Diskussion über Frauenhäuser: (v.l.) Ruth Müller und Dr. Simone Strohmayr (SPD), Oskar Krahmer (AWO), Martin Güll (SPD) und Wiebke Kappaun (AWO). foto: sj

Die Frauenhäuser brauchen mehr Geld

Dachau - Wohin als Frau, wenn man von körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt durch seinen Partner betroffen ist? Frauenhäuser, die Beratung, Schutz und eine Unterkunft bieten, sind für viele Betroffene die letzte Anlaufstelle, um zu entkommen. Doch um manche Frauenhäuser steht es alles andere als gut.

Von dem horrenden Mangel an freien Plätzen abgesehen, wird je nach der finanziellen Situation der zuständigen Kommune die Qualität der Hilfe und die Ausstattung der Häuser stark beeinflusst. Ein gewaltiges Problem angesichts der wichtigen und bitter nötigen Arbeit, die die meist ehrenamtlichen Helfer leisten.

Im Rahmen ihrer SPD-Sommerreise kamen die Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Dr. Simone Strohmayr, stellvertretende Vorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, nach Dachau. Auf ihrer bayernweiten Tour beschäftigte sie vor allem eine Angelegenheit: die Finanzierung der Frauenhäuser in Bayern. Deshalb sprachen die Kolleginnen des Dachauer SPD-Landtagsabgeordneten Martin Güll mit den Verantwortlichen des Frauenhauses Dachau über ihre Probleme.

Mit durchschnittlich 25 000 Euro an staatlichen Zuschüssen pro Jahr seien die Frauenhäuser laut Simone Strohmayr schlicht unterfinanziert und hätten sehr beschränkte Möglichkeiten. Ein Gutachten der Universität Erlangen stellte fest, dass im Schnitt 35 Prozent zu wenig Frauenhausplätze vorhanden sind. „Nun, da der Bedarf durch die Studie geklärt ist, ist es an der Zeit, Haushaltsanträge zur Erhöhung der Gelder zu stellen, um eine auskömmliche Finanzierung zu ermöglichen“, sagte die frauenpolitische Sprecherin.

Seit 2009 sei die Festbetragsfinanzierung von der Regierung nicht mehr angepasst worden. Ruth Müller betonte ebenfalls, wie wichtig es wäre, sich vor Ort ein Bild von den Frauenhäusern zu machen. Martin Güll erklärte: „Letztenendes lassen sich auch die Probleme der Frauenhäuser auf das Wohnungsproblem reduzieren. Indem man mehr Sozialwohnungen baut, erhöht man automatisch die Kapazitäten der Frauenhäuser, da die Frauen, die gehen können, vernünftige Unterkünfte bekommen würden.“ Deshalb werde dringend die Finanzierung über den Staat gefordert. Sozialer Wohnungsbau gehe alle an, sagte Güll. Beispielsweise mit einer Erbpacht an den Landkreis oder leer stehende Wohnungen zu vermieten, könnten erste Schritte sein.

Auch Wiebke Kappaun vom Frauenhaus Dachau ist dieser Meinung. Momentan entsprechen fünf Familienplätze (das heißt fünf Frauen mit nicht mehr als insgesamt sechs Kindern, also elf Plätze) den Vorgaben, laut der Studie von Erlangen hätte der Landkreis Dachau allerdings Bedarf von 15. Die staatlichen Zuschüsse für diese fünf Plätze lägen bei 20.250 Euro im Jahr. Da dieses Geld bei Weitem nicht ausreiche, zahle die Kommune jährlich sage und schreibe 120 000 Euro zusätzlich sowie der Träger des Frauenhauses Dachau, die AWO, nochmals 5000 Euro.

Insgesamt 221 Anfragen musste Kappaun aufgrund von Platzmangel im letzten Jahr aus ganz Bayern abweisen. Trotz aller Probleme versichert sie aber auch: „Niemand wird bei uns in die Obdachlosigkeit entlassen.“

(sj)

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