Exotik pur: der Garten der Schmittingers um das Jahr 1900 – mit Torbogen und Blick auf die Altstadt Dachaus. Damals wurde der Baum gepflanzt.

Das Heiligtum der Schmittingers

Dachau - Über 100 Jahre ist er alt, der Magnolienbaum in der Ludwig-Thoma-Straße, direkt an der Amper, dazu wahrscheinlich der Größte in Dachau. Und ein Heiligtum - der Familie Schmittinger.

Vor ein paar Wochen stand er in voller Blüte, über und über rosa, das „Heiligtum der Familie“, wie die Schmittingers erzählen: der über hundert Jahre alte Magnolienbaum. Viele Eisesser in der Eisdiele Venezia gegenüber oder auch Spaziergänger staunen oft, erzählt Helmut Schmittinger: „Weil es der einzig große Magnolienbaum in ganz Dachau ist.“

Seit den 60er Jahren gehört die Grünfläche mit dem Magnolienbaum der Stadt, sie ist zu einem kleinen Spielplatz geworden. Früher aber war es der Garten der Familie Schmittinger. Daneben stand seit 1788 ein Bauernhof - aus heutiger Sicht also: mitten in der Stadt. „Meine Urgroßeltern haben den Bauernhof gekauft und vermutlich um 1900 auch die Magnolie gepflanzt“, erzählt der 72-jährige Helmut Schmittinger. 1895 war das. Außerdem legte die Kaufmannsfamilie aus München einen recht exotischen Garten an: „Neben dem Magnolienbaum haben sie zum Beispiel Bananenbäume und Palmen gepflanzt“, erzählt die 72-jährige Sigrid Schmittinger. Auf vergilbten Fotos ist die Geschichte des Gartens festgehalten. „Sie hatten sogar einen eigenen Gärtner.“ Das Paar gestaltete damals das Anwesen als Sommerresidenz für die Familie um. „Damals hieß die anliegende Straße noch nicht Ludwig-Thoma-Straße, sondern Steinmühlstraße“, erzählt der Dachauer.

Der Name der Straße änderte sich zwar, aber die alle Jahre wieder blühende Magnolie überdauerte alle Zeiten. In den 1960ern verkaufte die Familie ihren Garten zwar an die Stadt, doch die Verbindung zu dem Magnolienbaum blieb weiter. „Das ist schon ein verführerischer Ast“, stellt Sohn Stefan Schmittinger (47) auch noch heute lächelnd fest, wenn er den Baum mit vergleichsweise kurzem Stamm ansieht. Er kraxelte mit seinem Bruder Thomas gerne auf dem Magnolienbaum herum, obwohl es seine Oma immer verboten hatte: „Aber als der Magnolienbaum geblüht hat, haben wir uns nie rauf getraut.“ Zu schön war der Anblick des rosablühenden Heiligtums.

Anna Schwarz

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