Unterstützung von einer Zeitzeugin: Ruth Meros, die zu einem Vortrag in der Versöhnungskirche eingeladen war, mit dem Flyer der Initiative. Umrahmt wird sie von Landrat Stefan Löwl, Pfarrer Dr. Björn Mensing und stellvertretendem Landrat Helmut Zech (v.l.). foto: kn

Initiative im Landkreis Dachau: Schulterschluss gegen Nazis und Rassisten

Dachau - Der Jugendtreffpunkt Freiraum war immer wieder Ziel rechtsradikaler Angriffe. Die Verantwortlichen haben nun die Initiative „Kein Platz für Rassismus - Dachauer zeigen Zivilcourage“ angestoßen. Auf dem Volksfest sollen etwa Neonazis in die Schranken gewiesen werden. Nur: Wie erkennt man einen Rassisten?

Es gibt zwar im Landkreis Dachau keine rechtsextremistische Szene, aber sehr wohl Rechtsextremisten. Immer wieder treffen sich auf dem Dachauer Volksfest, das am Samstag, 9. August, beginnt, Menschen, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. Mitglieder der Münchner Rockband Feldherren schlürften dort beispielsweise ihr Bier. Das Politsternchen der rechten Parteien, Vanessa Becker, wurde in einer Altstadtkneipe gesichtet. Sie ist Mitglied der Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA), der Verbindungen zur verbotenen Partei Freies Netz Süd (FNS) nachgesagt werden. Unter den 25 Neonazis, die im April dieses Jahres ungehindert über die Münchner Straße spazierten, um für mehr Arbeitsrechte für Deutsche zu demonstrieren, sollen auch FNS-Sympathisanten gewesen sein.

Dem Dachauer Bündnis geht es aber nicht nur um Neonazis (wir haben berichtet). „Unser Hauptansatzpunkt ist die Verbreitung rassistischen Gedankenguts“, erklärt der Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirche Björn Mensing. Dagegen wolle die für jedermann offene Interessengemeinschaft angehen. Die Dachauer Gastronomen werden auf dem Volksfest Neonazis und andere Rassisten nicht bedienen, um ihre Gäste vor rassistischen Übergriffen zu bewahren. Überdies sollen sie in ihren Räumen keine Versammlungen von verdächtigen Gruppierungen mehr zulassen.

Doch das sei nur der Anfang, sagt Mensing. Geschäfte und Sportvereine sollen sich dem Aktionsbündnis anschließen. Überall, wo eine gewisse Öffentlichkeit gegeben ist, sollen die Hausherren gegen Rassisten einschreiten. Und das scheint zu klappen. „Auf unseren Rund-E-Mail-Verteiler melden sich immer mehr“, sagt der Pfarrer. In diesem Zusammenhang lobt er die Freiraum-Jugendlichen, „die ein unglaubliches Engagement an den Tagen legen“.

Die zivilcouragierten Dachauer haben jedoch ein Problem: Wie sollen sie Rassisten erkennen? „Wir sind ganz klar gegen Rassismus. Bloß wenn einer mit Glatze oder schwarz gekleidet zu einer Familienfeier kommt, muss das noch kein Rassist sein“, gibt der Vorsitzende des Dachauer Hotel- und Gaststättenverbandes, Michael Groß, zu bedenken. Dazu wird das Aktionsbündnis im September ein Dossier herausgeben, als Orientierungshilfe etwa bei der Identifizierung von einschlägiger Kleidung, Codes und Werbematerial. Rat holen sich die Dachauer dazu bei der Polizei, aber auch bei den Bündnissen „Keine Bedienung für Nazis“ in Regensburg und „Kein Platz für Rassismus!“ in Nürnberg. „Vor allem die Regensburger haben einen profunden Ratgeber gemacht“, sagt Pfarrer Björn Mensing.

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