Heilerziehungspfleger völlig überfordert

Dachau - Am Montag hat Amtsrichter Stefan Käsbohrer den Heilerziehungspfleger verurteilt, der im Franziskuswerk Schönbrunn behinderte Kinder geschlagen hat.

Im Prozess kam heraus: Der Mann war völlig überfordert. Und er war nicht der Einzige.

80 Tagessätze á 50 Euro muss der Heilerziehungspfleger wegen Nötigung sowie Körperverletzung in vier Fällen bezahlen.

Der Richter sah es als erwiesen an, dass der junge Mann (29), der als stellvertretender Gruppenleiter in einer Wohngruppe des Franziskuswerks arbeitete, Kindern in vier Fällen eine Ohrfeige verpasst hat. Außerdem hat er einem Bub mit einem mit Urin gefüllten Gummihandschuh ans Kinn getupft. Dadurch wollte er den Behinderten zum Geständnis zwingen, in den Handschuh uriniert zu haben. Vom Vorwurf, einen Schützling, der sich mit Kot beschmiert hatte, eiskalt abgeduscht zu haben, wurde der Heilerziehungspfleger freigesprochen. Auch der Anklagepunkt, einen Behinderten mit einem Fixierhandschuh ans Bett gefesselt zu haben, erwies sich als haltlos.

Vor Gericht sprach der Angeklagte offen über die Vorkommnisse in den Jahren 2005 und 2006. Er und die als Zeugen geladenen Kolleginnen erklärten übereinstimmend, der junge Mann sei in seiner Position als stellvertretender Gruppenleiter überfordert gewesen.

Und unter den Kollegen habe es zwei Lager gegeben: Auf der einen Seite der Angeklagte und die Gruppenleiterin. Sie soll die Übergriffe ihres Stellvertreters gedeckt haben. Gegen die Frau, von der sich das Franziskuswerk ebenso wie vom 29-Jährigen unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorfälle getrennt hat, läuft noch ein Verfahren.

Der Pfleger arbeitet jetzt in einer Jugendtagesstätte. (flg)

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