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Heiter bis melancholisch: Mascha Kaléko

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Literatur und Musik
           zusammengeführt: Rosemarie Fendel (r.), Suzanne von Borsody und das Duo Leccornia. 
            Foto: Sch
Literatur und Musik zusammengeführt: Rosemarie Fendel (r.), Suzanne von Borsody und das Duo Leccornia. Foto: Sch

Dachau - Mit Rosemarie Fendel und Suzanne von Borsody wurde eine vergessene Lyrikerin des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt: Mascha Kaléko. Für die beiden Schauspielerinnen gab es tosenden Applaus im Dachauer Schloss.

Die jüdische Dichterin Macha Kaléko (1907-1975) war im Berlin der 20er und 30er Jahre berühmt und im Exil zunehmend in Vergessenheit geraten. Die Lesung wurde von der Stadtbücherei in der Reihe „Literatur live“ veranstaltet und war sehr gut besucht.

Bereits Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki hat die Dichterin vor einigen Jahren wiederentdeckt und ihre Verse als „Kess, keck, frech und pfiffig, schnoddrig und zugleich sehr schwermütig, witzig und ein klein wenig weise“ charakterisiert. Die beiden Schauspielerinnen – Mutter und Tochter – präsentierten die Gedichte Mascha Kalékos unprätentiös und doch wie einen kostbaren Schatz auf schwarzem Samt.

Die Spotlights setzte das Duo Leccornia mit Willy Freivogel auf der Querflöte und Siegfried Schwab auf der Gitarre. In kammermusikalischen Miniaturen unterstrichen die beiden Musiker die Stimmungen, die von Mascha Kalékos Gedichten ausgehen. Mit dem Lebenslauf der Dichterin wandelte sich der mädchenhaft heitere Ton in bittere Melancholie.

Die Auflage ihres ersten Buches „Das Lyrische Stenogrammheft“, das 1933 erschien, betrug 100 000. Mascha Kaléko sei zu dieser Zeit fast so viel gelesen worden, wie Goethe mit 138 000 Exemplaren, schlussfolgerte Suzanne von Borsody. Verleger Ernst Rowohlt wagte Ende 1934 mit „Kleines Lesebuch für Große“ noch eine zweite Publikation, bevor Mascha Kaléko 1935 mit Berufsverbot belegt wurde und 1938 mit ihrem zweiten Mann, einem Musiker und Dirigenten, nach New York emigrierte.

Das Exil bedeutete für Mascha Kaléko einen Bruch, sowohl mit der Sprache als mit ihrem Publikum.

Ab 1959 lebte sie ihrem Mann zuliebe in Israel. 1974 reiste sie letztmals nach Berlin, Auf dem Rückweg verstarb sie am 21. Januar 1975 in Zürich an Magenkrebs. (sch)

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