50 Jahre: Schwester Johanna zeigt, wie es damals war. reg

Kloster Karmel wird 50 Jahre alt

Dachau - Das Kloster Karmel, angrenzend an die KZ-Gedenkstätte, feiert 50-jähriges Jubiläum.

Johanna Kuric ist eine aufgeschlossene und freundliche Person. Sie lächelt viel, ist wortgewandt, frohmütig. Die promovierte Germanistin transkribiert Texte von Johannes Kepler, sie versteht sich gut mit ihren Kollegen. Vor allem aber liebt sie ihre Arbeit. Johanna Kuric hat ein Auto, eine eigene Wohnung, genießt es, in den Urlaub zu fahren.

Und dennoch trifft die Kaufbeurerin einen Entschluss, der alles für immer verändert wird: „Es war mir nicht genug für mein Leben“, sagt sie. „Ich wollte mehr daraus machen; ihm einen Sinn geben.“ Vor zwölf Jahren entscheidet sie sich, ins Kloster zu ziehen. „Ich möchte mein Leben für das Gebet an diesem Ort einsetzen.“ Mit diesem Ort, damit meint Ordensschwester Johanna das Kloster Karmel, angrenzend an die KZ-Gedenkstätte. Heuer feiert der Karmel 50-jähriges Jubiläum.

Erste Priorin Mutter Maria Theresia und Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler haben den Bau des Karmel Heilig Blut Anfang der 60er Jahre initiiert. „Es genügte einfach nicht, ein Mahnmahl aus Stein zu errichten“, sagt Schwester Johanna. „Unsere betende Gemeinschaft zeigt, dass es noch mehr gibt, als dieses Grauen.“

Das Fenster ihrer „Zelle“, so nennt sich das acht Quadratmeter große Zimmer der Ordensschwester, ist mit Blick auf die Gedenkstätte ausgerichtet. „Ich bete für Versöhnung.“ Und das jeden Tag. Alle drei Stunden.

Für Johanna Kuric beginnt der Morgen um sechs Uhr mit einem Gebet. Einem Ritual, dem die Ordensschwestern auch vor 50 Jahren schon nachgegangen sind. „Die Gebetszeiten sind dieselben wie früher. Vieles hat sich in den Jahren aber auch verändert.“

Im großen Sprechzimmer zum Beispiel ist das dunkle Parkett an einem langen Streifen viel heller, als der Rest des Bodens. „Hier war ein Holzgitter angebracht“, erklärt die Ordensschwester. Besuchern war es nicht gestattet, in direkten Kontakt mit der Ordensgemeinschaft zu treten. Das Gitter war so feinmaschig, das gerade mal eine Hand durch die Löcher gepasst hat. Schon Ende der 60er Jahre, also nicht lange nach der Eröffnung des Klosters, setzt sich Priorin Gemma Hinricher dafür ein, das Gitter zu entfernen. „Es wurden genug Menschen an diesem Ort weggesperrt.“

Gemeinsam beten, das ist auch in der Kapelle möglich. Hier ist das Gitter noch da, aber immer geöffnet. „Es ist wichtig, dass die Menschen von außen mit uns in Kontakt treten können.“ Dafür dient auch ein Briefkasten in der Kapelle. Hier können Menschen ihr Anliegen notieren, die Schwestern beten dann dafür. „Es geht in unseren Gebeten nicht nur um die KZ-Opfer“, sagt Schwester Johanna. Die Gemeinschaft hat ein offenes Ohr für kleine und große Sorgen. Für all die Dinge, denen die Ordensschwestern abgeschworen haben.

Auch über aktuelle Nachrichten sind die Schwestern informiert - und beten für eine bessere Welt. Hierfür lesen sie Zeitung oder sehen sich am Abend die Tagesschau an. Denn ja, im Kloster gibt es einen Fernseher. Sogar Computer mit Internetanschluss. „Für einen Film fehlt uns aber die Zeit.“ Denn um halb neun ist das letzte Gebet, ehe sich die Schwestern in ihre Zellen zurückziehen. Diese Räume dürfen Außenstehende nicht betreten. Hier sind die Schwestern ganz unter sich.

Anlässlich des Jubiläums öffnen die Ordensschwestern aber ihr Konzil - „es ist das erste Mal, dass diese Räume jemand von außen betreten darf.“

Am heutigen Samstag gibt es um 9 Uhr einen Festgottesdienst mit P. Klaus Spiegel. Am Tag darauf, ebenfalls um 9 Uhr, mit Reinhard Kardinal Marx. (reg)

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