Kaffeefahrt-Betrug: Einer will kein Abzocker sein

Hebertshausen - Sie wollten Senioren für viel Geld „Vitalitäts-Scheiben" andrehen: Drei Kaffeefahrt-Betrüger sind verurteilt worden. Einer von ihnen legte nun Berufung ein. Mit Erfolg.

Es ging auf große Kaffeefahrt ins Dachauer Umland. Das Gewerbeamt Freising hatte jedoch einen Azubi eingeschleust. So gingen ihm im März 2010 drei Kaffeefahrt-Betrüger ins Netz. Sie hatten alten Leuten für 900 Euro sogenannte „Vitality-Scheiben“ angedreht, die angeblich alle möglichen gesundheitlichen Beschwerden lindern sollten. Dabei handelte es sich in Wirklichkeit um eine billige Scheibe mit einem kleinen Magneten drin, dessen medizinischer Nutzen nicht nachgewiesen ist. Ein Fall für die Justiz, der sich bis jetzt hinzog.

Das Amtsgericht Dachau hatte im November 2013 drei Männer (46 bis 56 Jahre alt) aus Norddeutschland wegen Betrugs verurteilt (wir berichteten). Sie bekamen Haftstrafen, einer ohne, zwei mit Bewährung. Einer der drei legte jedoch Berufung gegen seine 15 Monate auf Bewährung ein - und bestritt, etwas mit der Sache zu tun gehabt zu haben. Nun kam der Fall vor dem Landgericht München II noch einmal auf den Tisch.

Der 46 Jahre alte Mann aus Niedersachsen beteuerte, dass er mit dem Verkauf der „Vitality-Scheiben“ in einem Gasthaus in Hebertshausen nichts zu tun hatte. Vielmehr sei er nur für Telefonverträge zuständig gewesen. Um seine Nicht-Beteiligung zu beweisen, versuchte er, seine Nicht-Anwesenheit während des Verkaufs zu belegen. So habe er währenddessen zum Beispiel in anderen Räumen mit einem Kind Ball gespielt.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, mussten auch die Wirtsleute aus Hebertshausen zu Gericht kommen. Der Mann konnte nicht mehr sagen, ob sein 13 Jahre alter Sohn im März 2010 mit jemandem Fußball gespielt hatte. Die Frau berichtete, dass der Angeklagte „der Organisator“ der Kaffeefahrt gewesen sei. Er habe angefragt, ob sie eine Bus-Gesellschaft bewirten könnten. Sie konnte jedoch nicht mehr konkret sagen, was der Angeklagte während der Verkaufsveranstaltung gemacht hatte. Eines wusste sie aber noch genau: „Alle drei Männer waren sehr forsch uns gegenüber. Ich bin mir in der eigenen Küche vorgekommen wie deren Angestellte.“ Weitere Zeugenaussagen von Senioren, die bei der Kaffeefahrt mitgemacht hatten, wurden verlesen. Doch die Zeugenaussagen halfen nicht recht weiter, es blieben Ungereimtheiten.

An den Betrügereien beteiligt sei, wer den Verkauf irgendwie unterstützt hat, erklärte die Vorsitzende Richterin. „Bloße physische Anwesenheit reicht für eine Beteiligung nicht aus.“ Darum einigten sich die Prozessbeteiligten am Ende darauf, das Verfahren einzustellen.

Der 46-jährige Niedersachse ist inzwischen Packer bei einer Internet-Firma, wo er nicht viel verdient. Deshalb blieb die Geldauflage, die bei Einstellung verhängt wird, gering. Bis Ende März nächsten Jahres muss der 46-Jährige 900 Euro zugunsten von mehrfach behinderten Kindern zahlen. Damit ist der Niedersachse noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Staatsanwalt gab ihm jedoch mit auf den Weg, dass er ihn nicht wieder vor Gericht sehen wolle.

Nina Gut

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