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„Die Pendler stehen am Abend bei -2 Grad murrend und grantelnd auf dem Bahnsteig.“

Gastautorin beklagt alternativloses Pendlerdasein

Wir aus dem Dachauer Hinterland sind die S-Bahn-Stiefkinder der Region

Dagmar Wagner wohnt im Landkreis Dachau und beklagt das alternativlose Pendlerdasei. Ein Erlebnis am Nikolaustag hat ihr wieder gezeigt: Wir aus dem Hinterland sind die S-Bahn-Stiefkinder der Region.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Das dachten sich die Pendler der S2 Richtung Altomünster am Abend des Nikolaustages. Als sie am Bahnhof Dachau wie üblich in den S-Bahn-Zweig nach Altomünster umsteigen wollten, sahen sie nur noch das Rücklicht des überpünktlich abgefahrenen Zuges. Empört machten sie ihrem Frust Luft, denn die Bahn aus München war nur zwei Minuten später in Dachau und sie als Pendler wurden einfach stehen gelassen. 

Gastbeitrags-Autorin Dagmar Wagner.

Sie standen nicht das erste Mal auf dem zugigen Bahnsteig der Kreisstadt. Und sie diskutierten auch nicht das erste Mal über die eingesetzte veraltete Technik, altbackenes Beamtendenken und das Vermissen des gesunden Menschenverstandes. Der Fahrer muss noch die anreisende Bahnschwester aus München gewiss gesehen haben. Aber wurscht: Hauptsache pünktlich abfahren. So stehen sie am Abend bei -2 Grad murrend und grantelnd auf dem Bahnsteig – ohne wärmenden Glühwein oder schützendes Wartehäuschen versteht sich – und beklagen das alternativlose Pendlerdasein.

Die S-Bahn München weiß, dass es für sie keine Beförderungsoption gibt. Die meisten Berufstätigen aus dem Dachauer Outback müssen Bahn fahren. Das Auto ist nämlich mittlerweile eine noch größere Herausforderung als der tägliche Kampf im öffentlichen Nahverkehr.

So fühlen sich die Zurückgelassenen wieder einmal wie die Stiefkinder der Region: Es gibt sie und die Bahn kümmert sich halbherzig um sie, geliebt und umsorgt werden sie nicht. So zückten die einsamen Reisenden mit klammen Fingern ihre Smartphones, befeuert mit den diversen Bahn-Apps, die für jeden frustrierten Pendler der S-Bahnlinien überlebenswichtig sind. Zumindest in Dachau funktionieren sie ja: Da gibt es Mobilfunk. Dies ist im weiteren Hinterland ja immer noch die Ausnahme. Aber wozu brauchen sie auch ein Handynetz auf dem Land: Es gibt für die S-Bahn-Stiefkinder in der Region ja eh keine Alternative. Und so vergeuden sie weitere wertvolle Lebenszeit mit dem Warten auf die nächste Verbindung – in der Hoffnung, dass der Fahrer sie auch diesmal wirklich mitnimmt.

Diesen Gastbeitrag schrieb Dagmar Wagner aus Kreuzholzhausen.

Unsere nützlichen S-Bahn-Gruppen auf Facebook: Hilfe, wenn die S-Bahn ausfällt

Wir haben für jede S-Bahn-Linie eine Facebook-Gruppe gegründet, in der sich Fahrgäste selbst organisieren können: Bilden Sie Fahrgemeinschaften, wenn Ihre S-Bahn ausfällt. Organisieren Sie ein Taxi und teilen Sie sich mit mehreren die Kosten. Oder bitten Sie andere Betroffene schlicht um Hilfe - oder bieten Sie einen Platz in Ihrem Auto an. Zusammen mit anderen Pendlern sind Sie im S-Bahn-Chaos weniger allein.

Nutzen Sie die Gruppe Ihrer S-Bahn-Linie auch, um sich und andere darüber zu informieren, bis wann ungefähr mit Zug-Ausfällen und -Verspätungen zu rechnen ist. Hier entlang zur Liste

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