinstoß, der ihr das Leben gerettet hat, meinte der Notarzt später zu Nachbar Mario Reichlmeir. Zu dessen Haus gleich nebenan schleppte sich die Schwerstverletzte mit allerletzter Kraft. Sie erreichte noch die Klingel, dann brach sie auf einem Schlitten der Nachbarskinder zusammen.

Reichlmeir war entsetzt: „Sie hat ausgesehen, als hätte sie mehrere Löcher im Kopf. Ihr Körper war mit Wunden übersät.“ Auf der Stelle rief Reichlmeir Notarzt und Polizei. Cornelia K. wurde in eine Münchner Klinik gebracht. Derzeit besteht laut Auskunft der Polizei akute Lebensgefahr. Gegen 7.30 Uhr kehrte Stefan K. an den Tatort zurück – mit den beiden Buben, die die Nacht über bei ihm verbracht hatten. Die Polizei nahm ihn sofort fest. Er leistete keinen Widerstand. Fabio und Michael blieben mit den Rettungskräften zurück. Ein weiterer Nachbar nahm sie in seine Obhut und machte ihnen Frühstück. Mittlerweile sind die Brüder bei Cornelias Sohn aus erster Ehe in Augsburg untergebracht.

„Die beiden Buben haben zum Glück von dem Drama überhaupt nichts mitbekommen“, meinte der Nachbar. Stefan K. wird als Choleriker beschrieben, der nicht selten betrunken war. Es kam vor, dass er mit seinem Auto mit hohem Tempo durch die kleine Stichstraße fuhr, so Reichlmeir. „Er hat seine Kinder förmlich beherrscht und gab ihnen ständig Befehle. Die Buben durften nicht mit den übrigen Kindern in der Straße spielen“, ergänzt Christine Reichlmeir. Cornelia K. hingegen beschreibt sie als ruhig und sympathisch.

Regina Peter, Christiane Breitenberger und Thomas Zimmerly

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