Schüler klagen über Atembeschwerden

Verdächtiger Geruch: Großalarm in der Schule Altomünster

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Altomünster - Großalarm in der Altomünsterer Schule. Gegen 11 Uhr vernahmen Schüler und Lehrer einen beißenden Geruch. Viele Schüler mussten husten, klagten über Schwindel und Kopfweh. Die Rettung wurde alarmiert. Die Polizei hat einen Neuntklässler in Verdacht: Er soll Pfefferspray versprüht haben.

Chiara, elf Jahre alt, ist immer noch ein bisschen aufgeregt. „Wir waren schon geschockt“, sagt das Mädchen. Chiara, die in die fünfte Klasse der Grund- und Mittelschule Altomünster geht, hat auch die reizenden Stoffe eingeatmet, hatte ein Kratzen im Hals und am Nachmittag immer noch Kopfweh. Ihre Freundin hat es allerdings schlimmer erwischt. 

Gegen 11 Uhr ist es in der Schule im Faberweg in Altomünster zu einem Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungsdiensten gekommen. Zuvor hatten mehrere Schüler nach Angaben der Polizei einen undefinierbaren Geruch bemerkt. Sie klagten über Hustenreiz und Unwohlsein. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei wurdenh alarmiert

Die Feuerwehren Altomünster und Sielenbach nahmen Messungen mit Gasmessgeräten vor, wie Bürgermeister Anton Kerle mitteilte. Auch er war vor Ort. "Gas ist aber keines ausgetreten", so Kerle. Auch keine anderen Schad- oder Giftstoffe wurden festgestellt. In der Zwischenzeit husteten immer mehr Schüler und hatten Schwindel, Sehstörungen und Kopfweh. Der Trakt, in dem der Geruch zuerst aufgetreten war, der vierte Stock, wurde geräumt. Insgesamt 40 Schüler und Lehrer wurden laut Polizei von Notärzten und Helfern des Rettungsdienstes untersucht. „Alle konnten aber ohne schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen an der Schule wieder entlassen wurden“, so Polizeihauptkommissar Björn Scheid. Der beißende Geruch hatte sich inzwischen durch kräftiges Lüften verflüchtigt. 

In den Fokus der Ermittlungen ist nun ein Schüler der neunten Klasse geraten. Er wird verdächtigt, im vierten Stock der Schule mutwillig Pfefferspray versprüht zu haben. Wie alt der Schüler ist und woher er kommt, will die Polizei noch nicht öffentlich machen. Die Ermittlungen aber laufen: Dem Schüler wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. 

Chiara war in der großen Pause in der Schule unterwegs. „Wir sind in die Bücherei gegangen, weil meine Freundin Büchereidienst hatte“, erzählt die Elfjährige am Nachmittag. Gegen 11 Uhr kam eine Meldung über die Lautsprecher: „dass wir alle wieder zurück ins Klassenzimmer sollen“. Chiara und ihre Freundin machten sich vom zweiten Stock auf in den fünften Stock. „Auf dem Weg haben wir’s gerochen, und meine Freundin hat angefangen zu husten.“ Im Klassenzimmer klagten dann fast alle der 16 Schüler über Hustenreiz. Etwa eine Stunde später seien dann Krankenwagen und Polizei gekommen, erzählt Chiara. Die Schule wurde geräumt, die Schüler mussten sich Jacke oder Pulli vor die Nase halten und rausgehen. Dort standen schon rund zehn Krankenwagen bereit. „Wir wurden alle untersucht, meine Freundin sogar eine Stunde lang.“ Die Eltern wurden informiert und gebeten, die Kinder abzuholen. 

Chiaras Mutter, Nicole Pichler aus Weitenwinterried, ist immer noch geschockt. Als sie ihre Tochter abholte, sah sie „viele Kinder mit Sauerstoffmasken“. Viele Kinder seien am Bordstein gesessen, „denen war noch schwindlig“. Schulsachen und Klamotten lagen herum, es sah nach „geordnetem Chaos aus“, so die 31-jährige Mutter. 

Bürgermeister Kerle lobte den vorbildlichen Ablauf des Einsatzes: So habe sich bewiesen, dass Rettungsdienst und Feuwehren für den Katastrophenfall bestens gerüstet seien. „Die Kinder wurden von den Rettungskräften bestens betreut, bis sie von den Eltern abgeholt wurden“, sagte Kerle. Der Bürgermeister sieht es kritisch, dass Jugendliche im Besitz eines Pfeffersprays sind. „Man muss die gesellschaftliche Frage stellen, ob jeder mit so einem Spray herumlaufen sollte.“ Der Reiz für Jugendliche sei groß, das auch auszuprobieren. 

Verboten sei der Besitz eines solchen Sprays nicht, sagte Scheid: „Es ist vermutlich als Tierabwehrspray deklariert.“ Allerdings sei es laut Scheid auch üblich, dass solche gefährlichen Gegenstände an Schulen verboten sind. „Denn es führt nur zu blödsinnigen Handlungen.“ Welche strafrechtlichen Konsequenzen der Jugendliche für seine Tat zu erwarten habe, müsse nun ein Gericht entscheiden. „Doch möglicherweise hat das auch schulinterne Konsequenzen.“ Schulleiterin Nicole Lachner war gestern allerdings nicht bereit, Auskunft zu geben.

 Chiara jedenfalls hatte gestern Nachmittag noch ein bisschen Kopfweh. „Ich leg mich jetzt ein bisschen hin und entspanne mich.“ Damit es schnell besser wird: Denn am heutigen Donnerstag soll der Unterricht laut Kerle wie gewohnt stattfinden.

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