Auf dem Roten Sofa: Petra Hoffmann und Martin Güll. foto: KN

„Für uns, die geblieben sind, war das furchtbar“

Dachau/Indersdorf - Mit Petra Hoffmann saß eine Zeitzeugin des Mauerfalls auf dem Roten Sofa im Bürgerbüro der SPD in Indersdorf. Das hatte Zugkraft: Mehr als 100 Besucher, darunter eine zehnte Realschulklasse aus Indersdorf, waren gekommen.

„Ich konnte das eigentlich gar nicht feiern, denn fast alle meine Freunde waren schon weg“, sagte Hoffmann im Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten Martin Güll.

Der Fall der Mauer war auch im Leben von Petra Hoffmann ein tiefer Einschnitt - und doch hätte sie ihn fast verpasst. Die Bürgerrechtlerin und Zeitzeugin aus Halle erinnerte sich anlässlich des Jahrestags des Mauerfalls am 9. November. Sie hat den Umbruch in den letzten Monaten der DDR teilweise schmerzlich erfahren, es sei „eine Zeit voller enttäuschter Hoffnungen“ gewesen, das tägliche Leben wurde immer schwieriger, weil so viele Freunde, Familienmitglieder und Kollegen oft über Nacht das perspektivelose Land verließen. „Für uns, die geblieben sind, war das furchtbar“, erzählt Hoffmann beim Treffpunkt Landtag auf dem Roten Sofa im Büro des Landtagsabgeordneten Martin Güll.

Am 9. November 1989 war die Biowissenschaftlerin gerade auf einer Tagung in Dresden. Dort, mitten im „Tal der Ahnungslosen“, in dem man kein westdeutsches Fernsehen und Radio empfangen konnte, kam plötzlich das Gerücht von der Grenzöffnung in Umlauf.

Die Öffnung der Mauer war ein tiefer Einschnitt im Leben von Petra Hoffmann, die auch Gründungsmitglied der ostdeutschen SDP war. Von den Montagsdemonstrationen führte sie ihr Weg an den Runden Tisch in Halle, wo sie bis zum Ende der Teilung und der förmlichen Vereinigung an der Interimsverwaltung mitarbeitete: „Wir hatten zu tun mit der Organisation des Täglichen.“ In ihrem Buch „Von der Montagsdemo zur Demokratie“ erzählt Hoffmann, wie sie diese Monate erlebt hat und lässt die Gäste mit kurzen Lesetexten daran teilhaben.

Parallel zu dem Zeitzeugengespräch eröffnete Martin Güll eine Plakatausstellung, herausgegeben von der Bundesstiftung für Aufarbeitung, zur Geschichte der DDR-Mauer, von der quälenden Präsenz, den schwierigen Umständen, damit zu leben bis zum Mauerfall im November 1989. (dn)

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