Olivia Fleischer begeisterte die Dachauer mit ihrem Ballett. foto: michael betz

Geduld, Verständnis und Liebe für junge Ballettratten

Dachau - Auf fast allen Bühnen Europas hat Olivia Fleischer getanzt - das ehemaluge Wunderkind und später angesehene Ballettlehrerin in Dachau feiert ihren 80. Geburtstag.

„Mehrfach gab es Beifall auf offener Bühne . . . und als die sechs größeren Eleven in weißen Tüllkleidern anmutig übers Parkett schwebten, war wohl niemand im Zuschauerraum, der den Wert einer Tanz- und Gymnastikerziehung für Kinder, besonders für Mädchen, nicht freudig bejaht hätte.“ Diese Sätze stammen aus einem Bericht der Osthauer Nachrichten vom 12. September 1950. Ballettlehrerin Olivia Fleischer, damals noch Olivia Maie Talbré, hatte mit ihrer Werbeveranstaltung die Dachauer so begeistert, dass es ihr auf Anhieb gelang, in Dachau eine Tanz-, Ballett- und Gymnastikschule zu gründen. Und es wurde eine Erfolgsgeschichte, eine Institution, die bis 1994 dauerte. Nun feiert Fleischer ihren 80. Geburtstag.

Auf Drängen Dachauer Muttis hin zog die Ballettlehrerin nach Dachau. Mit zehn Schülerinnen begann sie im September 1950 den Unterricht im Hotel Hörhammer. Die bescheidene Frau, die 44 Jahre lang so viel Idealismus, Geduld, Verständnis und Liebe für einige tausende Kinder aufbrachte, war einst eine gefeierte Primaballerina. Heute vor 80 Jahren, am 29. Oktober 1929, wurde sie in Reval (Estland) geboren und begann mit vier Jahren ihre Ausbildung. Die kleine Olivia aber wurde zum „Wunderkind“. Als Siebenjährige tanzte sie bereits über fast alle bekannten Bühnen Europas. Auch in Deutschland war die jüngste Solotänzerin der damaligen Zeit ein begehrter Star. Mit elf Jahren war sie im Reichsballett und trat in fast allen Opernhäusern zwischen Wien und Berlin auf. Mit 13 Jahren kam sie zum Filmballett der Ufa und wirkte bei etlichen Filmen mit, etwa in „Peter Voss, der Millionendieb“ mit Mady Rahl und Viktor de Kowa.

Jahrzehntelang war Fleischers Kinderballett über die Landkreisgrenzen hinaus begehrt und beliebt. Weit über tausend kostenlose Auftritte in Altenheimen, bei Vereinen oder bei Wohltätigkeitsveranstaltungen kamen zusammen. Das würdigte auch die Stadt Dachau: 1971 mit der silbernen und 1995 mit der goldenen Bürgermedaille. (br)

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