Von seinen Erinnerungen an die schlimmste Zeit seines Lebens erzählte Max Mannheimer in dem Film von Carolin Otto (links) und in dem anschließenden Gespräch mit Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann (rechts). Foto: kwo

"Glücklich sind die, die vergessen können"

Dachau - Die Regisseurin Carolin Otto hat den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer auf seiner Reise in das ehemalige KZ Auschwitz begleitet - und darüber einen Film gedreht.

Gemeinsam mit der Filmemacherin Carolin Otto ist Max Mannheimer 1991 in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz zurückgereist, um sich mit seiner Erinnerung auseinanderzusetzen. Entstanden ist dabei ein Film, der den inzwischen 89-Jährigen nicht nur als Holocaust-Überlebenden zeigt, sondern auch als liebevollen Vater, großen Bruder und unterhaltsamen Begleiter.

Die Regisseurin kündigte zu Beginn der Filmvorführung in der KZ-Gedenkstätte eine „emotionale Reise“ an. Damit hatte sie nicht zu viel versprochen. Mit ihrem Film hat sie Mannheimer nicht nur begleitet, sondern ein Porträt von ihm gezeichnet, das alle seine Facetten zeigt. Sie hat Momente eingefangen, in denen der 89-Jährige von Tränen überwältigt wird, einige seiner Besuche in Schulen gefilmt, bei denen er Schülern von seinen Erinnerungen an die schlimmste Zeit seines Lebens berichtet. Daneben kommt aber auch immer wieder ein ganz privater Max Mannheimer zu Wort. Er spricht über das Verhältnis zu seinen Kindern, über seine Ehe, über die Erinnerungen, die er an seinen eigenen Vater hat.

Eindringlicher, als es Worte beschreiben könnten, erleben die Zuschauer wie sich Mannheimer Schritt für Schritt seiner Vergangenheit stellt, wie er um Freunde und Familienmitglieder trauert, die er in den Konzentrationslagern verloren hat. Auch nach mehr als 60 Jahren sind seine Erinnerungen noch so klar wie damals. „Glücklich sind die, die vergessen können“, sagt der 89-Jährige in dem Film. „Ich selber habe leider sogar noch kleinste Details im Gedächtnis.“

In dem 82-minütigen Film von Carolin Otto braucht Mannheimer nicht viele Worte, um den Holocaust zu beschreiben. Viele der besten Szenen sind ungeplant entstanden, berichtet die Regisseurin. „Es ist die Persönlichkeit von Max, die durch den Film führt – sein besonderer Humor, seine Fähigkeit zwischendurch Späßchen zu machen.“

Sein Humor hat in Mannheimers Leben eine entscheidende Rolle dabei gespielt, das Erlebte zu verarbeiten. „Witze sind Balsam für meine Seele“, betont er. „Mein Humor ist eine Balancierstange zwischen den traurigen Erinnerungen.“ Er ist froh, dass er es inzwischen schafft, über die Vergangenheit zu sprechen.

Carolin Otto hat ihm ihren Film stellvertretend für all die Opfer gewidmet, die nicht mehr über das Erlebte reden können. Genannt hat sie ihre Dokumentation „Der weiße Rabe“. Denn weiße Raben haben mit Holocaust-Überlebenden eines gemeinsam: Sie sind sehr, sehr selten. (kwo)

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