Clement Ngirikanwa Obielu ist ein Priester aus Berufung

Pfarrer Clement Ngirikanwa Obielu

Er kam, um zu helfen

Weichs/Indersdorf - Zu keiner Zeit im Jahr stehen die Ortspfarrer so sehr im Mittelpunkt des Geschehens wie an Weihnachen. Ein Pfarrer, dessen Leben eine beinahe himmlische Wendung genommen hat, ist Clement Ngirikanwa Obielu.

Sein Vater reparierte Fahrräder, verlieh Fahrräder, verkaufte Fahrräder. Und er, der älteste der drei Söhne, sollte das kleine Geschäft einmal übernehmen. Doch Gott hatte anderes vor mit ihm. So wurde aus Clement Ngirikanwa Obielu ein Priester aus Berufung. Nach Deutschland kam er, um zu helfen.

Erinnerung an die Priesterweihe 1974: „Damals hatte ich noch Haare.“

Clement wuchs in Amiyiy auf, einem kleinen Dorf im Süden Nigerias. „Der Name bedeutet in der Ibo-Sprache Weg zum Fluss“, erklärt Obielu. Er selbst gehört zum Stamm der Ibo. Obielu, seit 1982 Doktor der Theologie, spricht perfekt deutsch, wenngleich mit einem unüberhörbaren Akzent. Er ist ein kleiner Mann mit großer Ausstrahlung und hoher Intelligenz. Bücher sind sein größtes Hobby („ich bin eine Leseratte“), ob in Deutsch, Englisch oder Französisch verfasst, spielt keine Rolle für den 68-Jährigen. „Ich bin Christ in der zweiten Generation“, verrät Obielu, „meine Eltern sind durch irische Missionare zum Glauben gekommen. Ohne diese Missionare wäre ich heute nicht hier.“

Obielu sitzt im Wohnzimmer seiner Wohnung in Indersdorf. Als Pfarrvikar ist er für die Pfarreien Weichs, Vierkirchen und Petershausen tätig. Wenn er von den Jahren in seiner Heimat erzählt, von den Unterrichtsstunden in der Missionsschule, von seinen fünf Geschwistern und von seinem Vater, dem Fahrradhändler, lächelt er viel. Es war ein Leben in einer behüteten Gemeinschaft.

Die alles entscheidende Frage, was er nach dem Abitur tun sollte, aber beantwortete er ganz für sich allein. „Für mich stand fest, ich will Priester werden!“ 19 Jahre alt war er da. Von Deutschland hatte Obielu allenfalls eine Ahnung: „Ich habe nur gewusst, dass es ein Land mit Namen Germany gibt und dass es in Europa liegt.“

Es folgten vier Jahre in einem Priesterseminar, Obielu studierte Theologie. Eines Tages drückte ihm der Leiter des Priesterseminars einen Brief in die Hand - er sollte sein Studium fortsetzen, aber nicht in Nigeria, sondern in dem Land, das Germany heißt. Der damalige Augsburger Bischof Joseph Stimpfle hatte zwei nigerianische Studenten eingeladen. Mit 22 machte sich Clement Obielu auf nach Europa, ohne ein Wort Deutsch zu können.

In einem Sprachinstitut am Walchensee sollte das geändert werden. In nur fünf Monaten wurde der junge Mann aus Westafrika so weit gebracht, dass er das Studium wieder aufnehmen konnte. Obielu studierte erst in Dillingen an der theologischen Hochschule, später im neugegründeten theologischen Fachbereich der Universität Augsburg. 1973 schloss er mit dem Diplom ab.

„Das war’s nun mit Deutschland“, dachte Obielu damals. Er kehrte in seine Heimat zurück, wurde in Nigeria am 10. Februar 1974 zum Priester geweiht. Doch schon 1979 kam er wieder nach Deutschland, begann in Augsburg sein Promotionsstudium, wechselte nach einem Jahr nach Mainz, wo er seinen Doktor machte.

Das war’s mit Deutschland, dachte Obielu abermals. „Ich war wirklich überzeugt, für immer in meine Heimat zurückzukehren.“

Beinahe sollte er Recht behalten: Obielu blieb 22 Jahre. Er arbeitete als Akademiker, war zwischenzeitlich sogar Leiter eines Priesterseminars. Doch dann entdeckte Clement Ngirikanwa erneut eine Berufung: „Ich hatte festgestellt, dass es zwischen Nigeria und Deutschland ein starkes Gefälle gibt, was die Zahl der Priester betrifft.“ Tatsächlich ist das Wort „Priestermangel“ in Nigeria immer noch unbekannt. Das ist in Deutschland anders.

Obielu kontaktierte seinen Bischof, erklärte, dass er zurück wolle in die Seelsorge. Allerdings nicht in Nigeria, sondern in Deutschland.

Erste Anlaufstation vor fast auf den Tag genau zehn Jahren war wieder Augsburg. Doch schon wenig später leitete Obielu als Pfarradministrator fünf Pfarreien in der Nähe von Landshut. Ein harter Job, wie Obielu auf seine Art mitteilt: „Deshalb habe ich keine Haare mehr.“

Obielu sehnte sich nach einer weniger stressigen Aufgabe - und kam in den Landkreis Dachau. Sehr viel weniger anstrengend ist es hier zwar nicht, hat er mittlerweile erkannt, vor allem zu Weihnachten: „Das ist Stress pur, aber auch immer wieder eine besondere Freude.“ Aber Obielu nimmt auch das mit der ihm eigenen Gelassenheit. Lampenfieber vor großen Auftritten oder neuen Aufgaben kennt er nicht. Und Predigten hält er ohne Manuskript. Obielu: „Ich lasse mich vom Heiligen Geist leiten - und rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist!“

In knapp zwei Jahren, wenn er 70 wird, will Obielu entscheiden, was er macht. Noch weiter Seelsorge in Deutschland? Oder doch ganz zurück nach Nigeria und nicht nur zu Besuch?

Vielleicht kommt ja auch ein anderer junger Geistlicher aus seiner Heimat, um hier Pfarrer zu sein. Denn der Priestermangel hat sich in Deutschland eher verschlimmert. Große Sorgen macht sich Dr. Clement Ngirikanwa Obielu deshalb aber nicht: „Der liebe Gott lässt seine Kirche nicht im Stich!“

Thomas Leichsenring

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