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Er hinterblickt das Netzwerk

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Mathias Tretter klärt auf: Freunde, die man nicht kennt und Partys mit Revolutionspotenzial – Facebook sei Dank.  REG
Mathias Tretter klärt auf: Freunde, die man nicht kennt und Partys mit Revolutionspotenzial – Facebook sei Dank. REG

Schwabhausen - Beim letzten Kabarettabend des Jahres in der Schwabhauser Post nimmt Mathias Tretter kein Blatt vor den Mund. Er sagt, wie es ist. Die Wahrheit mag oft schockieren, aber so ist es nun einmal. Sein Humor trocken und sarkastisch.

Mathias Tretter beschert zum Abschluss des Jahres 2013 im Gasthof Zur Post politsatirischen Hochgenuss. Er fackelt nicht lange. In seinem neuen Programm: „Mathias Tretter möchte nicht dein Freund sein“ geht es Schlag auf Schlag. Was ist eigentlich ein Freund? Facebook hat diesen Begrifft völlig verändert. „Freunde, das sind heute Menschen, die man überhaupt nicht kennt bis hin zu Leuten, die man noch weniger kennt.“

Dem möchte Tretter entgegentreten und gründet mit seinen einzig wahren Freunden, dem ewig kiffende Langzeitstudent Ansgar und dem sächsische Klappradkurier Rico ein asoziales Netzwerk. Wenn sich die Drei in Uschis Bierbutze treffen, planen sie, mal eben eine Revolution in Deutschland anzuleiern. Doch wie sagte Lenin bereits: „Eine Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas. Wenn die Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch ne Bahnsteinkarte.“ In Berlin würden höchstens mal zehn Autos pro Nacht brennen. In den Vorstädten von Paris dagegen sei das die normale Straßenbeleuchtung.

Wenn es in Deutschland jemals revolutionäres Potenzial gegeben habe, dann am Stammtisch. Aber wer geht heute noch außer Haus, um besoffen zu diskutieren? „Dafür haben wir heute das Internet. Da können wir zu 24 Stunden am Tag, an jedem Ort der Welt miteinander pöbeln. Und dazu gibt es auch noch freie Getränkewahl und niemand muss sich eine Hose anziehen.“

Eine Revolution in Deutschland also? Das muss eine Facebookparty sein, so Tretter. CDU, SPD, FDP und Grüne - sie alle bekamen ihr Fett weg. Auch die Republikaner. Sie hätten vor der Wahl ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen: „Normalerweise gab es doch immer nur einen Arsch pro Wahlplakat.“ Als die Partei dann auch noch Abdul-Latife Khalid als Kandidaten aufstellte, bleibt sogar Tretter der Mund offen stehen: „Wenn eine rechtskonservative Partei einen arabischstämmigen Bürger aufstellen lässt, der in Dachau als Lagerist arbeitet, ist es kein Wunder, dass viele Menschen diese Landtagswahl für einen Witz gehalten haben.“

Mathias Tretter hat auch Angela Merkel längst durchschaut. Einen Psychoterror gegen die Taliban plant die Bundeskanzlerin nämlich: „Einen Schwulen als Außenminister und jetzt eine Frau Verteidigungsministerin? Da kann man nur noch von Absicht sprechen.“

Wenn der Kabarettist dann auch noch anfängt, sich in die Genderdebatte einzumischen, erreicht auch Tretters Wortschatz höchstes Niveau. Dass sich hinter Vorträgen von Uni-Professoren so viel Spaß versteckt, wer hätte das gedacht?

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