Sie wollen helfen: 60 Engagierte kamen zum zweiten Treffen für Flüchtlingshelfer in Vierkirchen. foto: ch

Großes Engagement für minderjährige Flüchtlinge

Vierkirchen - 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ziehen im Frühjahr in den alten Kindergarten in Vierkirchen. 60 Helfer bekunden schon jetzt ihr Engagement.

Die Hilfsbereitschaft und das Interesse für die erwarteten Asylbewerber sind in Vierkirchen enorm. Bei dem zweiten Treffen des Arbeitskreises „Asyl“ kamen über 60 Bürger in den Rathaussaal, um sich über die optimale Vorbereitung zu informieren. Voraussichtlich ab März/April sollen 20 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) im ehemaligen katholischen Kindergarten untergebracht werden. Weitere 50 erwachsene Flüchtlinge sollen in zwei Wohncontainern nahe dem Bauhof wohnen.

Mit einer so großen Resonanz hatten Bürgermeister Harald Dirlenbach (SPD) und die Netzwerkmanagerin Martina Tschirge nicht gerechnet. So mussten noch einige Stühle in den voll besetzten Sitzungssaal im Rathaus geholt werden. Neben Gemeinderäten zählten Vertreter der Vereine, der Kirchen, der Jugendarbeit sowie Privatpersonen zu den Gästen. Die Flüchtlingsjungen werden 16 bis 17 Jahre alt sein, berichteten drei Mitarbeiter der Caritas, die sich im Landkreis mit derzeit neun Mitarbeitern in Teil- und Vollzeit als Partner des Landratsamtes für die Asylbewerber einsetzt. Bei der Infoveranstaltung waren Fachdienstleiterin Irmgard Wirthmüller, Michael Eglmeier, zuständig für die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge, und Isabelle Kerber.

Derzeit leben 31 UMF im Landkreis, für die das Jugendamt sorgt. Die Kinder und Jugendlichen seien alle traumatisiert; bei einigen seien die Eltern getötet worden, berichtete Eglmeier. Manchmal helfe ein Dorf zusammen, um die Kosten für die Flucht aufzubringen, die zwischen 5 000 bis 10 000 Dollar pro Person koste. Die UMF werden rund um die Uhr beaufsichtigt, wofür noch Fachkräfte gesucht werden. Viele Aufgaben können aber auch ehrenamtliche Helfer übernehmen: von der herzlichen Begrüßung bei der Ankunft, Organisation von Sprachkursen, Freizeitangeboten in Vereinen, Aufrufen für Sach- und Geldspenden, Einrichtung eines Spendenkontos, Hausaufgabenhilfe, Hilfe bei Arzt- oder Behördenterminen, Suche nach Stellen für Praktika, Hilfe im Umgang mit dem Internet bis hin zu Kontakten zu den Familien. „Gehen Sie in die Unterkünfte und knüpfen Sie Kontakte. Haben Sie keine Angst vor dem Fremdsein, handeln Sie einfach nach Ihrem Gefühl, haben Sie Vertrauen und Mut,“ ermunterte Wirthmüller die Helfer. Alles sei möglich - auch die Einladung der Asylbewerber zu sich nach Hause.

Die Jugendlichen werden am Schulunterricht teilnehmen. Um ihnen bessere Chancen zu geben, wäre es gut, wenn Bürger vor Ort mit ihnen Deutsch lernen könnten, so Eglmeier. Die staatliche Förderung der Sprachkurse sei leider extrem zurückgegangen. Die Helfer könnten aber auf Erfahrungen anderer Helferkreise zurückgreifen. Zum Austausch der insgesamt zwölf Helferkreise im Landkreis veranstaltet die Caritas Anfang Februar ein Treffen. Regelmäßig werden außerdem Schulungen für die Helfer angeboten.

Die 20 Jugendlichen, wovon sechs aus Eritrea derzeit im Ferienlager in Ainhofen leben, sollen in den ehemaligen katholischen Kindergarten einziehen. Die katholische Kirche hat den Mietvertrag auf acht Jahre noch nicht unterschrieben, sagte Pfarrer Peter Dietz. Die notwendigen Umbaumaßnahmen haben aber schon begonnen. Geplant ist der Umbau mit Doppelzimmern, altersgerechten Sanitäranlagen sowie eine Kücheneinrichtung. Auch bei den handwerklichen Leistungen sei ehrenamtliches Engagement gefragt, sagte Eglmeier.

Ohne die sehr engagierten Helferkreise sei die Arbeit ohnehin nicht zu meistern, sagte Kerber. Laut Betreuungsschlüssel ist ein Asylberater der Caritas für 150 Flüchtlinge und ein Asylberater des Landratsamtes für 250 Asylbewerber zuständig. Außerdem müssen noch rund 300 Helfer betreut werden, für die jetzt eine Koordinationsstelle am Landratsamt eingerichtet wird. Für 2015 würden bis zu 1200 Asylbewerber erwartet.

Ehrenamtliche sind laut Irma Wirthmüller über die bayerische Ehrenamtsversicherung versichert. Bei den Sportvereinen habe der BLSV alle Asylbewerber auch ohne Mitgliedsbeitrag haftpflichtversichert. Die anderen Vereine müssten eigene Regelungen treffen.

Die Kinder und Jugendlichen bekommen 1,12 Euro Taschengeld pro Tag sowie Essen und eine Fahrkarte zur Schule. Die Erwachsenen bekommen 329 Euro im Monat, wovon sie Essen, Kleidung, Fahrkarte und Handy bezahlen müssen. Über den Sozialfonds kann die Gemeinde gegen Nachweis Fahrkarten sponsern, informierte Dirlenbach. Und auch der Internetanschluss im Kindergarten und in den Wohncontainern sei kein Problem. Wenn bekannt ist, was die UMF brauchen, wird die Gemeinde gezielt Spendenaufrufe starten. Als Ansprechpartnerin des Arbeitskreis Asyl stellte sich am Ende der über zweistündigen Versammlung Anita Meyer zur Verfügung. Erfahrungen in der Koordinationsarbeit hat sie unter anderem als frühere Mitarbeiterin von Dachau Agil gesammelt. Bürgermeister Dirlenbach sprach allen Helfern seinen großen Dank aus: „Ohne Sie wäre das alles nicht möglich!“ Beim nächsten Helfertreffen sollen die Sprecher für die verschiedenen Helfergruppen festgelegt werden.

Cornelia Hartmuth

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