Blick in den „Einsteigerkurs“: 110 Asylbewerber kommen in diesen neuen Kursen derzeit unter. Es fehlen jedoch Dozenten und Kurse, erklärte OB Hartmann (an der Tafel). ans

Es fehlt an Dozenten und Kursen

Dachau - Der Schlüssel zur Integration ist die Sprache. Deswegen sollen möglichst viele Flüchtlinge an der Volkshochschule Deutsch lernen. Doch es besteht Handlungsbedarf: Es gibt zu wenig Dozenten und zu wenig Kurse.

Für 400 Flüchtlinge waren die Plätze in den Integrationskursen an der Volkshochschule Dachau bisher halbwegs gesichert. Da aber die Flüchtlingszahlen im letzten Sommer deutlich anstiegen und die Kursgröße durch den Bund begrenzt ist, entsteht aktuell nicht nur bei den Integrationskursen ein Engpass: 20 Integrationskurse sind nicht mehr genug. Dies wurde jetzt beim Pressegespräch der Volkshochschule Dachau bekannt gegeben.

Um diesen Engpass vorerst ein wenig auszugleichen, organisierte Andreas Bräutigam als Leiter der Bundesagentur für Arbeit Dachau vier „Einsteigerkurse Deutsch“. Daran können seit Mitte November rund 110 Flüchtlinge, ausschließlich mit „positiver Bleibeperspektive“, also aus dem Iran, Irak, Syrien und Eritrea, teilnehmen. Bisher lernen jeweils 20 Erwachsene pro Klasse werktags etwa drei Stunden miteinander. Eigentlich ist aber die Volkshochschule Dachau mit 83 Teilnehmern Hauptveranstalter der Einsteigerkurse: „Sie sind eine Basisschulung für die deutsche Sprache. Die bisherigen Integrationskurse gehen natürlich weit über diese Einsteigerkurse hinaus. Das Ziel ist aber trotzdem, diese im nächsten Jahr auf 150 Plätze auszubauen, denn die Sprache zu lernen, ist erst einmal das Wichtigste“, erklärte Bräutigam.

Dabei kritisierte Oberbürgermeister Florian Hartmann die staatlich festgelegte Platzbegrenzung bei Integrations- und Einsteigerkursen - nämlich ausschließlich für Flüchtlinge mit positiver Bleibeperspektive: „Das Problem ist, dass diese nur für vier Nationalitäten geöffnet sind.“ Er plädierte dafür, diese auch für Flüchtlinge aus anderen Ländern zu öffnen. Dabei könnte die Stadt zwar Räume zur Verfügung stellen, die Finanzierung der Kurse müsse aber von staatlicher Seite kommen.

Außerdem laufen die durch die Bundesagentur finanzierten Einsteigerkurse nur bis Ostern nächsten Jahres. Was danach passiert? „Das steht noch in den Sternen. Wir hoffen, dass wir die Einsteigerkurse eventuell in Integrationskurse umwandeln können“, berichtete Anita Engelbrecht. Sie ist bei der Volkshochschule Dachau im Bereich Bildung/Alphabetisierung tätig. Ein weiteres Handlungsfeld in der „Qualifizierung von Flüchtlingen/Asylbewerbern“ an der Vhs sind die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, so Hartmann: „In diesem Bereich kann und muss noch etwas gemacht werden.“ Bisher können nur 35 Jugendliche an einem Einsteigerkurs im Auftrag des Landratsamtes teilnehmen. Weil der Großteil der Jugendlichen aber nicht lesen und schreiben konnte, wird der Kurs möglicherweise um ein halbes bis ein Jahr verlängert. „Der Bildungsgrad der Flüchtlinge ist sehr unterschiedlich“, stellte Engelbrecht von der Vhs fest. „Er reicht von Analphabeten bis zu Flüchtlingen, die in ihrer Heimat ein Studium gemacht haben.“ Deshalb sind auch die Anforderungen für die Deutsch-Sprachkurse sehr unterschiedlich.

Für das nächste Jahr sind drei Alphabetisierungkurse im Auftrag des Kultusministeriums geplant, mitfinanziert durch die Volksbank und die Sparkasse Dachau. Außerdem sollen drei „Erstorientierungskurse Deutsch“ für die alltägliche Kommunikation bei Einkäufen, Behördengängen oder Arztbesuchen stattfinden. Auch Andreas Bräutigam hat noch einige Ideen für 2016 im Kopf, vor allem, um den Asylbewerbern eine betriebliche Ausbildung oder die Arbeitsaufnahme zu ermöglichen. Beispielsweise wird der Leiter der Arbeitsagentur versuchen, die bisherigen Einsteigerkurse für Asylbewerber aus dem Iran, Irak, Syrien und Eritrea um 25 Plätze weiter auszubauen. Unter anderem möchte er auch das staatlich geförderte Projekt „Bayern Turbo“ im Landkreis starten und damit Asylbewerber in eine betriebliche Ausbildung bringen.

„Eine berufsbezogene Sprachförderung ist der Schlüssel für den Arbeitsmarkt“, bestätigte auch Waltraud Wolfsmüller vom Arbeitskreis Asyl Dachau. Der Asyl-Arbeitskreis hat die Sprachkenntnisse und Alphabetisierungsgrade der Flüchtlinge aus der Lilienstraße vor den Kursen ermittelt und außerdem Sprachpaten für die Einsteigerkurse organisiert: „Die Sprachpaten sind wie Nachhilfelehrer für die schwächeren Kursteilnehmer und sitzen teilweise auch mit im Sprachunterricht“, erzählt die ehrenamtliche Helferin.

Für die Zukunft regte OB Hartmann auch ein e Art „individuelles Bildungsprofil“ für jeden einzelnen Flüchtling an, in dem seine sprachlichen und beruflichen Kompetenzen aufgezeichnet sind: „Das wäre wertvoll, um die Menschen in Arbeit zu bringen und passgenaue Angebote im Bereich Grundbildung zu schaffen.“

(Anna Schwarz)

Dozenten gesucht

Die Volkshochschule Dachau sucht für ihre Deutsch-Sprachkurse für Asylbewerber dringend qualifizierte Dozenten, die Deutsch als Fremdsprache studiert haben. Für die Leitung eines Kurses ist außerdem eine anschließende Ausbildung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nötig.

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