Wie wird der Lehm zum Ziegel? Anton Hörl (2.v.l.) erklärt den FW-Politikern seine Ziegelei.  reg

Ein genauer Blick in den Landkreis

Dachau - Der Kreisverband der Freien Wähler hat sich im Landkreis Dachau umgeschaut: an Straßen, auf Höfen - und bei einer großen Firma, der Ziegelei Hörl und Hartmann. Die hat von Neuerungen berichtet. Und von Hindernissen, die sie dafür überwinden muss.

Der Kreisverband der Freien Wähler hat sich den Landkreis Dachau genauer angeschaut: Unter dem Motto „Fraktion vor Ort“ haben die Politiker die Staatsstraßen begutachtet, einen Milchhof besucht, die Polizeiinspektion Dachau (siehe Kasten) und die Ziegelei Hörl und Hartmann.

Begeistert waren die FWler dort besonders von dem neuen Thermoreaktor: Er sorgt für wesentlich weniger Geruchsbelästigung für die umliegenden Gemeinden. Zur Ziegelherstellung benötigt die Fabrik Sägespäne, doch diese verbreiten bei der Weiterverarbeitung sogenannte Schwelgase. Das ist nicht gesundheitsschädlich oder giftig, aber es stinkt - beziehungsweise stank. Denn die neue Maschine ist leistungsstärker und moderner und reduziert den früheren Wert von 50 Milligramm pro Kubikmeter auf nur 5 Milligramm. „Damit ist die Geruchsbelästigung bei allen Wetterlagen Geschichte“, freut sich geschäftsführender Inhaber Anton Hörl. 1,4 Millionen Euro kostete der neue Thermoreaktor. Dennoch sei er eine gute Investition, denn bei manchen Wetterlagen entstand durch die alte Anlage der lästige Gestank. „Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Thema nun zufriedenstellend für alle Anwohner im Umkreis lösen konnten“, meinte Hörl.

Für den Kreisverband gab es dann eine Führung durch die gesamte Ziegelei: Von der Lehmmasse bis hin zum fertigen Ziegel konnten die Politiker jeden Fertigungsschritt nachvollziehen. Für den Landtagsabgeordneten Benno Zierer aus dem Landkreis Freising waren die Ziegel nicht das Einzige, über was er sich bei dieser Führung besonders freute. Ein ehemaliger Angestellter von ihm arbeitet nun für die Ziegelei und war bei der Führung ebenfalls anwesend. „Wir haben uns seit 20 Jahren nicht mehr gesehen, ich habe mich richtig gefreut, ihn hier zu treffen“, sagte er glücklich. „Wie klein die Welt doch manchmal ist.“

Neben dem Reaktor soll es eigentlich eine weitere Neuerung im Hause Hörl geben: Ein eigenes Windrad soll die Stromversorgung der Ziegelei sichern. Obwohl bereits sämtliche Untersuchungen diesbezüglich abgeschlossen waren, gibt es erneut schlechte Nachrichten. Ein 2015 gegründeter Naturschutzverein hat Klage eingereicht. Der Verein befürchtet, dass sich auf dem Feld hinter der Lehmgrube der Ziegelei, hier soll das neue Windrad aufgestellt werden, der Greifvogel Rotmilan niedergelassen hat. „2014 wurde bereits ein Gutachten erstellt, ob dieser Vogel hier zu finden ist. Ein Horst konnte jedoch nicht nachgewiesen werden“, erklärt Martin Hörl, der für den Vertrieb im Unternehmen zuständig ist. „2015 wurde das sogar noch einmal überprüft. Auch hier gab es lediglich Anzeichen für einen Mäusebussard.“

Insgesamt verbraucht die Ziegelei Hörl und Hartmann 10 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Mit dem Windrad könnten 65 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. „Das ist die schlechteste Rechnung, wahrscheinlich können wir diesen Wert noch optimieren, wenn wir unsere Fertigungsschritte dem Windrad anpassen“, so Hörl weiter. Alles spricht für das Windrad, auch würde die Lärmbelästigung der Ziegelei nicht über die erlaubten 55 Dezibel steigen. „Aber jetzt heißt es wieder Abwarten.“ Denn erst einmal muss die Klage des Naturschutzvereins vom Gericht überprüft werden.

Regina Peter

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