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Hans-Peter Posch (2.v.l.) trat gestern zurück.

Hans-Peter Posch gibt auf

Dachau - Hans-Peter Posch ist am Montag von seinem Amt als FDP-Kreisvorsitzender zurückgetreten - völlig überraschend für seine Parteifreunde. Auch seine Kandidatur für den Landtag zog er zurück.

Am Ende wurde der Druck wohl doch zu groß. Um exakt 14.26 Uhr erklärte Hans-Peter Posch per E-Mail, dass er „mit sofortiger Wirkung“ sein Amt als Kreisvorsitzender niederlege. Auch als Landtagskandidat stehe er nicht mehr zur Verfügung. Posch begründete den Schritt damit, dass er Schaden von seiner Partei abwenden und seine Familie schützen wolle.

Die Meldung schlug ein wie ein Blitz. Denn sowohl seine Parteifreunde in Dachau als auch der Landesverband in München gingen bis gestern Nachmittag davon aus, dass der unter Betrugsverdacht stehende Posch an Amt und Kandidatur festhalten will. Landesgeschäftsführer Martin Hagen: „Ich habe am Vormittag noch mit ihm telefoniert. Von Rücktritt war da keine Rede.“

Schatzmeister Alfred Stelzer, der nach den Rücktritten Poschs und dessen Stellvertreters Jürgen Seidl (wir berichteten) derzeit das höchste Amt im Kreisvorstand innehat, betonte: „Hans-Peter Posch wird eine große Lücke hinterlassen.“ Gleichwohl sei die Entscheidung überfällig gewesen. Petra Böhm vom Dachauer FDP-Ortsverband war „absolut glücklich“ über Poschs Entscheidung. Sie findet, der Rücktritt „kann einen Neuanfang für den ganzen Kreisverband bedeuten“.

Wie genau dieser personelle Neustart aussehen wird, soll nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung klären, die Stelzer in den nächsten Tagen einberufen will. Fest steht: Der Ex-Vizevorsitzende Jürgen Seidl würde wieder zur Verfügung stehen. Auf Nachfrage erklärte er gestern, dass er sich angesichts „dieser neuen Ausgangssituation eine Mitarbeit im Kreisvorstand gut vorstellen könnte“.

Grundsätzlich, so Stelzer, „wäre es schön, wenn wir am 10. Juni zum Besuch von Wirtschaftsminister Martin Zeil, wieder ein komplettes Team präsentieren könnten“.

Unter Umständen jedoch kehrt der alte Vorsitzende schneller zurück als manchen lieb ist. In seiner Rücktrittserklärung kündigte Hans-Peter Posch bereits an, nach Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen ihn „wieder dem Kreisverband zur Verfügung stehen“ zu wollen. Bis dahin will er sich ganz der Wiederherstellung seines guten Rufs widmen. Gegen die Internetsuchmaschine Google, die nach Eingabe seines Namens auf kritische Artikel zu seiner Person verweist, sowie gegen die Urheber dieser Texte habe er Anzeige erstattet. Posch: „Der Kaffee ist noch nicht getrunken. Google wird sich sehr schwer tun, aus der Sache wieder rauszukommen.“

Stefanie Zipfer

Nachfolger? Mitgliederschwund?

Als Nachfolger Poschs wird im Kreisverband derzeit Schriftführer Alfred Stelzer gehandelt. Der betonte zwar, dass er hoffe, nicht gefragt zu werden; gleichzeitig kündigte er aber an, mit seiner Familie darüber sprechen zu wollen. Dass tatsächlich, wie von Posch prophezeit, mit seinem Rückzug 20 Mitglieder aus der FDP austreten würden, halten alle Dachauer Verantwortlichen für unwahrscheinlich. Von Maximilian Neumann, Vorsitzender des Posch-treuen Ortsverbands Indersdorf, hieß es dazu nur: „Kein Kommentar!“

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