Gnade für höflichen Angeklagten

Dachau - Auch vor Gericht ist ein höfliches und reumütiges Auftreten manchmal wichtig.

Selten sind sich Staatsanwalt, Nebenkläger, Richter und Verteidiger einig vor Gericht. Doch dieses Mal ist der Tenor der vier Herren gleich: Der Angeklagte mache einen solch guten persönlichen Eindruck, dass dieser kaum mit Lebenslauf und der Anklageschrift zu vereinbaren ist.

Nur so ist es sich wohl zu erklären, dass dem 21-jährigen Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung eine zehnmonatige Bewährungsstrafe auferlegt wurde, obwohl der Dachauer bereits vorbestraft ist – zu einem Jahr und elf Monaten Jugendstrafe. Er war im Frühling des vergangenen Jahres verurteilt worden, nachdem er wiederholt beim Handel mit Betäubungsmitteln erwischt worden war; 77 Mal konnte ihm nachgewiesen werden. Und schon ein Jahr später, in offener Bewährung, ließ sich der adrett und höflich auftretende junge Mann schon den nächsten Vorfall zu Schulden kommen. Beim Pasenbacher Hallenfest hatte er einem Mann ins Gesicht geschlagen, offensichtlich ohne Grund. Und das mit solcher Wucht, dass ein Schneidezahn in hohem Bogen ausfiel.

„Ich erinnere mich überhaupt nicht an den Abend, ich war stark alkoholisiert“, erklärte der Angeklagte reumütig. „Mein Verhalten ist unentschuldbar, auch in Hinblick auf meine Vorstrafen.“ Er spricht deutlich und klar, seine Worte sind wohl gewählt und betont ruhig. Verständlich, dass sich die vier Herren um ihn herum über seine Vergangenheit wundern. „Ja, ich habe ein relativ wildes Leben geführt, aber nun ist mir klar, dass schneller Reichtum und viel Geld nicht alles sind. Sie können die verlorenen Jahre im Gefängnis nicht wiedergutmachen.“ Diese Einsicht habe sich der junge Mann in seiner Untersuchungshaft angeeignet. np

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