Auf ihn haben sie gewartet: Die Startbahn-Gegner empfangen Erwin Huber, einen entschiedenen Verfechter des Flughafen-Ausbaus. foto: map

Huber: Dritte Startbahn wird kommen

Vierkirchen - Seelachs, Zander und Dorade: Das stand auf der Speisekarte beim Politischen Aschermittwoch der CSU Vierkirchen im Sportheim in Vierkirchen. Für Gastredner Erwin Huber gab’s zum Fisch quicklebendige Gegner der Dritten Startbahn.

Riesige Banner, Dutzende Schilder: Windfest eingepackte Gegner der Dritten Startbahn am Münchner Flughafen hatten sich vor dem Vierkirchner Sportheim versammelt. Noch gaben die Demonstranten der Bündnisse „Plane Stupid“ und „AufgeMUCkt“ fast keinen Mucks von sich, nur der Wind heulte laut. Dann: Ein BMW näherte sich. Erwin Huber, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Landtags und Redner beim Politischen Aschermittwoch in Vierkirchen, stieg aus - ein engagierter Kämpfer für die Dritte Startbahn.

„Da ist er ja“, riefen die Demonstranten in eisigem Tonfall. Huber begrüßte die Demonstranten provokativ mit dem Satz: „Ich glaube, die Dritte Startbahn wird kommen!“

Laut Huber ist das Wachstum der Wirtschaft nur so gesichert. München brauche die Erweiterung, damit der Flughafen die „steigenden“ Besucherzahlen zu den Hauptverkehrszeiten weiterhin verkrafte.

Von „Größenwahn der CSU“ bis hin zu „Herr Huber, wo leben Sie?“ - Alles war dort vor der Tür zu hören, bis MdL und CSU-Kreisvorsitzender Bernhard Seidenath unterbrach: „Sie haben ja nachher drinnen noch die Gelegenheit zur Diskussion.“

Denn Erwin Huber war eigentlich zum Politischen Aschermittwoch der CSU Vierkirchen eingeladen. Diese Veranstaltung fand im Gegensatz zum Passauer Pendant statt. „Der traditionelle Politische Aschermittwoch in Vierkirchen ist kein Schlagabtausch, sondern eher eine Informationsveranstaltung“, erklärte Ortsgruppenvorsitzender Wolfgang Herzberg. Der Kontakt zum Staatsminister a.D. Erwin Huber kam in Wildbad Kreuth über Bernhard Seidenath zustande.

Dazu kam ein „Witz in Anführungszeichen“, so Herzberg: „Für uns hockt ja auch ein Erwin Huber im Gemeinderat, er ist auch noch der gleiche Jahrgang.“ Erwin Huber aus Oberbayern sollte also Erwin Huber aus Niederbayern treffen. Zu schön um wahr zu sein, denn der „Vierkirchner Erwin Huber ist heute leider krank“, bedauerte der niederbayerische Erwin Huber.

Drinnen, im warmen Sportheim, teilte Huber ohne Gegenwind seine Gedanken mit: Er lobte den „ehrenamtlichen Einsatz vor allem vieler junger Menschen“ bei der Versorgung von Flüchtlingen. „Wir vertrauen Euch die Zukunft dieses Landes an.“ Dafür gab es Applaus. Asylbewerber sollten laut CSU-Mann Huber verpflichtend die Deutsche Sprache lernen - das „dürfen wir verlangen“. Auch dafür Applaus.

Aber Huber sprach auch von Fehlern der Partei in der Vergangenheit: „Niemand hat die Weisheit mit Löffeln bekommen.“ Vereinzeltes Grinsen im Publikum.

Ernst ging es nach der Rede im Nebenzimmer der Gaststätte zu. Über eine Stunde lang diskutierte Huber mit den Startbahngegnern. Darunter Bürger aus dem vom Fluglärm betroffenen Dorf Attaching bei Freising, Professoren der TU München und sogar ein Vierkirchner. Immer wieder fielen die aufgebrachten Startbahngegner dem CSU-Mann und sogar ihren Mitstreitern ins Wort.

„Herr Huber, Sie haben gesagt: ’Wie kommen Sie auf diese Schnapsidee, dass jemand unter der Dritten Startbahn leidet?’ - ich leide sehr wohl unter dem Flugzeuglärm“, begann der Attachinger Demo-Organisator Ludwig Grüll die Runde. Huber bestritt, das Zitat gesagt zu haben. „Wollen Sie hier ein Tribunal?“, fragte er verärgert und gab aber zu: „Ich verstehe ja die betroffenen Anwohner wegen des Lärms“. Das Gesamtinteresse des Landes Bayern sei aber wichtiger.

„Eher das Interesse des Flughafens“, warfen ihm die Startbahn-Gegner vor. Sie präsentierten Zahlen, die ausreichend Kapazitäten bei nur zwei Startbahnen prognostizierten. Außerdem sollten ihre Daten zeigen, dass Wirtschaftswachstum und mehr Flugbewegungen nicht zusammenhängen. „Wie soll mit einer dritten Startbahn eigentlich das bayerische Klimaziel erreicht werden?“, fragte ein Gegner. Huber entgegnete, den CO2-Ausstoß könne man bei „anderen Projekten einsparen“.

Huber befand es auch „demokratietechnisch fragwürdig“, wenn die Stadt München als Mit-Entscheider das Flughafen-Projekt blockiert. „Immerhin will die Stadt ja auch Zuschüsse beim U-Bahn-Ausbau.“ Da brach der Tumult los: „Erpressung!“

Umstimmen konnten die Startbahngegner Erwin Huber natürlich nicht. Eine Einladung ins lärmgeplagte Attaching bekam der Landtagsabgeordnete dennoch mit auf den Heimweg. Ludwig Grüll: „Tag und Nacht können Sie dort vorbeischauen!“

Maximilian Pichlmeier

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