Generalprobe: Die Hebertshauser Siebtklässler erzählen den Mitschülern ihre Geschichten. foto: khr

Frei von der Leber weg erzählen

Hebertshausen - Innerhalb von nur sechs Wochen wurde aus zwölf Siebtklässlern der Hebertshauser Mittelschule eine Gruppe kreativer Autoren. Das beste: Die Rechtschreibung war eher unwichtig.

Zwölf Schüler der siebten Klasse der Mittelschule Hebertshausen haben an sich ganz neue Seiten entdeckt. Sie durften Geschichten aus dem Leben und auch aus ihrer Phantasie zu Papier bringen und vortragen. Und was dabei herauskam, erstaunte sogar die jungen Autoren selbst.

Die Hebertshauser Siebtklässler waren vom Literaturhaus München für ein Schreibobjekt an Mittelschulen ausgewählt worden - das allein war schon eine große Ehre für sie. Klassenlehrerin Ilse Oftring-Thomas war natürlich stolz auf ihre Schützlinge. Sechs Wochen lang trafen sie sich einmal in der Woche mit den Autoren Andrea Funk und Markus Ostermaier vom Literaturhaus zum Lernen und gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Was schreibe ich, schreibe ich aus dem Leben oder erfinde ich eine Geschichte, über wen schreibe ich, wie formuliere ich die Sätze, wie stelle ich wichtige Sachen in den Vordergrund? Diese Fragen schäftigten die Schüler. Das Leitthema des Projekts lautete „Freunde durch dick und dünn“.

Beim letzten Treffen vor dem großen öffentlichen Finale der Schreibwerkstätten für Mittelschulen im Literaturhaus München gab es eine Generalprobe, zu der auch die Leiterin des Projektes Dr. Katrin Lange nach Hebertshausen gekommen war. Da gab es lustige und nachdenkliche Geschichten, Geschichten erzählt aus der Sicht von Haustieren wie Hase und Katze, Geschichten über die Oma und über die erste große Liebe. Ein Schüler erzählte von der Flucht aus dem Kosovo und wie dabei die beste Freundin der Mutter verloren ging. Auch von Jugendfreundschaften und einem großen Jagdhund war die Rede.

Auf jeden Fall waren die Autoren Andrea Funk und Markus Ostermair, die das Projekt betreuten, samt Klassenlehrerin Ilse Oftring-Thomas sehr erstaunt über die Kreativität der Mädchen und Jungen - was da für Fähigkeiten im Verborgenen schlummerten. „Das hätten wir ihnen eigentlich gar nicht zugetraut, dass sie so aus sich herausgehen und ihre Geschichten ohne Scheu vor den Mitschülern vortrugen“, so Ilse Oftring-Thomas. Jede Geschichte beurteilten die Mitschüler. Es wurde viel Lob verteilt, aber auch auf Schwachstellen hingewiesen, sei es in der Sprache, in der Gestik, in der Lautstärke oder im Tempo.

Verbesserungsvorschläge und Lob kam auch von Autorin Andrea Funk. Sie verpasste den meisten Geschichten den nötigen Feinschliff. Eines gefiel den Schülern an der ganzen Sache aber besonders gut: Rechtschreibung und Grammatik waren nicht gefragt. Geschrieben und erzählt wurde frei von der Leber weg.

Klaus Rabl

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