Heiße Diskussionen über Wildabschuss und Verbiss lieferten sich am Montag rund 40 Jäger und Waldbesitzer bei einem Ortstermin im Wald bei Fränking. Foto: cornelia hartmuth

Fronten zwischen Jägern und Waldbesitzern verhärtet

Dachau - Hitzige Diskussionen gab es zwischen rund 40 Jägern und Waldbesitzern bei einem Treffen mit Vertretern vom Amt für Landwirtschaft und Forsten im Fränkinger Forst.

Das Amt hatte zur Bestandsaufnahme der jungen Waldbäume zu einem Ortstermin eingeladen. Seit 1986 werden bayernweit alle drei Jahre forstliche Gutachten über die Waldverjüngung erstellt. Im Landkreis wird nach Hans-Jürgen Gulder, Amtsleiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten, der Verbiss durch Rehe in rund 250 Jungbeständen untersucht.

Bei der Auftaktveranstaltung zeigten die beiden Revierförster Thomas Zimmermann und Franz Knierer, wie anhand eines systematisch angelegten, hochtechnischen Rasternetzes Stichproben genommen werden. Jäger und Waldbesitzer können an der Bestandsaufnahme teilnehmen, die im Landkreis etwa zwei Monate dauern wird.

Jagdpächter und Grundbesitzer machten sich im Anschluss gegenseitig Vorwürfe. „Erbsenzählerei“ und eigens ausgewählte Standorte mit hohem Verbiss warfen die Jäger zunächst den Behördenvertretern vor. „Nur damit Ihr den Abschuss raufsetzen könnt“, schimpften einige. Dabei sehe man heute kaum noch Rehe. Es sei schade um die hohen Kosten für die Bestandsaufnahme. Vielmehr sollten die Jagdpächter und die Grundbesitzer das Vorgehen gemeinsam regeln.

Die Waldbesitzer seien für den gesunden Waldbestand verantwortlich, könnten ihn aber nicht ohne ausreichende Abschusszahlen der Jäger erzielen, sagte ein Revierinhaber. „Die Jäger schießen doch nicht zuverlässig“, ärgerte sich Leonhard Mösl, Vorsitzender der Waldbauernvereinigung Dachau, und berichtete über die hohen Verbissschäden. Außerdem hielt er ihnen vor, dass sie teils schon im Oktober ohne Not die Rehe fütterten. „Füttern bedeutet mehr Schießen, alles andere ist falsches Jagdverhalten“, meinte auch Amtsleiter Hans-Jürgen Gulder.

Ein Jäger verteidigte dagegen die Fütterung: Er müsse das Wild von entlegenen Mais- und Rapsfeldern fernhalten, weil er ansonsten 36 Prozent seines Bestandes durch Verkehrsunfälle verliere. Probleme sehen die Jäger auch durch die Störungen durch Spaziergänger, Jogger und Reiter. Eine Jägerin forderte deshalb Ruhezonen für das Wild im Wald.

Die Rehe hätten sich schon lange an Störungen gewohnt, hielt Gulder entgegen. Sie würden sogar in der Nähe von lauter, maschineller Ackerbewirtschaftung in Ruhe äsen. Den Kontrahenten gab er schließlich den Ratschlag mit auf den Weg: „Setzt Euch doch alle mal zusammen.“ (ch)

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