Wie Vizebürgermeister Franz Off (links) hörten auch die übrigen Gemeinderäte Ingenieur Christoph Schiegerl (rechts) aufmerksam zu. Foto: ost

„Fernwärme nicht günstiger als Öl“

Jetzendorf - Das größte Baugebiet seit zehn Jahren wird in Jetzendorf ausgewiesen. Aber noch gibt es Unklarkeiten mit der Energieversorgung. Jetzt wurde der Anschluss an Fernwärme diskutiert.

Das Baugebiet Ilmblick, das sich noch in der Planungsphase befindet, ist deutlich größer als alle anderen Baugebiete, die in den vergangenen zehn Jahren in Jetzendorf erschlossen wurden. So wird die Ilmtalgemeinde mit Sicherheit schon in naher Zukunft deutlich über 3000 Einwohner haben.

Dem Gemeinderat ist das bewusst und so hat der junge Jetzendorfer Arzt Stefan Skoruppa, der der Fraktion der Parteiunabhängigen angehört, in Erwägung gezogen, den Hang in Richtung Lampertshausen mit Fernwärme mittels Blockheizkraftwerk zu erschließen. Dass das zwar machbar, aber leider nicht wirtschaftlich sei, hat jetzt der Pfaffenhofener Ingenieur Christoph Schiegerl dem Jetzendorfer Gemeinderat deutlich aufgezeigt. Nur wenn über das neue Baugebiet hinaus noch weitere Häuser und vor allem größere Gebäude an das Fernwärmenetz angeschlossen werden, könne Wirtschaftlichkeit erreicht werden.

Man könnte nach Schiegerls Worten entweder ein Hackschnitzelwerk oder ein Blockheizkraftwerk errichten, das mit Biogas betrieben wird. Ziel müsse es sein, möglichst viele Abnehmer zusammenzufassen. Schiegerl wollte nicht lange um den Brei herumreden und erklärte zur Variante Hackschnitzelwerk: „Ohne die Einbeziehung der Schuhfabrik Lowa ist Wirtschaftlichkeit nicht darstellbar“. Bei einem mit Biogas betriebenen Blockheizkraftwerk sei Wirtschaftlichkeit in erster Linie über den Strom zu erreichen.

Als Beispiel wurde die Anlage des Biogasbetreibers Götz im nahen Ried angeführt. Bei so einer Anlage sei aber von entscheidender Bedeutung, dass die Versorgungswege nicht zu lang würden. Allein das Leitungssystem für das neue Baugebiet würde rund 300 000 Euro verschlingen.

Schiegerl riet Bürgermeister Richard Schnell und den Ratsmitgliedern davon ab, den Betrieb so einer Anlage in die Hände der Gemeinde zu legen. „So was ist nur interessant für einen privaten Betreiber“, sagte der Ingenieur, der natürlich viele Fragen beantworten musste.

Gemeinderätin Ruth Kudorfer (Freie Bürger) zog in Erwägung, die Jetzendorfer Schule an ein Leitungsnetz anzuschließen. Aber selbst der Idee von CSU-Gemeinderat Jochen Lojewski, dass sich mehrere Häuslebauer zusammentun sollten, um gemeinsam ein Blockheizkraftwerk zu betreiben, erteilte der Energiefachmann eine klar Absage, wenn Wirtschaftlichkeit erreicht werden soll. Das käme zu teuer, „da müsste man 700 000 Euro in die Hand nehmen“, so Schiegerl.

Absolut abraten musste Schiegerl von Flüssiggas und Erdgas, denn das seien die teuersten Energiequellen. Vize-Bürgermeister Franz Off (Parteiunabhängige) meinte, dass Fernwärme nur dann Sinn machen könne, wenn die Schuhfabrik Lowa vom Start weg dabei sei. Doch selbst in dieser Konstellation ist Bürgermeister Schnell skeptisch: „Die Fernwärme käme nicht günstiger als ein Betrieb mit Öl. Heute hat uns mal ein Fachmann die Augen geöffnet“. (ost)

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