Die Busse bleiben in den Hallen: die verbliebenen Fahrer des Busunternehmens Heigl vor ihren Bussen. foto: khr

Hauptsache billig?

Landkreis - Nach über 30 Jahren bleiben die Busse von Peter Heigl in der Halle. Die europaweite Ausschreibung von MVV-Linien hat dies mit sich gebracht. Der Auftrag ging an ein billigeres Großunternehmen. Einige von Heigls Busfahrern stehen nun auf der Straße

Auf den neu vergebenen Linien kommt es indes zu chaotischen Verhältnissen (wir berichteten). Busse kommen zu spät oder halten nicht, Fahrzeuge sind nicht beschildert, Busfahrer sprechen kaum deutsch, Haltestellen werden nicht angefahren: So lauteten die Klagen der Fahrgäste. Albert Herbst, im Landratsamt zuständig für den Personennahverkehr, hatte den Geschäftsführer zum Gespräch bestellt. Martin Geldhauser versprach, die Fahrer nachzuschulen. Er gab aber auch dem Unternehmen Simperl, einem der früheren Linienbetreiber, eine Mitschuld: weil dessen Busfahrer die Schüler „öfter zwischen Haltestellen ein- und aussteigen haben lassen“. Doch Inhaber Christian Simperl widerspricht: „Das stimmt nicht, dass unsere Fahrer irgendwo angehalten haben. Vielleicht haben sie die Kinder mal bei Regen näher am Bauernhof aussteigen lassen“, aber eingestiegen seien die Kinder immer an den Haltestellen.

Das bestätigt auch Kirstin Markl, deren Sohn vergangene Woche nach der Schule vom Busfahrer nicht mehr im Bus mitgenommen wurde, angeblich weil Ziegelberg nicht mehr angefahren werde. Doch nach einer Beschwerde direkt beim MVV funktioniert der Transport wieder.

Susanne Heinzinger dagegen empfiehlt dem Busunternehmen Geldhauser, die Ferienzeit zu nutzen, „um seine Fahrer besser zu schulen“, sowohl was die deutsche Sprache, die Pünktlichkeit als auch die Route angehe. Ihre beiden Töchter seien eine Woche lang jeden Tag zu spät in die Schule gekommen, „versäumen die Einführung in neue, schulaufgabenrelevante Themen und haben es viel schwerer, dem Unterricht zu folgen“.

Das Busunternehmen von Peter Heigl aus Amperpettenbach trifft die Neuvergabe hart: „Wir können unsere Fahrer nicht alle im Unternehmen halten. Nur einen Teil können wir auf Kleinbussen für einen anderen Kunden bei gleicher Bezahlung weiterhin beschäftigen“, sagt Heigl. Ausschließlich der Preis sei bei der Vergabe entscheidend gewesen. Aber Fahrer, die über Jahre zuverlässig ihre Arbeit erledigen sollen, müssten auch geschult werden und verdienten eine leistungsgerechte Entlohnung.

Diese zu bezahlen, ist offenbar nicht jeder bereit. Ein Busfahrer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, berichtet, dass Großunternehmen am Lohn sparen. „Sie engagieren Billigarbeiter für 11 Euro Stundenlohn, und für die Miete von Barackenwohnungen ziehen sie ihnen nochmal was ab“, sagt er. „Die Fahrer kriegen die Route mal auf Google Maps gezeigt und werden ins kalte Wasser geschmissen.“ Und wenn die Busfahrer dann die Strecken drauf hätten, würden sie nach drei bis vier Monaten wieder hinschmeißen, „weil ihnen das Geld nicht reicht“. Und das Chaos auf den Buslinien komme wieder, prophezeit der Busfahrer.

Doch bei einer europaweiten Ausschreibung kann ein Unternehmen wie das von Peter Heigl gegen Großunternehmer wie Gedlhauser nicht mithalten. „Heutzutage ist nur noch billig gewünscht“, so Heigl. Für ein weiteres Busunternehmen des Landkreises bedeutete der Preisdruck sogar das Aus.

Doch: „Es gibt glücklicherweise noch Auftraggeber, die nicht nur auf den Betrag, sondern auf die Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sicherheit und Kontinuität achten“, meint Heigl, dem es schwer fällt, „unsere Fahrgäste, die wir so viele Jahrzehnte, teilweise bereits seit ihrer Schulzeit, befördert haben, nicht mehr fahren zu dürfen“.

Für einen Richtungswechsel ist es zu spät, das bestätigt auch Albert Herbst. Kurzfristig wieder zu einem anderen Unternehmer zu wechseln, sei nicht so einfach: „Wir hätten wieder Anlaufprobleme, außerdem liegt die personenbeförderungsrechtliche Genehmigung bei der Regierung von Oberbayern.“ Herbst verteidigt Geldhauser: Das Untenehmen sei nicht per se unterzuverlässig. Um die Ausschreibung der Linien sei das Landratsamt aufgrund einer EU-Verordnung nicht herumgekommen, denn es handle sich bei den Verträgen um Bruttoverträge, „hier liegt das wirtschaftliche Risiko beim Landkreis“.

Busunternehmer Heigl sieht jedoch trotz allem positiv in die Zukunft und hofft, dass die verbliebenen Arbeitsplätze gesichert werden können.

khr/no

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